Satte Rendite: Investitionen in CO2-freie Städte kann 24 Billionen Dollar einbringen

In Städten werden 80 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts, aber auch drei Viertel der CO2-Emissionen durch Energienutzung geschaffen. [Will Hastings / Flickr]

Wenn 1,83 Billionen US-Dollar – etwa zwei Prozent des globalen BIP – pro Jahr in die Senkung der Emissionen in Städten investiert würden, könnten die Regierungen der Welt jährliche Gegenwerte in Höhe von mehreren Billionen Euro generieren, so eine neue Studie, die am heutigen Donnerstag veröffentlicht wurde.

Allein die Energiekosteneinsparungen würden sich bis 2030 auf 2,8 Billionen US-Dollar pro Jahr und bis 2050 auf 6,98 Billionen Dollar belaufen, zeigt das dreijährige Forschungsprojekt, das von einer Gruppe von 50 internationalen Institutionen im Rahmen der „Coalition for Urban Transition“ durchgeführt wurde.

Im Laufe der Zeit würden sich die Einsparungen bis 2050 auf 24 Billionen Dollar kumulieren, so die Ergebnisse der Studie.

Dabei seien diese Schätzungen noch recht konservativ, heißt es im Bericht weiter. Schließlich seien keine weiteren Vorteile wie langfristige Produktivitätssteigerungen oder eine verbesserte öffentliche Gesundheit in den Zahlen enthalten: „Mit höheren Energiepreisen und schnelleren technologischen Lernraten könnte der Netto-Gegenwert dieser Investitionen sogar auf 38,19 Billionen Dollar steigen.“

Die Gesamtemissionen in den Städten könnten bis 2050 um fast 90 Prozent gesenkt werden, wenn kohlenstoffarme Maßnahmen in den Bereichen Bau, Verkehr, Materialien und Abfall eingesetzt werden: „Absolut gesehen wären diese Einsparungen höher als die energiebedingten Emissionen der beiden größten Emittenten China und USA im Jahr 2014,“ heißt es im Bericht weiter. Daher werden die nationalen Regierungen aufgerufen, „kompakte, miteinander verbundene und saubere Städte“ zur Priorität zu machen.

So könnten gleichzeitig der wirtschaftliche Wohlstand gesichert und die Klimakrise bewältigt werden.

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Die Veröffentlichung des Reports mit dem Titel „Climate Emergeny, Urban Opportunity“ (dt. etwa: „Der Klimanotstand, eine Chance für die Städte“) kommt kurz vor dem UN-Klimagipfel in New York am kommenden Wochenende.

Darüber hinaus werden im Vorfeld des UN-Gipfels am morgigen Freitag (20. September) weltweit Klimaschutzdemonstrationen und -Streiks organisiert. Die bisherige Mobilisierung lässt darauf schließen, dass dies die größten Klima-Demonstrationen aller Zeiten werden könnten.

Die Macht der Städte

„In den Städten lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Sie erzeugen 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, und auch drei Viertel der CO2-Emissionen durch Energienutzung,“ so Christiana Figueres, ehemalige Exekutivsekretärin der Klimarahmenkonvention UNFCCC (von 2010-2016).

Städte seien damit ein mächtiges Instrument zur Bekämpfung der globalen Erwärmung, sagte sie in einer Pressekonferenz. Leider seien die faktischen Vorteile der Bekämpfung der Erderwärmung in letzter Zeit nahezu „vergessen“ worden, fügte Figueres hinzu, die heute stellvertretender Vorsitzender des Globalen Bürgermeisterkonvents ist, einer globalen Koalition von Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen, die sich aktiv mit dem Klimawandel befassen.

Figueres, eine Schlüsselfigur bei der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens im Jahr 2015, erläuterte weiter, dass Investitionen in Städte auch gesundheitliche und soziale Vorteile bringen, da sie zur Luftreinigung, zur Verringerung der Verkehrsüberlastung und zur Schaffung von rund 87 Millionen Arbeitsplätzen bis 2030 in Bereichen wie saubere Energie und öffentlicher Verkehr beitragen würden.

Sie warnte aber auch, es gebe eine deutliche Grenze, was die Städte tun könnten. Darüber hinaus müssten also die Staaten aktiv werden.

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Auf der Pariser Klimakonferenz 2015 erkannten die Verhandlungsführer bereits die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Bekämpfung der globalen Erwärmung an und führten daher das Konzept der sogenannten „Nicht-Vertragsparteien“ („non-party stakeholders“) ein, zu dem auch Städte gehören.

In der Präambel des Klimaabkommens heißt es dementsprechend, „dass die Anpassung für alle eine weltweite Herausforderung mit lokalen, subnationalen, nationalen, regionalen und internationalen Dimensionen ist“. Es brauche daher starke und ambitioniertere Klima-Maßnahmen von Seiten „aller Vertragsparteien und Nicht-Vertragsparteien“, inklusiver der Zivilgesellschaft, der Privatwirtschaft, Finanzinstitutionen, Städten und weiteren subnationalen Behörden, Kommunen, Gemeinschaften und indigener Völker.

Die „Nicht-Vertragsparteien“ haben weder das Pariser Abkommen noch irgendwelche anderen Verpflichtungen unterschrieben. Aus diesem Grund sollten insbesondere die nationalen Regierungen die Städte bei der Umsetzung von Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen gegen den Klimawandel unterstützen, heißt es im heute veröffentlichten Bericht.

Aber: Weniger als zwei von fünf Ländern auf der Welt haben eine explizite nationale Strategie für Städte, und nur sieben Länder verfügen derzeit sowohl über eine nationale Städtepolitik als auch über einen national festgelegten Beitrag, die sich speziell mit dem Klimaschutz in Städten befassen, so der Bericht.

Deutschlands Klima-Initiative

„Die Klimakrise anzugehen und [gleichzeitig] den wirtschaftlichen Wohlstand zu sichern, ist möglich,“ glaubt derweil auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze, die ebenfalls bei der Pressekonferenz sprach.

„Nachhaltige, widerstandsfähige Städte werden eine Schlüsselrolle spielen. Aber die lokalen, kommunalen Verwaltungen können den Übergang zu einem Null-CO2-System nicht allein vorantreiben. Eine starke Unterstützung der nationalen Regierungen ist unerlässlich, um das volle transformative Potenzial der Städte und Gemeinden zu entfalten,“ so Schulze.

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Die Bundesregierung hat bereits eine Nationale Klimaschutzinitiative gestartet, die die Kommunen dabei unterstützen soll, ihre Treibhausgasemissionen und ihren Endenergieverbrauch bis 2050 um 95 bzw. 50 Prozent gegenüber 1990 zu senken.

Die ersten 19 Gemeinden wurden 2012 ausgewählt, weitere 22 konnten 2016 gefördert werden. Bis 2018 wurden dann insgesamt 29.000 Projekte realisiert; dabei seien rund 2,9 Milliarden Euro investiert worden, erklärte die Umweltministerin.

Auch auf EU-Ebene hat die Bundesregierung bald die Möglichkeit, den Klimaschutz voranzutreiben: Deutschland wird den rotierenden EU-Vorsitz in der zweiten Jahreshälfte 2020 übernehmen.

In diesem Zeitraum liegt auch ein entscheidender Meilenstein bei der Umsetzung des Pariser Abkommens: Die in Glasgow stattfindende Klimakonferenz COP26 soll die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die nationalen Regierungen eine weitere Erhöhung ihrer Klimaziele vor dem offiziellen Inkrafttreten des Pariser Abkommens am 1. Januar 2021 formell festlegen.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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