Talanoa gegen den Klimawandel

UN-Klimakonferenz in Bonn. [EPA-EFE/PHILIPP GUELLAND]

Derzeit tagt das UN-Klimasekretariat im Rahmen der COP23-Konferenz in Bonn. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen setzen große Hoffnung in das von den Fidschi-Inseln eingeführte Talanoa-Format.

Gemeint ist ein Diskussionsformat, das seine Wurzeln auf pazifischen Inseln hat. Die Fidschi-Inseln, ein vom Klimawandel akut bedrohter Staat, haben ihre Präsidentschaft der Klimakonferenz genutzt, das Format in den Verhandlungen zu verankern. Starre Tagesordnungen mit gesetzten Rednern sollen durch ein lockereres Format ersetzt werden, in dem jeder Sprecher „Geschichten“ erzählt statt Positionen zu wiederholen, jeder jedem aufmerksam zuhört, in dem mehr auf gegenseitigen Respekt und Verständnis gesetzt wird und in dem mehr Ergebnisoffenheit vorherrscht. Ea geht darum, die Motive der Verhandlungspartner besser zu verstehen und so eine neue Vertrauensbasis zu schaffen.

Doch ist das Format wirklich geeignet, um die Fortschritte seit dem Klimaabkommen von Paris 2015 zu evaluieren, die Ziele zu bestätigen und Lösungen zu finden, um die klimapolitischen Ambitionen der beteiligten Staaten zu erhöhen? Denn genau das ist das Ziel der Tagung, die sich als Teil des so genannten „Talanoa-Prozesses“ versteht und die den Weg zur nächsten Klimakonferenz ebnen soll, die im Dezember unter polnischer Präsidentschaft in Katowice stattfinden wird.

Zivilgesellschaftliche Organisationen setzten vor allem auf die Talanoa-Runde am vergangenen Sonntag, zu der der Botschafter der Fidschi-Inseln, Luke Daunivalu, alle Teilnehmer bereits während der Konferenzeröffnung eingeladen hatte.

„Wir haben das Pariser Abkommen vor zweieinhalb Jahren unterzeichnet und uns darauf verständigt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Aber wir sehen nichts von der massiven Transformation und dem verstärkten Handeln, das notwendig wäre, um dieses Ziel zu erreichen“, sagte Teresa Anderson von der britischen NGO Action Aid gegenüber EURACTIV. „Wenn wir eine Chance haben, die gefährliche Erwärmung zu begrenzen, brauchen wir eine vertrauensvolle Konversation darüber, was zu tun ist“, betonte sie die Wichtigkeit des Talanoa-Ansatzes.

Jens Mattias Clausen von der skandinavischen Greenpeace-Sektion sieht das ähnlich: „2018 ist ein entscheidendes Jahr im Kampf gegen den Klimawandel und die Konferenz in Bonn muss den richtigen Ton dafür setzen. Wir brauchen klare Zusagen der Staaten, dass sie ambitioniertere Maßnahmen ergreifen um die Erderwärmungsziele des Pariser Klimaabkommens noch zu erreichen. Der Talanoa Dialog am Sonntag muss für diese neuen, stärkeren Zusagen das Sprungbrett sein“, sagte er im Vorfeld der Konferenz.

Auch Fernanda De Carvalho, beim WWF für internationale Klima- und Energiethemen zuständig, setzte vor der Konferenz große Hoffnungen in Talanoa: „Um die Welt zu verändern müssen wir zunächst uns selbst verändern. Deswegen ist der Talanoa-Dialog so wichtig. Ich hoffe, dieser innovative Ansatz inspiriert die Regierungen mit neuen Ideen, wie die Emissionen reduziert werden können. Das Ergebnis des Prozesses muss den Weg zur COP24 mit Zugeständnissen ebnen, die nationalen Beiträge zum Klimaschutz bis 2020 zu überarbeiten und zu verbessern. Das wird die Zukunft für heutige und künftige Generationen bestimmen“, sagte sie.

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Doch konnte der Dialog derart hohe Erwartungen erfüllen? Das Climate Action Network (CAN) lud am Tag danach zur Auswertung. Bei der Pressekonferenz sprachen die NGO-Vertreter von einem Meilenstein. Emmanuelle Pinault von der Organisation „C40“ brachte die Perspektive der Städte ein. Sie lobte, dass auch die Großstädte Paris und Mexico City an dem Dialog teilnahmen. Es seien viele „Geschichten“ ausgetauscht wurden, wie Städte auf das Ziel einer Karbonneutralität bis 2050 hinarbeiten. Besonders hervor hob Pinault die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Stakeholdern. Die direkte Einbindung zivilgesellschaftlicher Gruppen wurde sehr wohlwollend aufgenommen. Nun müsse der Prozess verstetigt und auch in den jeweiligen nationalen Rahmen übersetzt werden.

Auch die Geschäftswelt war gut vertreten, wie David Wie, Klimadirektor von „Business for Social Responsibility“ betonte. Er argumentierte, dass die Unternehmenswelt ihren Beitrag und ihre Ambitionen zum Erreichen der Klimaziele durch Erfindergeist und Innovation erhöhe. Er habe im Dialog die „Geschichte“ beigetragen, wie überrascht er war, dass das Pariser Abkommen so schnell zu einem „Goldstandard für den Kampf gegen den Klimawandel“ wurde.

Gleichfalls zufrieden zeigte sich Juan Pablo Osornio von Greenpeace International nach dem Dialog gegenüber EURACTIV zufrieden: „Der Talanoa-Dialog war erfolgreich darin, Barrieren zwischen verschiedenen Stakeholdern abzubauen. In einem Umfeld des Vertrauens und der Offenheit war klar, dass Freiwilligkeit uns alle zusammenbindet. Es war auch evident, dass die gegenwärtigen nationalen Zugeständnisse absolut unangemessen sind. Der Talanoa-Dialog legt den Grundstein für die politischen Diskussionen, die für ein ambitioniertes Ergebnis der COP24-Konferenz gebraucht werden.“

Die Zivilgesellschaft hat dank Talanoa also bei den Klimakonferenzen mehr zu sagen als in der Vergangenheit. Doch ob das tatsächlich dazu beiträgt, die Erderwärmung zu begrenzen? Möglich. Ein Nachteil des Formates ist, dass seine Erfolge schwer messbar sind. Für Teresa Anderson steht auch am Tag danach noch nicht fest, ob der Prozess ein Erfolg ist: „Nun sind alle Augen auf die Fidschi-Präsidentschaft, die auf diesem ersten Schritt aufbauen muss und dann auf die polnische Präsidentschaft gerichtet, die das Unternehmen im COP24-Prozess fortsetzen muss. Bis zum Jahresende müssen sie einen transparenten Prozess initiieren, der dem Mandat des Pariser Abkommens entspricht, sagte sie. „Die eigentliche Talanoa-Geschichte startet jetzt.“

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