Top-Meldungen aus dem Bereich Energie und Umwelt

Jedes Jahr landen je nach Schätzung fünf bis zwölf Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen. [Rich Carey/ Shutterstock]

Energie und Umwelt im Gespräch – unser Überblick über die wichtigsten Meldungen in dieser Woche, in Deutschland und anderswo in Europa. In dieser Ausgabe: CO2-Preise, Fluginsekten, wasserbedingte Risiken und mehr.

Klimaschutz, CO2-Preise und soziale Gerechtigkeit. Die Gelbwesten-Proteste in Frankreich gehen auf eine Reihe von Fehlern der französischen Regierung zurück, die insgesamt die soziale Schere in Frankreich weiter geöffnet haben, so die Schlussfolgerung der am Montag (18. März) veröffentlichten neuen Studie vom Think Tank Agora Energiewende.

Dazu gehört neben etlichen Sozialreformen auch die Erhöhung des CO2-Beitrags auf Benzin und Diesel sowie auf Heizöl und Erdgas, weil diese ohne Rückverteilung der dadurch erzielten Staatseinnahmen vorgenommen wurde. Das belastet insbesondere Haushalte mit geringen Einkommen, erklärt Agora Energiewende.

„Die seit Herbst andauernden Proteste richten sich überwiegend nicht gegen Klimaschutz, sondern gegen die soziale Umverteilung, die der CO2-Beitrag verstärkt hat“, sagt Murielle Gagnebin, eine der Autorinnen der Agora-Analyse. „So hat die Regierung Macron nicht nur den CO2-Preis erhöht, sondern auch die Tabaksteuer und die pauschalen Sozialbeiträge.

"Wir sehen bereits heute die ersten Anzeichen der drohenden Umweltkrise"

25.000 Forscher haben sich hinter die „Fridays for Future“ Bewegung gestellt. Einer von ihnen ist der Klimaforscher Wolfgang Lucht. Er erzählt im Interview, ob Deutschland die Pariser Ziele überhaupt noch erreichen kann.

Gleichzeitig wurden die Wohngeldzuschüsse gesenkt. All das belastet Haushalte mit geringem Einkommen viel stärker als diejenigen mit mittleren Einkommen.“ Verstärkt wurde die soziale Spaltung dadurch, dass die Vermögenssteuer abgeschafft wurde, wodurch die allerreichsten Haushalte erheblich profitierten. „Wenn die Franzosen also dagegen protestieren, dass sich die soziale Schere weiter geöffnet hat, so ist das nachvollziehbar. Mit dem CO2-Beitrag hat das aber nur zum Teil zu tun und dieser Teil wäre relativ leicht lösbar“, so Gagnebin weiter.

Der Berliner Think Tank kommt zu dem Schluss, dass angesichts der CO2-Steuer-Debatte in Deutschland Bürgerinnen und Bürger mit kleinen Einkommen im gleichen Maße an anderer Stelle entlastet werden oder aber einen Klima-Bonus erhalten sollten. Die aus dem Klimaschutz gebotenen und an sich sehr wirksamen CO2-Steuern seien hingegen kein geeignetes Instrument, um den Staatshaushalt zu sanieren.

Zurückweisung. Der Bundesverband WindEnergie hat am Montag (18.März) eine Veröffentlichung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt wegen angeblicher methodischer Schwächen in Frage gestellt.

Die Studie sieht die Windenergie als einen von vielen Gründen für den Rückgang der Insektenpopulationen in Deutschland, da Fluginsekten mit den Rotorblättern kollidieren könnten.

25.000 Schüler streiken in Berlin für eine ambitionierte Klimapolitik

Es ist einer der größten Klimaproteste der Geschichte. Schüler in über 123 Ländern gingen heute auf die Straßen, in Berlin streikten laut Veranstaltern 25.000 Schüler, 300.000 in ganz Deutschland. Die Klimastreik-Initiatorin Greta Thunberg wurde gestern für den Friedensnobelpreis nominiert.

Als größter Faktor des Insektensterbens in Deutschland gilt der flächendeckende und intensive Einsatz von Pestiziden und Herbiziden in der Land- und Forstwirtschaft, schreibt hingegen der Bundesverband WindEnergie in einer Pressemitteilung.

Daneben werden auch Stickstoffemissionen aus dem Straßenverkehr, die zunehmende Urbanisierung und Zersiedlung sowie erste lebensraumveränderte Folgeeffekte des Klimawandels als sich untereinander verstärkende Einflussfaktoren genannt, so der Verband weiter.

In der Folge wird mindestens seit den frühen 1980er Jahren auf das Phänomen des Insektensterbens hingewiesen – und damit lange bevor Windenergieanlagen in Deutschland in größerem Umfang zum Einsatz kamen, fügt der Verband hinzu und bezieht sich auf eine im Oktober 2018 vom Deutschen Zentrum fürs Luft- und Raumfahrt veröffentlicht Studie.

