Spanische Energiesteuer bedroht EU-Pläne für grünen Wasserstoff, warnt die Industrie

In Spanien sind Investitionen in grünen Wasserstoff derzeit auf Eis gelegt, weil die Regierung als Reaktion auf die steigenden Strompreise eine Sondersteuer eingeführt hat, so Jose Galán, Vorsitzender des spanischen Energieversorgers Iberdrola. [EPA-EFE/Fernando Alvarado]

Während die Energiepreise in ganz Europa in die Höhe schnellen, warnte der Vorstandsvorsitzende des Stromriesen Iberdrola vor kurzsichtigen Maßnahmen in Spanien, die den Ausbau der für die Produktion von grünem Wasserstoff benötigten erneuerbaren Energien gefährden.

Europas Weg zu einem Netto-Null-Emissionsausstoß bis 2050 erfordert große Mengen an erneuerbarem Strom, auch für die Produktion von so genanntem grünem Wasserstoff, der durch Wasserelektrolyse hergestellt wird.

Die politischen Entscheidungsträger:innen setzen auf Wasserstoff als Energiespeicher und als Rohstoff für die Dekarbonisierung kohlenstoffintensiver Industrien wie Chemie, Stahlerzeugung und Schwerlastverkehr.

In Spanien sind Investitionen in grünen Wasserstoff jedoch derzeit auf Eis gelegt, weil die Regierung als Reaktion auf die steigenden Strompreise eine Sondersteuer eingeführt hat, so Jose Galán, Vorsitzender des spanischen Energieversorgers Iberdrola.

Madrid kündigte am 14. September Pläne an, 3 Milliarden Euro von den Elektrizitätsunternehmen zurückzufordern, denen vorgeworfen wird, durch den Anstieg der Gaspreise unerwartete Gewinne erzielt zu haben.

„Einige Länder, die aufgrund der vorübergehenden Situation bei den Gaspreisen neue Abgaben auf erneuerbare Energien erheben, beunruhigen die Investoren ernsthaft und gefährden künftige Investitionen in erneuerbare Energien“, warnte Galán.

Europa hinke beim Ausbau der erneuerbaren Energien bereits hinterher, und Rechtssicherheit sei entscheidend, um Investitionen anzuziehen, sagte Galán auf dem Renewable Hydrogen Summit am 29. September.

Andere Vertreter der Branche stimmten ihm zu. Europa brauche viel mehr Strom aus erneuerbaren Energien, um den Markt für grünen Wasserstoff zu vergrößern, sagte Walburga Hemetsberger, Geschäftsführerin von SolarPower Europe, einem Wirtschaftsverband. Und das erfordert mehr Investitionen und schnellere Genehmigungsverfahren für neue Wind- und Solarprojekte, fügte sie hinzu.

„Grüner Wasserstoff … wird massive Mengen an grünem Strom benötigen“, sagte Sopna Sury, CEO der Wasserstoffabteilung des deutschen Energiekonzerns RWE.

Der Wettlauf um die Marktführerschaft im Wasserstoffbereich 

Die Äußerungen erfolgten nach der Veröffentlichung einer Studie im September, in der das Potenzial der Solarenergie für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft dargelegt wurde. Die Studie untersuchte Standorte in der ganzen Welt und stellte fest, dass die südlichste spanische Stadt Málaga das größte Potenzial in Europa aufweist.

Doch diese Investitionen sind in Spanien wegen der Sondersteuer, die den Energieunternehmen auferlegt wird, auf Eis gelegt. Berichten zufolge hat Iberdrola die Ausschreibungen für Waren und Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Bau von Projekten für erneuerbare Energien in Spanien ausgesetzt, um deren Wirtschaftlichkeit zu prüfen.

Aufgrund der anhaltenden Energiekrise hat BloombergNEF laut Vesa Ahoniemi, Strategiemanager beim finnischen Energieversorger Fortum, seine Prognosen für die Photovoltaik im nächsten Jahr um 1,5 GW gesenkt.

Und das, obwohl allgemein anerkannt wird, dass Spanien eine Schlüsselrolle bei der Einführung von Photovoltaik und grünem Wasserstoff spielen muss.

„Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist für die Dekarbonisierung Europas von entscheidender Bedeutung, und Spanien ist ein wichtiger Standort für PV-Solaranlagen“, so Jan Rosenow, Europa-Direktor des Regulatory Assistance Project, einer Denkfabrik.

Jede Verzögerung beim Ausbau der erneuerbaren Energien würde das Ziel Europas untergraben, die Emissionen zu senken und bei grünem Wasserstoff weltweit Vorreiter zu werden.

„Wir müssen uns beeilen“, warnte Galán von Iberdrola und erklärte, dass die Vereinigten Staaten bis 2030 einen sehr wettbewerbsfähigen Wasserstoffpreis von 1$/kg anstreben würden.

Der europäische Wasserstoff habe jedoch eine Chance, da die EU über einige Wettbewerbsvorteile wie verbindliche Ziele und investitionsbereite Unternehmen verfüge, sagte er.

Der Studie zufolge könnte erneuerbarer Wasserstoff so billig wie 0,7€/kg (0,8$) werden, wenn er in Málaga aus Photovoltaikanlagen hergestellt wird.

Erneuerbarer Wasserstoff ist derzeit viermal teurer als aus fossilem Gas hergestellter Wasserstoff. Das bedeutet, dass Europas Ziel, bis 2030 40 Gigawatt an Elektrolyseuren zu installieren, nur erreicht werden kann, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen, sagte Galán und forderte zusätzliche Investitionen und Steuersenkungen zur Förderung erneuerbarer Energien.

Gleichzeitig bedeuten die höheren Gaspreise, dass die Kosten für die Herstellung von Wasserstoff durch Elektrolyse relativ wettbewerbsfähig werden. „Höhere Gaspreise haben einen erheblichen Einfluss auf die Kosten von Wasserstoff aus Gas“, sagte Rosenow gegenüber EURACTIV.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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