Studie: Brexit-Auswirkungen auf den EU-Energiemarkt „begrenzt“

Angedachte Energieverbindungen wie die zwischen Frankreich und Irland seien keine wirkliche Alternative, so der Bericht. [Shutterstock]

Laut einer neuen Studie könnte der Brexit lediglich begrenzte Auswirkungen auf den britischen sowie den EU-Energiemarkt haben. Der EU-Rechnungshof warnt dennoch, dass die experimentelle Energieforschung leiden könnte.

Eine heute veröffentlichte Studie der Universität Cambridge und des Centre on Regulation in Europe (Cerre) hat untersucht, welche Auswirkungen der britische EU-Ausstieg auf die Energiepolitik dies- und jenseits des Kanals haben könnte.

In ihrer Aussicht auf das Jahr 2025 beziehen die Forscher sich auf die bestehenden Energieverbindungen zwischen Großbritannien und Irland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien. Obwohl Pläne für zukünftige, engere Integration aufgrund des Brexits leiden könnten, wird diese Gefahr durch die bereits im Bau befindlichen Verbindungskapazitäten „minimiert“, heißt es.

Darüber hinaus seien Pläne, den jeweils anderen Partner mit Energie-Verbindungsplänen zu umgehen, „teure und beiderseits unwünschenswerte Alternativen zu den bestehenden Arrangements“, so der Bericht. Dabei beziehen die Forscher sich auf die angedachten Verbindungen zwischen Norwegen und Großbritannien sowie zwischen Irland und Frankreich.

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Auch die britische Mitgliedschaft im EU-Emissionshandel (ETS) sei nicht zu vernachlässigen, heißt es in der Studie. Großbritannien sei ein „Netto-Käufer von [CO2-Emissions-] Rechten und sorgt mit seiner Teilnahme für billige CO2-Minderung in anderen Ländern.” Insgesamt würden das Königreich und die EU gegenseitig von ihrem Engagement im gemeinsamen Elektrizitäts-, Gas- und CO2-Markt profitieren, schließt der Bericht.

Darüber hinaus spiele der Energiemarkt im Vergleich zu anderen Themen bisher eine eher untergeordnete Rolle in den Austrittsverhandlungen.

Veränderungen

Die Forscher halten fest, dass Auswirkungen des Brexits auf die Energiepolitik der verbleibenden 27 Mitgliedstaaten schwer voraussagbar sind, spekulieren jedoch, dass der Austritt Großbritanniens die zukünftigen Strategien beeinflussen könnte.

So könnte die Atomenergie ohne das Gewicht der britischen Befürworter bzw. ihres Vetorechts bei einigen Themen an Popularität verlieren. Dadurch verliere auch das ETS einen wertvollen Verbündeten; und der Wille, Marktmechanismen zur CO2-Reduzierung einzusetzen, könne weiter sinken.

Nicht nur deshalb sollten neue Vereinbarungen erarbeitet und diskutiert werden. Die Forscher verweisen in ihren Empfehlungen insbesondere auf die Rolle Irlands, dessen Energiehandel sich nach dem Austritt Großbritanniens komplett verändern könnte.

Und die Fusionsenergie?

Derweil verweist der Europäische Rechnungshof in seinem jährlichen Bericht über die Entwicklung der Fusionsenergie darauf, dass die Effekte des Brexits in dieser Technologie-Initiative „beträchtlich“ sein könnten. Das Auslösen von Artikel 50 sehe nicht nur einen Austritt Großbritanniens aus der EU, sondern auch aus dem Euratom-Abkommen vor.

Auch in dieser Hinsicht seien die Brexit-Verhandlungen festgefahren und bei vielen Schlüsselthemen sei „weiterer Fortschritt“ nötig.

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Der Nuklearforscher Shakeib Ali Arshad, der für die EU-Initiative „Kernfusion für die Energiegewinnung in Europa“ (Fusion for Europe, F4E) tätig ist, erklärte am Rande des UN-Klimagipfels in Bonn vergangene Woche gegenüber Journalisten allerdings, der „Point of no return“ sei im Fusionsenergieprojekt bereits erreicht. Insbesondere seien die Bestellungen für technisch hochkomplexe Maschinen bereits getätigt worden.

Das Forschungsprojekt zur Fusionsenergie sowie der zugehörige Kernreaktor ITER, der derzeit in Südfrankreich gebaut wird, werden aus der ganzen Welt finanziert. Die EU übernimmt dabei 45 Prozent der Gesamtkosten.

Mit diesem Projekt soll bewiesen werden, dass die Fusionstechnologie, bei der Wasserstoffatome aufeinanderprallen, eine praktikable Methode zur Energiegewinnung und nicht nur Theorie ist. Sollte dieses Projekt erfolgreich sein, könnte der Reaktor zumindest theoretisch Energie auf Basis einer Quelle erzeugen, die für Millionen von Jahren ausgeschöpft werden kann.

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