Spanien will bis 2030 aus Kohle- und Atomkraft aussteigen

Spaniens Ausstieg aus der Kernenergie sei eine „soziale Entscheidung“, heißt es. [Foto: Shutterstock]

Spanien will seine letzten Kernreaktoren und Kohlekraftwerke vor 2030 schließen, so Energieminister José Dominguez. Erst kürzlich hatte Madrid angekündigt, ab 2050 seinen kompletten Energiebedarf aus erneuerbaren Energien zu decken.

Dominguez erklärte am vergangenen Donnerstag, die derzeitige sozialistische Regierung plane nicht, die Laufzeiten der spanischen Kernreaktoren über das derzeitige Maximum von 40 Jahren hinaus zu verlängern.

Der älteste Reaktor Spaniens ist bereits über 37 Jahre alt, so dass seine Produktion nach aktuellen Plänen im Jahr 2021 eingestellt werden müsste. Der neueste ist 30 Jahre in Betrieb und müsste somit 2028 vom Netz gehen.

Es könne sein, dass die komplette Abwicklung über die Deadline von 2030 hinausgehe, „aber wir werden definitiv nicht 2040 erreichen: Dann werden wir alle Reaktoren geschlossen haben,“ erklärte der Minister.

Er fügte hinzu, der Ausstieg aus der Kernenergie sei in Spanien eine „soziale Entscheidung“. Wichtig sei vor allem, dass die Abschaltung auf „sichere und geordnete Weise“ geschehen müsse. Deswegen könne es noch Jahrzehnte dauern, die sozialen Auswirkungen auszugleichen, räumte er allerdings ein.

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Laut der Internationalen Energieagentur deckte die Kernenergie 2016 etwa 20 Prozent des spanischen Strombedarfs. Erneuerbare Energien machten bereits etwa 23 Prozent aus.

Ein neuer Entwurf über ein Klimagesetz, der vergangene Woche von der Regierung veröffentlicht wurde, zielt darauf ab, den nationalen Strombedarf bis 2050 zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu decken und die Gesamtemissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts um bis zu 90 Prozent zu senken.

Während in dem vorgelegten Plan betont wird, dass der Kohleausstieg dafür unausweichlich ist, stand der Ausstieg aus der Atomenergie zunächst nicht zur Debatte.

Um den Wandel zu vollziehen, muss Spanien nun weiterhin massiv in die Nutzung erneuerbarer Energien investieren: Laut Gesetzentwurf sollen sie bis 2030 die Marke von 35 Prozent erreichen. Gleichzeitig muss auch mehr auf Gas gesetzt werden, um den Kohleausstieg auszugleichen.

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Derweil müssen 9 der 14 spanischen Kohlekraftwerke bis Juni 2020 stillgelegt werden, da sie nicht mehr den EU-Lufterschmutzungsvorschriften entsprechen. Dominguez bekräftigte vergangene Woche, auch die übrigen fünf würden nicht über 2030 hinaus betrieben.

„Wir gehen davon aus, dass diese Kraftwerke zwischen 2020 und 2030 geschlossen werden. Aber wir wollen dies nicht aufzwingen: Ab 2030 darf es keine Kohlekraftwerke mehr geben, aber ich glaube, dass sie schon vorher von selbst geschlossen werden, ohne dass wir sie schließen müssen.“

Im Rahmen des neuen Klimaschutzgesetzes, dessen Entwurf die Regierung dem Parlament noch vor Ende des Jahres vorlegen will, sollen in Spanien auch Fracking verboten, Subventionen für fossile Brennstoffe abgeschafft und die Erteilung neuer Gas- und Ölfördergenehmigungen eingestellt werden.

Umweltministerin Teresa Ribera hatte bereits angekündigt, es würden
passende Vereinbarung getroffen, um die verbleibenden Kohlebergwerke Spaniens zu schließen und gleichzeitig Vorruhestandsregelungen für Arbeitnehmer in der Branche anzubieten.

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