Stromindustrie: Engere Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Belgien [DE]

Die Europäische Kommission begrüßte den Entschluss nationaler Stromanbieter, eine gemeinsame Koordinationszentrale einzurichten, die tägliche Vorhersagen zur Verfügbarkeit der Stromnetze treffen soll. Die EU hofft, dass sich auch andere Länder in Europa in ähnlichen Gemeinschaftsprojekten zusammenschließen.

Die Stromanbieter RTE aus Frankreich und Elia aus Belgien kündigten ihren Schritt am Freitag (5. September 2008) an.

Die Zentrale soll im Februar 2009 ihre Arbeit aufnehmen und Vorhersagen zur Netzverfügbarkeit treffen sowie den Stromtransit in den Regionen des Zentral-Westeuropas in Echtzeit überwachen. Dies solle der Vorbereitung eines einer Marktzusammenführung dienen, geht aus einer Erklärung der beiden Organisationen hervor. Die Zentrale wird ihren Sitz in Brüssel haben und Stromhändler mit wichtigen Informationen versorgen.

RTE und Elia zufolge hat auch der deutsche Netzbetreiber Vattenfall Europe Transmission bereits sein Interesse an dieser Initiative angemeldet.

Andris Piebalgs, der EU-Energiekommissar, begrüßte diese Initiative. Er sehe in diesem Abkommen ein konkretes und wichtiges Beispiel für die enge Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern, erklärte Piebalgs in einer Erklärung. 

Schließlich betreffe einer der Hauptpunkte des dritten Pakets für den Binnenmarkt für Energie die verstärkte Zusammenarbeit zwischen nationalen Netzbetreibern. Er sei davon überzeugt, dass die Initiative zu mehr Netzsicherheit in der Region und in ganz Europa führen werde. Deshalb hoffe er, dass auch andere europäische Länder diesem Beispiel folgen würden.

Der Beschluss, eine gemeinsame Zentrale einzurichten, folgte auf eine Initiative vom Juni 2006. Diese sieht in einem ersten Schritt die Entwicklung sieben regionaler Strommärkte in Europa vor, um schließlich einen integrierten, einheitlichen EU-Markt für Elektrizität zu schaffen (EURACTIV vom 28. Februar 2006). Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg und die Niederlande bilden eine dieser Regionen. Belgien soll dabei die Führung bei der Regulierung übernehmen. Etwa ein Jahr später wurde ein Zusammenschluss der Strommärkte in Frankreich, Belgien und den Niederlanden angekündigt (EURACTIV vom 16. Februar 2007).

Die Notwendigkeit für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den nationalen Netzbetreibern war im November 2006 deutlich geworden, als 10 Millionen Menschen für bis zu zwei Stunden von der Stromversorgung abgeschnitten waren, nachdem ein Stromnetzfehler in Deutschland zu Versorgungsstörungen in den meisten westeuropäischen Ländern geführt hatte. Ein Blackout in Europa konnte RTE zufolge nur dadurch knapp verhindert werden, dass das starke Ungleichgewicht automatisch durch einen Solidaritätsmechanismus ausgeglichen wurde (EURACTIV vom 06. November 2006).

RTE und Elia zufolge garantiert die gemeinsame Zentrale eine reibungslose Koordination der grenzüberschreitenden Stromflüsse, die seit der Entwicklung von Tagesmärkten stark zugenommen haben. Zudem soll sie die Erzeugung erneuerbarer Energien in der Region besser integrieren, gaben die beiden Organisationen an.
Die Zentrale soll täglich Vorhersagen bezüglich der Netzsicherheit treffen und sie jeden Nachmittag für den nächsten Tag an die nationalen Kontrollzentralen weiterleiten. In einem zweiten Schritt, der im Juli 2009 eingeleitet werden soll, soll das Zentrum rund um die Uhr betrieben werden und somit die Netzsicherheit durchgängig beobachten und analysieren können.

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