Fehlerhafte Verschraubung. Im Kernkraftwerk Brunsbüttel sind fehlerhafte Verschraubungen an Konrad-Containern festgestellt worden, teilte die schleswig-holsteinische Reaktorsicherheitsbehörde (Energiewendeministerium) am Montag (18. März) in Kiel mit.

Die Konrad-Container sind als Endlagerbehälter für die Einlagerung von radioaktiven Abfällen in das Endlager Schacht Konrad bestimmt. Bei den radioaktiven Abfällen aus dem Kernkraftwerk handelt es sich um Verdampfer- und Filterkonzentrate aus dem zurückliegenden Leistungsbetrieb des Kernkraftwerks Brunsbüttel, erklärte die Behörde.

Deutschland steht klimapolitisch "auf der falschen Seite"

Vertrauliche Dokumente, die im Vorfeld des heute in Brüssel startenden EU-Gipfels erstellt wurden, zeigen ein Ost-West-Gefälle in Europa beim Thema Klimawandel.

Die fehlerhaften Verschraubungen wurden als meldepflichtiges Ereignis der Kategorie N angezeigt, so die schleswig-holsteinische Reaktorsicherheitsbehörde weiter. Die Reaktorsicherheitsbehörde hat Sachverständige zur Prüfung und Bewertung des Ereignisses beauftragt und die Betreibergesellschaft wurde außerdem aufgefordert, eine Ereignisanalyse zwecks Optimierung der Betriebsabläufe und der Schnittstelle Mensch/Technik durchzuführen.

Saubere Mobilität. Die Europäische Kommission hat am Montag (18 März), vertreten durch Industriekommissarin Elżbieta Bieńkowska, einen Fahrplan für saubere Fahrzeuge an den rumänischen Ratsvorsitz übergeben. Gemeinsam mit nationalen Experten hat die Institution in dem Fahrplan Maßnahmen vorgeschlagen, welche die Mitgliedstaaten und die Industrie ergreifen sollten, um eine vollständige Umstellung auf saubere Autos zu erreichen.

Der Fahrplan sieht unter anderem die Umsetzung der Regeln für die Genehmigung neuer Typen und Emissionstests, Rückrufaktionen für nicht konforme Fahrzeuge, die Schaffung eines saubereren Fuhrparks durch Nachrüstung und eine verbesserte Verbraucherinformation und einen verbesserten Verbraucherschutz vor.

Starker Anstieg der arktischen Temperaturen jetzt unvermeidlich

Starke und möglicherweise verheerende Temperaturanstiege von drei bis fünf Grad in der Arktis sind jetzt unvermeidlich, selbst wenn es der Welt gelingt, die Treibhausgasemissionen im Einklang mit dem Pariser Abkommen zu senken, warnt ein neuer UN-Bericht.

Anlass war das Forum der Automobilindustrie, das von der rumänischen Präsidentschaft in Craiova in Rumänien organisiert wurde. Die Juncker-Kommission arbeitet seit ihrem Amtsantritt 2014 am Übergang zu einer emissionsarmen und emissionsfreien Mobilität. Drei große Legislativpakete mit dem Titel „Europa in Bewegung“ und verschiedene Maßnahmen zur Förderung alternativer Kraftstoffe, der Batterieherstellung und des vernetzten und automatisierten Fahrens bilden den Kern dieser Initiative.

Der Rat für Wettbewerbsfähigkeit wird den Mitgliedstaaten Ende Mai eine Plattform für den Austausch über den Fahrplan auf politischer Ebene bieten.

Wasserbenutzung. Unternehmen berichten größere Exponiertheit gegenüber wasserbedingten Risiken, entnehmen aber dennoch mehr Wasser. Dies zeigt eine am Weltwassertag (22 März) veröffentlichte neue Untersuchung von CDP, der gemeinnützigen globalen Plattform für Umweltoffenlegungen. Der Bericht Treading Water analysiert Wasserdaten von beinahe 800 börsennotierten Unternehmen, die zusammen mehr als 36 Millionen Menschen beschäftigen und einen Börsenwert von 18 Milliarden US-Dollar darstellen, erklärt CDP in einer Pressemitteilung.

Unternehmen berichteten für das Jahr 2018 durch Wasserprobleme verursachte finanzielle Verluste in Höhe von 38 Milliarden US-Dollar, heißt es in der Studie weiter. Der Einzelhandel ist die am wenigsten transparente Branche, zum ersten Mal noch vor den fossilen Brennstoffen.

Milliardengeschäft CO2-Kompensationen: Experten fordern verbindliche Standards

Unternehmen kaufen Zertifikate zur Kompensation von CO2, um ihre Emissionen zu mindern. In Zukunft wird Deutschland wohl viele solcher Lizenzen kaufen müssen – doch obwohl der Markt viele Milliarden bringen könnte, fehlt es bisher an verbindlichen Standards.

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Anzahl der Unternehmen, die Wasserrisiken identifiziert haben, mit jedem Jahr steigt: 75% der Unternehmen berichten inzwischen, dass sie durch beträchtliche wasserbedingte Schäden gefährdet sind. 2015 waren es noch 70%.

