Top-Meldungen aus dem Bereich Energie und Umwelt

Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnten sich die Alpengletscher um rund die Hälfte verkleinern, zeigt eine neue Studie. [Triposo] Shutterstock]

Energie und Umwelt im Gespräch – unser Überblick über die wichtigsten Meldungen der Woche in Deutschland und anderswo in Europa. In dieser Ausgabe: Monsanto, schmelzende Gletcher, CO2-Bespreisung und mehr.

Französischer Urteil gegen Monsanto. Es ist eine Premiere in Frankreich, berichtet die französische Tageszeitung Sud-Ouest am Donnerstag, 11. April. Das Berufungsgericht von Lyon hat am Donnerstag, 11. April, die amerikanische Firma Monsanto verantwortlich für die Vergiftung von Paul François, Landwirt in der Charentes (Süd-West) gemacht. François hatte im Jahr 2004 die Dämpfe von Lasso, einem Monsanto-Herbizid, eingeatmet, und daraufhin in Lebensgefahr geschwebt. Der Landwirt sagt, er leide nun an einer schweren neurologischen Erkrankungen. Diese Entscheidung ist die dritte, die in diese Richtung geht. Monsanto, jetzt Tochtergesellschaft von Bayer, wurde 2012 in erster Instanz für verantwortlich erklärt und hatte im Juli 2015 Berufung eingelegt. Im Juli 2017 hatte Monsanto die Aufhebung dieser Entscheidung erhalten, musste auf der Grundlage von „mangelhafter Produkthaftung“ und nicht aufgrund „fehlender Informationen“ geprüft werden.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Der Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen hat am 11. April sein Hauptgutachten zum Thema Chancen und Risiken der Digitalisierung für die nachhaltige Entwicklung vorgelegt. Darin analysiert das Beratergremium der Bundesregierung die Zusammenhänge zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit und entwickelt Handlungs- und Forschungsempfehlungen. Zentrale Forderung des WBGU ist es, den digitalen Wandel so zu gestalten, dass er als Hebel und Unterstützung für Nachhaltigkeit dient.

Zum Beispiel soll bei der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt mithilfe digitaler Anwendungen die Biodiversität besser erfasst und geschützt werden, heißt es in der Pressemitteilung. Bei den Kopernikus-Projekten für die Energiewende wiederum werden digitale, technologische und wirtschaftliche Lösungen für den Umbau des Energiesystems entwickelt, so die Mitteilung weiter.

Das Bundesumweltministerium ist dieses Jahr Hauptpartner der re:publica 2019 (6.-8. Mai), einer Messe zur digitalen Gesellschaft. Dort wir das Umweltministerium ein erstes Eckpunktpapier für eine umweltpolitische Digitalagenda vorstellen.

CO2-Bepreisung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich beim Treffen des sogenannten Klimakabinetts „sehr offen“ gegenüber einer CO2-Bepreisung gezeigt, verkündete Umweltministerin Svenja Schulze nach der ersten Sitzung der Minister am Mittwoch den 10. April. Mehr zum Thema finden Sie hier.

Eon startet bundesweite Initiative „Grünes Gas aus Grünem Strom“. In Kooperation mit den regionalen Partnern Avacon, Bayernwerk, Edis und Hansewerk will Eon die Reduzierung von CO2 bei Wärme, Verkehr und Industrie erforschen. Bereits heute sind 95 Prozent der Anlagen zur Produktion von erneuerbaren Energien deutschlandweit an das Verteilnetz angeschlossen, heißt es in der Pressemitteilung. Speziell die Power-to-Gas-Technologie (P2G) kann genutzt werden, um dezentral erzeugten Strom aus Windkraft- und Solaranlagen in „grünes“ Gas umzuwandeln. Als Produkt entsteht Wasserstoff oder synthetisches Methan, die dann direkt in die Gasverteilnetze eingespeist und unmittelbar beim Kunden zur Dekarbonisierung von Wärmeversorgung, von Mobilitätsanwendungen und industriellen Prozessen eingesetzt werden kann. Eon bewirbt sich für mehrere Projekte um Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) im Rahmen der „Reallabore der Energiewende“.

