Top-Meldungen dieser Woche aus dem Bereich Energie und Umwelt

People take part in a march called 'Rise for Climate' in Brussels, Belgium, 27 January 2019. More than 70,000 people take part at the march, according to the police. [EPA-EFE/STEPHANIE LECOCQ]

Energie und Umwelt im Gespräch – unser Überblick über die wichtigsten Meldungen in dieser Woche, in Deutschland und anderswo in Europa.

In dieser Ausgabe: Rekord-Zuwachs für erneuerbare Energien in Europa, Klimaklage in Dänemark, Klimastreik, die EU-Wahl, La République en Marche! und mehr.

Abschlussbericht und offizielle Ernennung 

Am Freitag (1. Februar) wurde der Abschlussbericht der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ veröffentlicht.

Der deutsche Wirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier erläuterte in einem Videoblog, welche Maßnahmen von der sogennanten Kohlekommission vorgeschlagen wurden und was nun folgt.

Gleichzeitig ernannte er heute den Chef der Wuppertalen Stadtwerke, Andreas Feicht, offiziell zum neuen Staatssekretär für Energie und setzte damit einer fast einjährigen Leere ein Ende, die die deutsche Energieagenda zum Stillstand gebracht hatte.

Mobilisierung der Klimawissenschaft in Belgien

Rund 3.200 belgische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler riefen am 31. Januar in einem offenen Brief die belgischen Entscheidungsträger dazu auf, mehr Ambitionen fuer „dringend zu erhöhte Klimaziele zu zeigen“. 

„Wenn Sie die objektive Wissenschaft in Betracht ziehen, ist nur eine Schlussfolgerung möglich: Die Menschen, die auf die Straße gehen, haben vollkommen Recht.“

Europaweit wächst der Klimastreik der Jugend an Umfang, vor allem in Belgien.

Die Schulstreiks sind Teil einer breiteren Bewegung, die tausende von Schülerinnen und Schülern in ganz Belgien mobilisiert haben, darunter 12.500, die am Donnerstag (31. Januar) aus Protest gegen die Untätigkeit zum Klimawandel in Brüssel erneut auf die Strassen gingen. Tausende demonstrierten auch in der flämischen Stadt Leuven und in Lüttich, Wallonien.

Es ist die vierte Woche in Folge, in der die Schülerinnen und Schüler die Schule für den Klimakampf ausfallen liessen. Und sie sind fest entschlossen, nicht dort aufzuhören.

Dänemark: 50.000 Unterschriften zur Unterstützung eines Klimagesetzes

Dänemark verfügt derzeit  über ein System, das es den Bürgern ermöglicht, Vorschläge auf die Tagesordnung des Parlaments zu bringen, wenn mindestens 50.000 Bürger den Vorschlag mit ihrer Unterschrift unterstützen. Am Dienstag (29. Januar), hat Dänemark die Schwelle von 50.000 Unterschriften überschritten, um ein neues Klimagesetz zu fordern.

Der Vorschlag wurde von elf NGOs, darunter DanChurchAid, erarbeitet. Sollte der Vorschlag verabschiedet werden, wird Dänemark ein Gesetz haben, das sicherstellt, dass alle Entscheidungen die Auswirkungen auf den Klimawandel berücksichtigen müssen. Auch sollten Treibhausgasemissionsminderungspläne auf einer stärkeren Einbeziehung des Klimawissenschaft basieren und das dänische internationale Engagement sich stärker auf die Auswirkungen des Klimawandels auf Entwicklungsländer beziehen.

Es ist noch immer unklar, ob das Parlament am Ende ein Gesetz verabschieden wird, jedoch haben mehrere Parteien die Initiative positiv aufgenommen, sagte einen Vertreter von DanChurchAid gegenüber EURACTIV.

Die Zahl der Unterschriften, die die Initiative unterstützen, nimmt weiter zu, während die Forderung nach mehr Ambition besteht, fügte er hinzu.

Eine von Jugendlichen initiierten Petition gibt es ebenfalls. Man muss 18 Jahre alt sein, damit die Unterschrift gueltig ist.

Kein Listenplatz für La République en Marche!

Laurence Tubiana, Geschäftsführerin der European Climate Foundation, ehemalige französische Verhandlungsführerin bei der UN-Klimakonferenz in Paris 2015, wird die Liste der Partei „La République en Marche!» bei der Europawahl vom 26. Mai 2019 nicht anführen.

Auf Twitter hatte sie die in der französischen Presse kursierenden Berichte dementiert.

„Es ist Zeit, die #Europeans2019 vorzubereiten … Nicht um eine Liste zu fahren, danke, sondern so, dass das #Klima und die #Umwelt im Mittelpunkt der Programme von so vielen Parteien wie möglich stehen in den 27 Ländern der #UE!“

Wer der LREM-Parteiliste führen wird, bleibt vorerst unbekannt, ebenso sieht es bei der Sozialistischen Partei aus.

