Starker Anstieg der arktischen Temperaturen jetzt unvermeidlich

Der arktische Permafrost taut und setzt große Mengen CO2 frei: eine tickende Zeitbombe.

Starke und möglicherweise verheerende Temperaturanstiege von drei bis fünf Grad in der Arktis sind jetzt unvermeidlich, selbst wenn es der Welt gelingt, die Treibhausgasemissionen im Einklang mit dem Pariser Abkommen zu senken, warnt ein neuer UN-Bericht.

Die Wintertemperaturen in der Arktis werden bis 2050 um drei bis fünf Grad steigen, bis 2080 sogar um fünf bis neun Grad. Das kann laut der Studie „Global Linkages – A graphic look at the changing Arctic“ nicht mehr verhindert werden. Nicht einmal dann, wenn es gelingen sollte, die globalen Emissionen so weit zu reduzieren, wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart.

Die Ergebnisse, die am Mittwoch auf der UN-Umweltversammlung in Nairobi präsentiert wurden, vermitteln ein klares Bild von einer der empfindlichsten Regionen der Erde und einer, die für das Schicksal des Weltklimas von entscheidender Bedeutung ist.

Der arktische Permafrost wird damit im Vergleich zu seiner heutigen Ausdehnung voraussichtlich um rund weitere 45 Prozent schrumpfen – mit verheerenden Folgen. Sie bedeuten nicht nur die Zerstörung der Region und ein schnelles Steigen der Meeresspiegel, sie bringen die Welt auch an einen gefährlichen Kipppunkt: Das weitere Tauen des arktischen Permafrosts könnte einen „schlafenden Riesen“ wecken, der die Erderwärmung um ein Vielfaches beschleunigen würde.

Denn die gefrorenen Böden halten weltweit geschätzte 1,672 Milliarden metrische Tonnen von CO2. Einmal freigesetzt, würden sie zu einer weiteren Erwärmung führen. So könnte der Klimawandel deutlich beschleunigt werden und das Pariser 2 Grad-Ziel unerreichbar machen, so der Bericht. Globale Klimaziele werden dann aller Voraussicht nach verfehlt.

„Was in der Arktis passiert, bleibt nicht in der Arktis“, sagt Joyce Msuya, die Leiterin des UN-Umweltprogramms. „Wir haben die Forschungsergebnisse; jetzt ist eine dringlichere Klimaschutzmaßnahmen erforderlich, um von den Kipppunkten abzuwenden, die für unseren Planeten noch schlimmer sein könnten, als wir zuerst gedacht hatten.“

Die Meere versauern

Ein weiteres Problem für die Arktis ist die Versauerung der Meere, also die Abnahme des pH-Wertes des Wassers. Grund dafür die die Aufnahme von CO2 aus der Erdatmosphäre. Seit Beginn der industriellen Revolution sind die Meere bereits um 30 Prozent saurer geworden. Kaltes Wasser kann mehr CO2 speichern, mit dem Auftauen des Eises kommt aber immer mehr CO2 dazu. Je saurer das Wasser, desto mehr Energie müssen zudem Korallen, Weichtiere und Plankton für den Bau ihrer Muscheln und Skelette aufwenden.

"Dank" Klimawandel: Die Arktis wird zum geopolitischen Hotspot

Im Hohen Norden entsteht plötzlich ein neuer Ozean, mit neuen Handelsrouten und bisher ungenutzten natürlichen Ressourcen. Die Zukunft der Region liegt im Spannungsfeld zwischen Kooperation und Militarisierung.

Ein weiteres Kapitel in dem Report widmet sich chemischen Mitteln, für die die Arktis wie eine Senke funktioniert. Nur rund 1,000 von 150,000 gebräuchlichen chemischen Substanzen werden regelmäßig überwacht. Die Wissenschaftler fordern eine Ausweitung der Überwachung dieser Verschmutzung, da hier wichtige Trends festgestellt werden könnten. Die Auswirkungen neuer Chemikalien seien noch nicht vollständig bekannt.

Positiv bewertet der Bericht die Bemühungen zur Regulierung von chemischen Schadstoffen durch Abkommen wie das Stockholmer Übereinkommen. Die Zahl regulierter Chemikalien, die bei Menschen und Tieren in der Arktis festgestellt wird, geht zurück. Dies könnte allerdings auch an einer Veränderung der Essgewohnheiten liegen, so die Wissenschaftler.

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