Studie: Solarenergie könnte bis 2025 billiger als Kohle und Gas sein

Die Kosten für Stromerzeugung aus Solarenergie sinken schneller als erwartet. Foto: [José Sáez/Flickr]

EXKLUSIV: In den sonnigeren Regionen der EU wird die Solarenergie bis 2025 billiger als Kohle oder Gas sein. Zu diesem Schluss kommt eine heute veröffentlichte Studie des Fraunhofer-Instituts. EURACTIV Brüssel berichtet.

Die Nichtregierungsorganisation (NGO) Agora Energiewende gab die Studie zu den Kosten von Stromerzeugung durch Solarenergie in Auftrag. Das Fraunhofer-Institut für Solarenergiesysteme erstellte die Studie.

Demnach könnten hohe Risikoprämien oder schlechte Regulierung die Kosten um die Hälfte in die Höhe treiben.  

Die Produktionskosten für Solarenergie in Mittel- und Südeuropa werden der Studie zufolge aber bis 2025 auf 0,04 Euro bis 0,06 Euro pro Kilowattstunde sinken. Bis 2050 sollen sie auf zwei bis vier Cent fallen.

Der Forschung liegen „konservative Annahmen“ über mögliche Technologiedurchbrüche im Solarsektor zugrunde. Es wurden keine Innovationen einkalkuliert, die Strom noch billiger machen könnten.

Große Solaranlagen in Deutschland liefern derzeit Strom für weniger als neun Cent. Dem Bericht zufolge liegt der Preis für Strom neuer Kohle- und Gasanlagen zwischen fünf und zehn Cent pro Kilowattstunde. Kernkraftwerke berechnen demnach elf Cent.

Die Stromgewinnung aus Photovoltaikanlagen spielt in der EU nur eine sehr begrenzte Rolle. Das liege an den hohen Kosten im Vergleich zu anderen CO2-armen Quellen, so Agora Energiewende.

Aber dennoch zeige die Studie, dass Solaranlagen mit Kohle und Gas konkurrieren könnten, die als billiger gelten, so die NGO.

Solarenergie könnte also eine wichtige und finanziell machbare Rolle bei der Verringerung der Energieabhängigkeit der EU spielen. Das gilt auch für die Energieziele für 2020 und 2030 – zentrale Ziele der neuen Energieunion.

„Die Studie zeigt, dass Solarenergie sehr viel schneller billiger geworden ist als die meisten Experten vorhersagten und das wird auch weiterhin so sein“, sagt Patrick Graichen, Direktor bei Agora Energiewende. „Die Pläne für Stromversorgungsanlagen sollten deshalb weltweit überarbeitet werden. Bis jetzt erwarten die meisten nur einen kleinen Anteil der Solarenergie am Mix.“

Die Kosten könnten steigen

Die hohen Kosten für Photovoltaikinstallationen bedeuten der Studie zufolge, dass die Kosten der Stromerzeugung stark von finanziellen und regulativen Bedingungen abhängen.

Hohe Risikoprämien, die sich in Zinsen widerspiegeln, oder schlechte Regulierung könnten die Kosten für Solaranlagen um bis zu 50 Prozent nach oben treiben. Dieser Effekt wäre dramatisch. Denn jeder Vorteil durch mehr Sonnenschein wäre dem Bericht zufolge dahin.

„Günstige finanzielle Bedingungen und stabile gesetzliche Rahmen sind daher wesentliche Bedingungen für billigen, sauberen Solarstrom. Es liegt an den politischen Entscheidungsträgern diese Bedingungen zu schaffen und beizubehalten“, sagt Graichen.

Bei den EU-Entscheidungsträgern gelten die erneuerbaren Energien als teuer. Die Kosten für die Integration des erneuerbaren Stroms in den Energiebinnenmarkt müsse durch den Aufbau neuer Infrastruktur gesenkt werden, wie aus einem durchgesickerten Entwurf der EU-Pläne für die Energieunion hervorgeht.

Es bräuchte marktorientierte Pläne, um das „Preis-Leistungsverhältnis“ der Erneuerbaren zu garantieren.

