Top-Meldungen aus dem Bereich Energie und Umwelt

Das EU-Parlament will einen speziellen Übergangsfonds für die Kohleregionen Europas einsetzen. [EPA-EFE/FILIP SINGER]

Energie und Umwelt im Gespräch – unser Überblick über die wichtigsten Meldungen der Woche in Deutschland und anderswo in Europa. In dieser Ausgabe: Revolte gegen Nord Stream 2, ein umweltfreundliches Wasserstoffprojekt und ein windiger Ostermontag.

Proteste gegen Nord-Süd-Stromleitung in vier Bundesländern

Rund 2.200 Menschen haben sich am Ostermontag in Thüringen, Hessen, Bayern und Niedersachsen versammelten, um gegen den Bau der Südlink- Stromleitung zu protestieren. Die Demonstranten forderten eine Änderung der Route des unterirdischen Gleichstromnetzes oder die komplette Stilllegung des Projekts.

Der Suedlink soll eine Entfernung von 700 Kilometern zurücklegen und wird vom Bundestag, der Regierung und den meisten Experten als notwendig erachtet, um die im Norden des Landes erzeugten großen Windmengen in den Süden zu transportieren. Die Fertigstellung des Projekts ist für 2025 geplant.

Manfred Weber stellt sich gegen Nord Stream 2

Manfred Weber, der führende Kandidat um den Posten des Präsidenten der EU- Kommission, erklärte dieser Woche einer polnischen Zeitung, er werde versuchen, den Bau der umstrittenen Erdgaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland zu blockieren. Damit stellt sich Weber gegen die Bundesregierung, die das Projekt unterstützt. „Ich bin gegen dieses Projekt. Es ist nicht im Interesse der Europäischen Union “, sagte Weber der Polska Times. „Als Chef der Europäischen Kommission werde ich alle verfügbaren Gesetze nutzen, um Nord Stream 2 zu blockieren.“ Weber ist der Kandidat der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), der Koalition im Europäischen Parlament, zu der auch Kanzlerin Angela Merkel gehört.

Das von dem russischen staatlichen Energieunternehmen Gazprom geführte Projekt Nord Stream 2, das derzeit unter der Ostsee im Bau ist, würde die Lieferung von zusätzlichem russischem Gas direkt nach Deutschland ermöglichen. Befürworter behaupten, die Pipeline sei der Schlüssel zur Sicherung der Energieversorgung Europas und Deutschlands. Gegner, darunter die Vereinigten Staaten, einige europäische Länder und sogar Politiker innerhalb der CDU von Merkel, kritisierten das Projekt aus ökologischen, geopolitischen und sicherheitspolitischen Gründen und sagten, die zusätzliche Übertragungskapazität sei nicht erforderlich. Die Pipeline sollte noch in diesem Jahr fertiggestellt sein, doch Dänemark hat kürzlich die Erlaubnis für die ursprüngliche Route des Projekts verweigert und wahrscheinlich verzögert.

Rekord an Erneuerbaren Energien

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erreichte am Ostermontag einen neuen Rekordwert , als Wind- und Solaranlagen dank starkem Wind und reichlich Sonnenschein 77 Prozent des deutschen Stromnetzes generierten, so das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. Demnach machte Windkraft 40 Prozent der gesamten Nettoleistung aus, Solarstrom 20 Prozent und Biomasse 10 Prozent.

Die Daten des Instituts repräsentieren den Strommix, der die deutschen Haushalte tatsächlich versorgt. Nicht enthalten sind Angaben über die Menge an Strom, die die Erzeugungsanlagen selbst verbrauchen, oder den von der Industrie selbst produzierten Strom, der nicht in das öffentliche Netz eingespeist wird. Um die Mittagszeit deckten erneuerbare Energien fast den gesamten Strombedarf Deutschlands ab, gibt der Think Tank Agora Energiewende basierend auf vorläufigen Daten an. Gleichzeitig sind konventionelle Kraftwerke am Montag stark gedrosselt worden. Der bisherige Rekordanteil an erneuerbaren Energien wurde am 8. Dezember 2018 (75 Prozent) und am 24. Dezember 2017 (74 Prozent) erreicht, berichtet das Clean Energy Wire.

Deutschland war nicht das einzige Land, das über Ostern Rekordwerte verzeichnete: Großbritannien brach seinen Rekord an kohlenstofffreier Stromerzeugung und überbrückte über die Feiertage einen Zeitraum von mehr als 90 Stunden ohne Kohle, wie die BBC berichtet.

Rhein-Main-Gebiet will Wasserstoffinfrastruktur aufbauen

Eine Gruppe von Energieversorgern, Forschern und der hessischen Staatlichen Energieagentur möchte im Industrie- und Business-Hub des Rhein-Main-Gebiets in der Nähe von Frankfurt ein umweltfreundliches Wasserstoffprojekt einrichten, das den Transport mit erneuerbarer Energie antreiben und etwa 5.000 Tonnen CO2 einsparen soll, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das Konzept des Bauvorhabens sieht vor, eine Wasserstoffwirtschaft mit nahezu 100 prozentiger Versorgungssicherheit aufzubauen. Hierfür sollen Wasserstofferzeugung, -distribution, -speicherung und -verbrauch in der Region zusammen geplant und vernetzt werden. Zur Wasserstofferzeugung werden in Frankfurt, Mainz und Groß-Gerau Elektrolyseure mit einer Leistung von insgesamt ca. 15 MW betrieben. Die Anlagen sind miteinander verbunden und können sich im Fall von Produktionsausfällen gegenseitig absichern, schreiben die Unternehmen.

Durch die Nutzung von Wasserstoff zur Herstellung von Methan könne eine fast unbegrenzte Speicherung von erneuerbarem Strom und Wasserstoff im Erdgasnetz erfolgen. Dazu soll eine Methanisierungsanlage im Megawattbereich errichtet werden, die aus dem Elektrolysewasserstoff synthetisches Methan erzeugt. Das „grüne“, strombasierte Methan kann außerdem als Rohstoff in der Industrie zum Einsatz kommen. Zur Erzeugung von Strom und Wärme in einem Netzengpassgebiet wird ein Brennstoffzellen-Kraftwerk mit bis zu 10 MW aufgebaut. Das Kraftwerk wird per Pipeline mit Wasserstoff versorgt und kann sowohl Netzdienst- als auch Regelleistung anbieten.

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