Die Mehrheit der berichteten Gefahren sind physisch und hängen zum Beispiel mit Wassermangel und abnehmender Wasserqualität zusammen. Unternehmen berichten, dass diese Risiken die Produktion stören, der Marke schaden, und in gewissen Gebieten zum Verlust der Betriebslizenz führen könnten.

Trotz des wachsendenden Bewusstseins für diese Gefahren und einer Verdopplung der Anzahl der Unternehmen, die Ziele zur Reduzierung der Wasserentnahme gesetzt haben, ist die Anzahl der Unternehmen, die im Zeitraum 2015 bis 2018 einen Anstieg der Wasserentnahme gemeldet haben, um beinahe 50% gestiegen, so CDP weiter.

Power-to-Gas. Eine Auswertung der Power-to-Gas (PtG)-Datenbank der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST) zeigt, dass die PtG-Technologie zunehmend ausgereift ist und immer mehr kommerzielle Anwendungen findet, teilte Tüv Süd in einer Pressemitteilung am Dienstag (19 März) mit.

Deutschlandweit sind über 50 PtG-Anlagen mit einer elektrischen Gesamtleistung von über 55 MW in Betrieb oder in Planung, weitere größere Projekte im dreistelligen MW-Bereich wurden bereits angekündigt, so die Mitteilung weiter.

Ein Jahr GroKo: Nabu zieht enttäuschte Bilanz zum Umweltschutz

Der Nabu blickt heute auf das erste Jahr der großen Koalitoni zurück. Lob gibt es dabei für die Initiativen von Umweltministerin Schulze. Besonders das Landwirtschaftsministerium erhält aber schlechte Noten.

Der zunehmende Anteil der erneuerbaren Energien im deutschen Energiemix führt zu einer steigenden Nachfrage nach Flexibilität im Stromversorgungssystem bzw. einem verstärkten Einsatz von Stromspeichern, erklärt Tüv Süd. Die sogenannte Power-to-Gas (PtG)-Technologie wandelt Strom in den gasförmigen Energieträger Wasserstoff (PtH2) oder gegebenenfalls in einem weiteren Verfahrensschritt in Methan (PtCH4) um. Mit geeigneten Syntheseprozessen können daraus auch flüssige Kraftstoffe entstehen (Power-to-Liquid, PtL). Bei Verwendung erneuerbaren Stroms sind auch die resultierenden chemischen Energieträger praktisch emissionsfrei. Diese lassen sich leicht und effizient speichern, so Tüv Süd weiter.

Gewässerschutz. Unternehmen, Umweltverbände, Wasserwirtschaft, Länder und Kommunen werden an einer einjährigen Pilotphase zur Verringerung von Spurenstoffen (Substanzen zum Beispiel aus Arzneimitteln oder Chemikalien) in Gewässern teilnehmen, kündigte das Umweltministerium in einer Konferenz am Dienstag (19 März) an.

Auf Basis der so gewonnenen Erkenntnisse soll eine gemeinsame, umfassende Spurenstoffstrategie entwickelt werden.

Spurenstoffe stammen aus der Herstellung, Verwendung und Entsorgung von Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln, Industrie- und Haushaltschemikalien, sowie Körperpflege- und Waschmitteln. Trotz der niedrigen Konzentrationen können sie schädliche Effekte auf Ökosysteme und auf die Gewinnung von Trinkwasser haben.

Problem Netzausbau: Gehen 65% Erneuerbare Energien ohne Stromstau?

Um die Erneuerbaren Energien auszubauen, müssen neue Stromtrassen gebaut werden. Weil die aber nur schleppend vorankommne, fordern Branchenvertreter des grünen Stroms andere Lösungen, wie eine CO2-Bepreisung, Power-to-X (PtX)-Technologien und Smart Metering.

EU-Beschwerde. Der NABU hat formell Beschwerde bei der Europäischen Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland eingelegt, teilte die NGO am Mittwoch (20 März) in einer Pressemitteilung mit.

Grund dafür sind die aus Sicht des NABU massiven Umweltschäden durch den Offshore-Windpark „Butendiek“ und weitere Windparks am europäischen Vogelschutzgebiet „Östliche Deutsche Bucht“ in der Nordsee.

„Seit fast zwei Jahren zeigen die Daten, dass seltene und streng geschützte Seetaucher aus dem für sie ausgewiesenen Schutzgebiet vertrieben werden. Die verantwortlichen Behörden müssen jetzt handeln. Sonst verstößt Deutschland weiter jeden Tag gegen geltendes EU-Naturschutzrecht,“ so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller in der Pressemitteilung.

Obwohl die Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und auch das für die Verwaltung des Schutzgebiets verantwortliche Bundesamt für Naturschutz (BfN) um die Situation westlich von Sylt wissen, sind bis heute keine konkreten Maßnahmen der Schadenssanierung eingeleitet worden, klagt der NABU.

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