Die Energieunion würde mit öffentlichen Geldern aufgebaut, erklärte Klimakommissar Miguel Cañete gegenüber EURACTIV. Durch Risikogarantien wolle die Kommission Anreize für private Investitionen schaffen.

Es gibt aber noch Ungewissheit darüber, inwieweit Investoren dadurch mehr Solarenergie unterstützen werden. Die Regierungen in der EU sind für diese Unsicherheit verantwortlich. Länder wie Spanien kürzten die öffentlichen Subventionen für erneuerbare Energien aufgrund der Finanzkrise rückwirkend.

Die Kommissionsüberarbeitung des EU-Strommarkts als Teil der Energieunion wird auch die nationale öffentliche Unterstützung für erneuerbare Energien betreffen. Das geht aus EURACTIV vorliegenden Dokumenten hervor.

Die EU, die Regierungen und die örtlichen Behörden sollten die Schlussfolgerungen des Berichts annehmen, meint Claude Turmes, Grünen-Europaabgeordneter aus Luxemburg. Sie sollten eine dezentralisierte und ausgewogene Energie- und Klimaunion aufbauen, die komplett aus erneuerbaren Energien besteht.

„Solar-Photovoltaik hat bereits beeindruckende Kosteneinsparungen erreicht und wird in dieser Richtung weitermachen. Das sollte besser im Energiebedarfsszenario der Kommission und  der Roadmap für die Energieunion widergespiegelt sein“, so Turmes.

Energieunion

Die Energieunion, die morgen vorgestellt werden soll, ist die EU-Reaktion auf Russlands Politik, Gaslieferungen als Druckmittel zu gebrauchen.

Ein Großteil der russischen Gaslieferungen an die EU geht durch die Ukraine. Insgesamt machen sie 30 Prozent des jährlichen EU-Bedarfs aus. Russland drehte 2009 den Gashahn zu, was zu Engpässen in der EU führte.

Seither verschlechterten sich die Beziehungen durch die Krim-Annexion, den Abschuss einer Passagiermaschine von Malaysia Airlines durch von Russland unterstützte Separatisten und EU-Sanktionen für Russland.

Doch bei den EU-Plänen geht es nicht nur um Fragen der Lieferungssicherung. Der Kampf gegen den Klimawandel spielt bei den Überlegungen ebenfalls eine Rolle.

Die EU importiert mehr als die Hälfte ihres Energiebedarfs. Dem Mitteilungsentwurf zur Energieunion zufolge könnte diese Situation durch mehr heimische Stromerzeugung verbessert werden.

Doch bei den EU-Plänen geht es nicht nur um Fragen der Lieferungssicherung. Der Kampf gegen den Klimawandel spielt bei den Überlegungen ebenfalls eine Rolle. Die Kommission betrachtet die Energieunion als eine Methode, die EU-Dekarbonisierungsziele bis 2030 zu erreichen. Die Staats- und Regierungschefs verständigten sich im Oktober darauf.

Zusammen mit der Energieunion wird die Kommission ein Strategiepapier für die im Dezember stattfindende UN-Klimakonferenz in Paris veröffentlichen. Ziel der Konferenz ist ein rechtsverbindliches Ziel zur Begrenzung der Klimaerwärmung. 

Die Energieunion, die morgen vorgestellt werden soll, ist die EU-Reaktion auf Russlands Politik, Gaslieferungen als Druckmittel zu gebrauchen.

Ein Großteil der russischen Gaslieferungen an die EU geht durch die Ukraine. Insgesamt machen sie 30 Prozent des jährlichen EU-Bedarfs aus. Russland drehte 2009 den Gashahn zu, was zu Engpässen in der EU führte.

Seither verschlechterten sich die Beziehungen durch die Krim-Annexion, den Abschuss einer Passagiermaschine von Malaysia Airlines durch von Russland unterstützte Separatisten und EU-Sanktionen für Russland.

Doch bei den EU-Plänen geht es nicht nur um Fragen der Lieferungssicherung. Der Kampf gegen den Klimawandel spielt bei den Überlegungen ebenfalls eine Rolle.

 

  • 25. Februar: Veröffentlichung der Kommissionsmitteilung zur Energieunion
  • Dezember: UN-Klimakonferenz

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