Sechs Mitgliedsstaaten wollen Glyphosat-Alternative

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Glyphosat-Gegner fordern ein vollständiges Verbot von Glyphosat und verweisen dabei auf die Forschungsergebnisse der Weltgesundheitsorganisation (WHO). [Global Justice Now/Flickr]

Sechs EU-Mitgliedsstaaten, die gegen die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung waren, haben letzten Monat in einem Brief an die EU-Kommission eine Studie zu Alternativen für die umstrittene Substanz gefordert.

In ihrem Brief an EU-Vizekommissar Frans Timmermans und Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis brachten die Agrarminister Frankreichs, Belgiens, Griechenlands, Luxemburgs, Sloveniens und Maltas erneut ihre Bedenken bezüglich der Risiken der Glyphosat-Nutzung zum Ausdruck.

Eine Quelle bei der Kommission sagte gegenüber EURACTIV.com, dass es in der Sache noch keine Neuigkeiten gibt und eine Antwort auf den Brief in Vorbereitung sei.

Im vergangenen November wurde die Zulassung von Glyphosat vom zuständigen Ausschuss der EU-Mitgliedsstaaten und der Kommission verlängert, nachdem Deutschland im allerletzten Moment seine Position änderte und so die nötige qualifizierte Mehrheit für eine Verlängerung ermöglichte.

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Mit Bezug auf eine Europäische Bürgerinitiative, in der mehr als eine Millionen Bürger ein Glyphosat-Verbot forderten, und eine Resolution des EU-Parlaments, die ein Ende der Anwendung ab Dezember 2022 fordert, unterstrichen die sechs Minister, dass es einen „Exit-Plan“ brauche.

„Wir fordern die Europäische Kommission auf, die Entscheidung zur Wiedergenehmigung mit Maßnahmen zu verbinden, die darauf abzielen, das Risiko zu minimieren und gemeinsam mit den Landwirten einen Exit-Plan zu entwickeln“, heißt es in dem Brief.

Die Mitgliedsstaaten fordern zudem, dass die Exekutive eine Studie initiiert, um chemische, mechanische und biologische Alternativen in den landwirtschaftlichen Hauptanwendungsfeldern von Glyphosat zu erkunden.

Wir können nicht gleichgültig bleiben

In dem Brief wird außerdem mitgeteilt dass Frankreich, der entschiedenste Glyphosat-Gegner, eine Arbeitsgruppe leiten will, die sich mit der Entwicklung von Alternativen und kurzfristigen Exit-Möglichkeiten befasst.

Der griechische Agrarminister, Evangelos Apostolou, der ebenfalls gegen die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung stimmte, brachte in einem Statement zum Ausdruck, dass angesichts der gesellschaftlichen Sorgen über das Thema die Politik nicht gleichgültig sein darf. „Es ist unsere Pflicht, auf ein Risikomanagement im Interesse von Konsumenten, Produzenten und Umwelt hinzuarbeiten“, sagte er.

Neue Studie gefordert

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinigten Nationen (FAO) und die Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) hatten die chemische Substanz Glyphosat mit dem Argument zugelassen, dass „ein erhöhtes Krebsrisiko durch Glyphosat-Belastung in der Diät unwahrscheinlich ist“. Die gleiche Meinung vertraten die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)  und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA).

Die einzige Organisation, die Bedenken äußerte war das Internationale Krebsforschungszentrum IARC, das 2015 zu dem Ergebnis kam, dass das Herbizid „wahrscheinlich für Menschen krebserregend ist“.

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Die EFSA behauptete, dass sie eine umfassende Analyse unter Berücksichtigung der IARC-Erkenntnisse durchgeführt habe. Die Umweltorganisation Greenpeace wiederum nannte den EFSA-Bericht „Schönfärberei“.

Die sechs Mitgliedstaaten fordern nun eine neue Studie, die von den europäischen Agenturen in Zusammenarbeit mit den nationalen Agenturen von freiwilligen Mitgliedsstaaten gemeinsam mit IARC und WHO durchgeführt werden sollte, bezüglich der krebserregenden Wirkung der aktiven Substanz Glyphosat sowie der „Gewinnung und Analyse von zusätzlichen Daten“.

Zu guter Letzt schlagen die Minister eine Vereinfachung der Vorschriften zur vergleichenden Bewertung vor, damit Substanzen im Zeitraum der Antragsprüfung leichter durch unbedenkliche Substitute ersetzt werden können.