Nachfrage nach Strom aus erneuerbaren Energien wächst in Frankreich, der Niederlande, der Schweiz und Italien

Laut einer Meldung vom norwegischen Dienstleister Ecohz, verzeichnen die Niederlande, Frankreich, die Schweiz und Italien 2018 eine Rekordnachfrage nach erneuerbaren Energien.

Die Nachfrage auf dem französischen Markt stieg 2018 von 21 TWh auf 33 TWh, während Italien eine Rekordnachfrage von 45 TWh im Vergleich zu 41 TWh im Vorjahr verzeichnete. Obwohl die endgültigen Zahlen für Deutschland noch nicht veröffentlicht wurden, überschreiten diese erstmals 100 TWh.

Die Großhandelspreise für sogenannte „Garantees of Origin“-Zertifikate (GOs), lagen im Jahr 2018 im Durchschnitt bei 1,30 € / MWh, während nordische Wasserkraft-GOs bei 2,29 € / MWh notierten.

GOs sind Herkunftsnachweise, die dokumentieren, dass die verbrauchte Energie aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Die EU verlangt Herkunftsnachweise zu erwerben, um den Verbrauch erneuerbarer Energien in Europa dokumentieren zu koennen.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass der Markt bereit ist, höhere Preise zu zahlen, obwohl die Nachfrage nicht so stark gestiegen ist wie im Jahr 2017, fügt Ecohz weiter.

„Wenn sich die Wachstumstrends fortsetzen, können wir mit Sicherheit voraussagen, dass dies in wenigen Jahren ein Milliardenmarkt sein wird,“ so Ecohz, der der Marktwert momentan bei €650 Millionen einschätzt.

Starker Rückgang beim Brutto-Zubau von Windenergieanlagen

Im Jahr 2018 wurden etwa 2,4 GW Windkraftanlagen an Land neu installiert, das ist 55% weniger gegenüber 2017, meldet der Bundesverband Windenergie (BWE).

„Mit lediglich 2.402 Megawatt (MW) bzw. 743 Anlagen fällt der Neubau noch hinter das Niveau von 2013 zurück, obwohl die Nachfrage nach erneuerbarem Strom perspektivisch deutlich zunehmen wird. Der Zubau entspricht einem Rückgang von 55% im Vergleich zum Gesamtjahr 2017. Er liegt damit deutlich unter der von Bundesverband WindEnergie (BWE) und VDMA Power Systems zur Jahresmitte 2018 geschätzten Zahl von 3.300 MW,“ lautet die Pressemitteilung.

Im Jahr 2017 war das aktuelle EEG in Kraft getreten, welches den Wechsel zu Ausschreibungen von Einspeisevergütung auch bei der Windkraft eingerechnet hat.

Studie: Mehr erneuerbare Energie, weniger Steinkohle

Neue Wind-, Solar- und Biomassekraftwerke haben die Steinkohle aus dem Strommix verdrängt – vor allem in Deutschland, Frankreich und im Vereinigten Königreich. Das zeigt eine Überprüfung der europäischen Stromstatistiken für 2018 durch zwei führende energiepolitische Think-Tanks.

Die erneuerbaren Energien haben demnach im vergangenen Jahr weiter an Wichtigkeit gewonnen und erzielten 32,3% der gesamten Stromerzeugung in der EU. Das sind laut Studie zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Studie: Immer mehr erneuerbare Energie, immer weniger Steinkohle

In Europa wurde 2018 mehr erneuerbare Energie in die Netze eingespeist. Gleichzeitig sank der Steinkohleanteil deutlich. Schwieriger scheint sich der Braunkohleausstieg zu gestalten.

Breite Öffentlichkeit begrüßt Kohleausstieg-Kompromiss

Das Ergebnis der Kohlekommission mit dem Ziel eines Kohleausstieges im Jahr 2038 ist naturgemäß umstritten. Dennoch sind sich Umweltschützer und Industrieverteter einig, zumindest einen Kompromiss gefunden zu haben. Der könnte auch für andere Länder wegweisend sein.

Der Kompromiss der Kohlekommission wurde von der breiten Masse positiv aufgenommen. Von „sehr, sehr guter Arbeit“ sprach Umweltministerin Svenja Schulze (SPD), auch ihr Kollege Peter Altmaier (CDU) aus dem Wirtschaftsministerium lobte das Ergebnis.

Breite Öffentlichkeit begrüßt Kohleausstieg-Kompromiss

„Seht gut“ nennt Umweltministerin Schulze das Ergebnis der Kohlekommission, man schaufelt sich das eigene Grab, findet die AfD. Und auch in Frankreich schaut man, was in Berlin passiert. Kann die europäische Energiewende doch noch klappen?

Editiert von Alexandra Brzozowski

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