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06/12/2016

Studie: Mit Stahlrecycling gegen die Rohstoffkrise

Energie und Umwelt

Studie: Mit Stahlrecycling gegen die Rohstoffkrise

Der Stahlsektor in Deutschland und Europa kämpft ums Überleben. Liegt die Hoffnung im Stahlrecycling?

Foto: Oliver Berg/dpa

Der Markt für Stahlschrott schwächelt – doch die Kreislaufwirtschaft bietet Hoffnung. Das Recycling von ausgedienten Stahlprodukten in der Stahlindustrie wird künftig immer wichtiger, zeigt eine Studie.

Der Preisdruck bei den Rohstoffen trifft immer stärker auch die Recyclingbranche für Stahl. Das hat mehrere Ursachen: Zum einen verkauft China in Europa seinen Stahl zu Dumpingpreisen, weil dort Überkapazitäten bestehen. Zum anderen macht der starke Einbruch der Preise für Eisenerz die Produktion von neuem Stahl preisgünstig, heißt es vom Branchenverband Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV). Der Preis für bestimmte Arten von Schrott fiel demnach im  Jahr 2015 um bis zu 40 Prozent, das mache die Nutzung von Schrotten immer unrentabler, so der BDSV. 2015 sank die Nachfrage um 7,5 Prozent auf knapp 26 Millionen Tonnen.

Auch in Europa insgesamt sieht es düster aus für die Stahl-Branche: Innerhalb von acht Jahren ging der Schrotteinsatz um fast ein Viertel auf gut 90 Millionen Tonnen zurück. Die Türkei, die in der Vergangenheit besonders viel europäischen Stahlschrotts eingeführt hat, kaufte 2015 rund 20 Prozent weniger Stahlschrott als 2014.

Es gibt große Überkapazitäten

Doch nun gibt es für die Brache einen Hoffnungsschimmer. Obwohl der Markt für Stahlschrott schwächelt, werde die Bedeutung der Stahlrecyclingbranche in der Wertschöpfungskette der Stahlindustrie künftig immer wichtiger. Das zumindest besagt eine Studie des Forschungsinstituts Fraunhofer UMSICHT.

Der derzeitige und künftige Rohstoffbedarf der deutschen Stahlindustrie wird nicht allein aus Primärmaterial zu decken sein, schreiben die Forscher in der Studie. „Die Unternehmen der Stahlrecyclingwirtschaft sind es, die die Sekundärrohstoffe erfassen und qualitativ so aufbereiten, dass das Material von den Stahlproduzenten überhaupt wiedereingesetzt werden kann“,  sagt Markus Hiebel, Leiter der Abteilung Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement bei Fraunhofer UMSICHT.

„Schrott ist auch heute ein unverzichtbarer Sekundärrohstoff für die Produktion von hoch innovativen Stahlprodukten, sowohl national als auch International“, sagt auch Markus Hiebel von Fraunhofer UMSICHT.

Die Stahlrecyclingwirtschaft dürfte das erleichtern. Denn in Deutschland erwirtschaftet sie Milliardenumsätze und beschäftigte 2015 nach BDSV-Angaben in der Bundesrepublik 37.000 Menschen.

Beitrag des Stahlrecyclings zum Klimaschutz

Sicher ist laut der Studie, dass die Stahlrecyclingbranche künftig eine wachsende Rolle bei der Entwicklung der Kreislaufwirtschaft spielen wird – und damit auch zum Klimaschutz beiträgt. Denn der Einsatz von Schrott mache deutsche Stahlprodukte deutlich klimafreundlicher als im Ausland produzierte Stähle und spare Energie.

Durch den Einsatz von Schrott in der Stahlproduktion werden der Studie zufolge letztlich auch weniger Primärrohstoffe und Stahlprodukte, die zum Teil unter fragwürdigen Bedingungen gefördert und produziert werden, nach Deutschland importiert.

Auch im Hochofenverfahren wurden in den letzten Jahren enorme Fortschritte bei der CO2-Minderung erzielt. Bei dem Verfahren wird in einem ersten Schritt der Stahlerzeugung zuerst Roheisen aus Eisenerz hergestellt, wobei zusätzlich Schrott verwendet werden kann. Die Studie zeigt, dass die Produktion von 12,6 Millionen Tonnen Rohstahl auf Basis von Stahlschrott dazu beiträgt, in Deutschland rund 17 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einzusparen, im Vergleich zu einer Rohstahlproduktion, die rein auf Basis von Primärrohstoffen stattfinden würde. Dabei könne Schrott ohne Qualitätsverlust immer wieder in der Stahl- und Edelstahlproduktion, etwa für die Bereiche Bau, Automobil, Energietechnik sowie in der Luft- und Raumfahrttechnik eingesetzt werden.

Die Studie kommt somit zu dem Schluss, dass durch die intensive Schrottnutzung in Deutschland nicht nur Treibhausgas eingespart werden kann, sondern auch ein dringend nötiger Wettbewerbsvorteil für die deutsche Stahlindustrie insbesondere gegenüber den asiatischen Playern entsteht.

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