Schrumpfender Rhein. Auch in diesem Sommer könnte der Rhein in Deutschland wieder für Schiffe unpassierbar sein, wenn in Europa erneut Dürre herrscht, berichtet William Wilkes für Bloomberg. Deutsche und Schweizer Wissenschaftler warnen, dass starke Schneefälle in den Alpenregionen an der Quelle des Flusses keinen Schutz vor einer Wiederholung niedriger Flussstände bieten, die im Oktober einen wichtigen Erstickungspunkt blockierten. „Die Sackgasse des vergangenen Jahres war schwer genug, um das deutsche Wirtschaftswachstum zu beeinträchtigen, und unterstreicht, dass selbst fortgeschrittene Volkswirtschaften die Auswirkungen der globalen Erwärmung spüren“, schreibt Wilkes. Das außergewöhnlich trockene Wetter im letzten Jahr führte zu sehr niedrigen Wasserständen in Deutschlands wichtigstem Fluss, was zu schweren Schiffsunterbrechungen führte, die unzählige Unternehmen von der Versorgung abschneiden. Schwergewicht der chemischen Industrie Die BASF musste beispielsweise in einem ihrer Werke die Kunststoffproduktion einstellen. Mehr zum diesem Thema lesen Sie hier.

Gletscher schmelzen immer schneller ab. Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnten sich die Alpengletscher um rund die Hälfte verkleinern. Das haben Forscher von der ETH Zürich in einer Studie errechnet, die im Fachjournal The Cryosphere eschienen ist. Die zunehmende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre wird sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts spürbar auf die globalen Durchschnittstemperaturen auswirken. Zudem reagieren die Eismassen äußerst träge. Vor allem tiefer gelegene Gletscher sind noch deutlich vom kühleren Klima der Vergangenheit geprägt. „Selbst wenn es uns gelingt, die Erwärmung des Klimas zu stoppen und es auf dem Niveau der letzten zehn Jahre zu halten, würden die Gletscher aufgrund dieser ‚Gletscherreaktionszeit‘ bis 2050 immer noch etwa 40 Prozent ihres heutigen Volumens verlieren“, sagte Studienmitautor Harry Zekollari von der ETH.

Gewinneinbrüche bei Steag. Das Unternehmen Steag, einer der größten Kohleverstromer im Land, leidet unter der Energiewende, schreibt Antje Höning in der Rheinischen Post. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern brach im vergangenen Jahr um 19 Prozent ein. Grund sind geringere Einsatzzeiten und die endgültige Stillegung von drei Kraftwerksblöcken, heißt es im Artikel. Ohne das Auslandsgeschäft hätte es noch schlechter ausgesehen: Dieses trägt mittlerweile 57 Prozent zum Gewinn bei.

Deutsch-französische Zusammenarbeit beim Klimaschutz und Biodiversität. Bundesumweltministerin Svenja Schulze und der französische Umweltminister François de Rugy haben die Fortführung der engen deutsch-französischen Zusammenarbeit beim Klima- und Artenschutz vereinbart, heißt es in einer am Dienstag, 9. April, veröffentlichten Pressemitteilung.

Schulze und de Rugy wollen sich bei den derzeit laufenden Verhandlungen über den zukünftigen mehrjährigen Finanzrahmen für die Verwendung eines wesentlichen Anteils des Haushalts für Klima- und Umweltschutz einzusetzen. So sollten wichtige Politikfelder der EU, insbesondere die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), ausreichend große Beiträge leisten.

Beide Minister bezogen sich auch auf die Europa-Wahlen Ende Mai: „Etwa 80% der Klima- und Umweltpolitik wird auf EU-Ebene gestaltet. Abgeordnete des Europäischen Parlaments entscheiden bei all dieser Gesetzgebung vollumfänglich mit. Die Teilnahme an der Wahl ist daher von höchster Wichtigkeit, um langfristige Entscheidungen zu beeinflussen. Wir hoffen auf einen starken, pro-europäischen Rückenwind.“

Frankreich hat derzeit die G7-Präsidentschaft inne; Deutschland wird in der zweiten Jahreshälfte 2020 die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen, die Frankreich wiederum während des ersten Halbjahres 2022 übernehmen wird.

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