Steigende Energiepreise wecken Angst vor Inflation [DE]

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Da der Preis für Erdöl 100 US-Dollar pro Barrel (ca. 159 Liter) erreicht hat, müssen sich die europäischen Bürger auf erhebliche Anstiege der Gas- und Stromrechnungen in den kommenden Wochen gefasst machen. Große Unternehmen im Vereinigten Königreich und in Frankreich kündigen bereits Pläne an, die Preise um bis zu 27% zu erhöhen.  

Am 5. Januar 2008 erhöhte Großbritanniens viertgrößter Energieversorger Npower seine Strompreise um durchschnittlich 12,7% sowie seine Gasabrechnungen um 17,2%. Als Gründe für diese Erhöhung nannte das Unternehmen den dramatischen Anstieg der Energiekosten auf den Großhandelsmärkten. 

Wie der Ölpreis, der vom 2. auf dem 3. Januar 2008 ein Rekordhoch von 100 US-Dollar pro Barrel erreicht hat, sind die Großhandelspreise für Gas und Strom seit Anfang 2007 um 60 bzw. 66% gestiegen. Energieunternehmen sagen, sie hätten keine andere Wahl als einige der Kosten auf die Verbraucher umzulegen. 

Andere große britische Energiekonzerne haben angekündigt, dem Beispiel Npowers zu folgen. Dies wird zu Preiserhöhungen um die 15% führen, die nächsten Monat angekündigt werden sollen. 

Die französische Regierung hat sich ebenfalls auf einen Vier-Prozent-Anstieg der Gaspreise seit Beginn des Jahres geeinigt. Der führende Gasversorger, Gaz de France, kritisierte jedoch die Preise als unzulänglich, da sie es dem Unternehmen nicht erlaubten, die gestiegenen Großhandelskosten gänzlich wettzumachen und einen Verlust von rund 90 Millionen Euro für die Betriebsergebnisse des Unternehmens im ersten Quartal 2008 hervorriefen. 

Der britische Schatzkanzler Alistair Darling soll ein Treffen mit Ofgem, der Regulierungsbehörde des britischen Gas- und Strommarktes, gefordert haben, um zu entscheiden, ob die Erhöhungen gerechtfertigt sind oder ob die Unternehmen versuchen, ihre Gewinne zu steigern, indem sie den Verbrauchern zuviel berechnen. 

Energieminister Malcolm Wicks sagte jedoch, es sei unwahrscheinlich, dass die Regierung eingreife. Preisänderungen seien wirtschaftliche Entscheidungen der Unternehmen und man müsse die Tatsache akzeptieren, dass die weltweite Nachfrage die Energiekosten weltweit nach oben treibe, so Wicks im Observer. 

Gewerkschaften und Verbraucherorganisationen in Frankreich und im Vereinigten Königreich haben die Preiserhöhung als ‚sozial nicht vertretbar’ und ‚wirtschaftlich ungerechtfertigt’ kritisiert.

In den kommenden Jahren werden höhere Energiepreise mit großer Wahrscheinlichkeit Realität werden, da viele Experten davon ausgehen, dass der Ölpreis weiter steigen wird – obwohl er auf 98 US-Dollar zurückgefallen ist. Er werde somit Auswirkungen auf Lebensstil, Verkehr und Lebensmittelpreise haben. 

Laut einer Umfrage, auf die am 7. Januar 2008 in der Financial Times verwiesen wurde, stünden steigende Strompreise ganz oben auf der Sorgenliste der Deutschen für das Jahr 2008. Unternehmen zahlten nun 65% mehr für ihre Energie, als dies vor zehn Jahren der Fall war, als mit der Liberalisierung begonnen wurde. Die Stromrechnungen der Verbraucher seien demgegenüber seit dem Jahr 2000 um 50% angestiegen. Weiter heißt es, es mache sich eine ‚Liberalisierungsmüdigkeit’ in der deutschen Regierung breit.

Der Anstieg der Energiepreise beginnt weiterhin Bedenken hinsichtlich einer Inflation zu verstärken. In der Eurozone lag die jährliche Inflationsrate im Dezember 2007 bei 3,1% – weit über dem Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank. Dies ergaben Schätzungen von Eurostat, die am 4. Januar 2008 veröffentlicht worden waren.

Am darauf folgenden Tag sagte EZB-Chef Jean-Claude Trichet die Inflationsrate werde in der nahen Zukunft bedeutend über zwei Prozent bleiben – hauptsächlich aufgrund steigender Energiepreise. Trichet erklärte, der jüngste beträchtliche Anstieg der Öl- und Lebensmittelpreise habe unter den derzeitigen Bedingungen einen starken Einfluss auf die Inflation.

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