Studie: Die EU unterschätzt Treibhausgas-Einsparungen durch Biokraftstoffe

Biokraftstoff-Forschung im Argonne National Laboratory. [Argonne/Flickr]

Die EU hat die Einsparpotenziale von Treibhausgasen durch Biokraftstoffe um rund 50 Prozent unterschätzt, heißt es in einer heute aktuellen Ecofys-Studie. EURACTIV Brüssel berichtet.

Der Fehler der EU-Schätzungen liegt laut Ecofys in einem simplen Grundgedanken: Um den Nutzen von Biokraftstoffen richtig einzustufen, müsse man ihre Emmissionen mit dem Gesamtverbrauch von fossilen Brennstoffen auf dem Markt vergleichen. 

Die EU-Gesetzgeber hingegen vergleichen die Einsparungen von Biokraftstoffen im Rahmen der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie mit der durchschnittlichen CO2-Intensität fossiler Brennstoffe auf dem EU-Kraftstoffmarkt. 

In ihrem Bericht analysiert die Klima- und Energieagentur Ecofys, wie viele fossilen Brennstoffe auf dem Markt wären, wenn es keine Biokraftstoffe gebe.

Unter diesen Umständen würden Biokraftstoffe eher Brennstoffe aus unkonventionellen Ölen ersetzen, nicht aber die konventionellen Brennstoffe.

Unkonventionelle Öle wie Ölsand, Light Tight Oil (LTO) und Kerogen haben eine geschätzte Kohlenstoffintensität von 115 Gramm CO2 äquivalent per Megajoule. Die EU schätzt im Vergleich dazu den konventionellen Kraftstoff auf 83,8 Gramm CO2 äquivalent per Megajoule.

Derzeit unterschätzt die EU laut Bericht also den Nutzen der Biotreibstoffe für den Treibhauseffekt um ungefähr 32 Gramm CO2 äquivalent per Megajoule. Der Unterschied ist „in derselben Größenordnung wie die ILUC-Faktoren, die derzeit für Biokraftstoffe im Gespräch sind“.

ILUC steht für die Indirekte Landnutzungsänderung. Das ist eine Form des Ausgleichs für die Produktion von Biotreibstoffen auf eigentlich landwirtschaftlich genutztem Gebiet. Demnach müsste die dadurch entstandene Lücke in der Lebensmittelproduktion irgendwo auf der Welt ersetzt werden. Das könnte zum Beispiel durch die Umwidmung von Wald in Ackerland geschehen.  

Selbst wenn man den „Durchschnittsansatz“ der EU-Gesetzgeber akzeptiert: Die fossile Vergleichsgröße zu den Auswirkungen der fossilen Brennstoffe auf die Treibhausgase sollte aber nach oben angepasst werden, befindet die Studie.

Der EU-Marktanteil unkonventioneller Brennstoffe wird immer größer. Ihre CO2-Bilanz liegt weit über dem des konventionellen Öls. Bei einem wachsenden Marktanteil werden sie auch zu erhöhten Treibhausgasen beitragen.

Unkonventionelle Öle sind besonders emissionsintensiv. Sie lassen sich sehr schwer abbauen und produzieren.

Auch der CO2-Fußabdruck wächst. Durch die Leerung großer Felder müssen immer mehr Anstrengungen für den Abbau unternommen werden. Gleichzeitig nimmt man kleinere Felder in Betrieb. Beides erhöht die Kohlenstoffdioxid-Bilanz des Brennstoffs.

Was bedeutet das für die Politik?

Der Studie zufolge könnte der Biokraftstoff zu einem kohlenstoffarmen Verkehrssektor beitragen. Der Verkehrsbereich ist einer der größten Verschmutzer. 

Die Richtlinie zur erneuerbaren Energie fordert ein Zehn-Prozent-Ziel für erneuerbare Energien im Verkehrsbereich bis 2020. Die Richtlinie zur Brennstoffqualität ist ebenfalls im Spiel. Sie will eine Verminderung der Treibhausgas-Emissionen um sechs Prozent bis 2020 erreichen.

Allerdings liegen Änderungen für Beides zur zweiten Lesung im Europaparlament. Das Ganze ist ein Teil der ILUC-Richtlinie. Die erste Lesung im Rat fand im vergangenen Juni statt.

Vor kurzem veröffentlichte die Kommission ihren Vorschlag zur Umsetzung der Richtlinie zur Brennstoffqualität. Darin will sie den fossilen Vergleichswert auf 94,1 Gramm CO2 äquivalent per Megajoule anheben.

Dennoch will die Kommission, vermutlich aus politischen Gründen, die Biokraftstoffe mit dem älteren Vergleichswert von 83,8 Gramm vergleichen.

Umweltaktivisten argumentieren, der Biokraftstoff-Markt verursache Hungersnöte und die Abholzung von Regenwäldern. Dadurch käme es zu einer Beschleunigung des Klimawandels.

Auf EURACTIV-Anfrage wollte die EU-Kommission keine Stellungnahme zu den Befunden abgeben.

Die Auftraggeber der Ecofys-Studie war die Europäische Ölsaat-Verbands (EOA), der Europäische Biodiesel-Vereinigung (EBB) und der Europäische Verband ?der Pflanzenöl- und Proteinschrot-Industrie (FEDIOL). 

Ecofys

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