RWE gehen die Investoren für Kohle-Projekte aus

NGOs betonten, RWE spiele in Deutschland eine führende Rolle bei der Verhinderung des Kohle-Ausstiegs. [Dmitriy Kuzmichev]

Nach den großen europäischen Versicherern Allianz, AXA, Generali und SCOR werden nun auch die beiden französischen Versicherungsgesellschaften Macif und AG2R La Mondiale nicht mehr in Unternehmen investieren, die neue Kohlekraftwerke planen. Am stärksten betroffen von dieser Entscheidung ist der deutsche Stromriese RWE.

Im Jahr 2017 entfielen fast 70 Prozent der Investitionen von Macif und AG2R La Mondiale in weltweit 120 Unternehmen, die Kohlekraftwerke betreiben, auf RWE, so eine Vereinigung verschiedener europäischer Umwelt-NGOs in einer Erklärung.

Der deutsche Energieversorger ist der weltweit größte Braunkohleproduzent sowie Europas führender Kohlekraftwerksbetreiber. Die Nichtregierungsorganisationen betonten, RWE spiele in Deutschland eine führende Rolle bei der Verhinderung des Kohle-Ausstiegs.

Mit der Entscheidung der beiden französischen Unternehmen bleiben von den ehemals acht Versicherungsgesellschaften, die früher in RWE investiert haben, nur noch zwei übrig: Die französische Bank BNP Paribas und der deutsche Rückversicherer Munich Re.

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Die beiden französischen Versicherer haben unterschiedliche Veräußerungsregelungen getroffen: Macif wird die 120 aktivsten Unternehmen im Steinkohlenbergbau komplett aus seinem Investitionsportfolio streichen, während AG2R la Mondiale alle Unternehmen, die eine Steigerung von mehr als einem Prozent ihrer gesamten Kohleproduktionskapazität planen, nicht mehr finanzieren will. Das Unternehmen will sich dabei auf die sogenannte Global Coal Exit List stützen, die insgesamt 282 Kohle-Projektentwickler listet.

Ende letzten Jahres hatte Urgewald – eine der führenden NGOs in der europäischen Desinvestitionsbewegung – diese „Global Coal Exit List“ vorgestellt, die Daten zu mehr als 770 Kohleunternehmen enthält.

Die Datenbank soll der Finanzindustrie helfen, Unternehmen zu identifizieren, die mit Kohlekraft handeln, sie produzieren oder neue Kohlekraftwerke bauen. Die aufgeführten Unternehmen repräsentieren 88 Prozent der weltweiten Kohleproduktion und 86 Prozent der weltweiten Kohlekraftwerkskapazitäten.

Positives Zeichen im Vorfeld der COP24

Die NGOs begrüßten den Finanzierungsausstieg von Macif und AG2R La Mondiale als positives Zeichen mit Blick auf die UN-Klimakonferenz (COP24), die im Dezember im polnischen Kattowitz stattfinden wird. Das Thema nachhaltige Finanzwirtschaft wird dort wohl eine große Rolle spielen.

Die Organisationen betonten jedoch, dass weltweit immer noch 630 GW neue Kohlekapazität geplant sind, davon 61 GW in Europa, obwohl der derzeitige globale Kohlenstoffhaushalt eigentlich keinen weiteren Bau neuer Kohlekraftwerke zulässt.

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Insgesamt zeigten sie sich mit den Maßnahmen der Versicherungsfirmen aber zufrieden: „Diese (finanziellen) Entscheidungen stehen im Zusammenhang mit der Klimakrise und spiegeln das wachsende Bewusstsein der Finanzakteure wider, dass es dringend notwendig ist, eine Politik zu verfolgen, die die Ausbreitung dieses Sektors wirklich verhindert und die wir so schnell wie möglich beenden müssen,“ sagte Lucie Pinson von Friends of the Earth France.

„Wir warten immer noch darauf, dass Groupama und Covéa sowie andere Banken und Versicherungsgesellschaften in Frankreich folgen,“ fügte sie hinzu. Während französische Banken und Versicherer ehemals führend bei Kohleinvestitionen gewesen seien, seien solche Investments heute „völlig überholt“.

Eine von diversen Umweltorganisationen im vergangenen November durchgeführte Studie zeigte, dass 15 der weltweit führenden Versicherungsfirmen bereits weitreichende Maßnahmen eingeleitet haben, um komplett aus Kohleinvestitionen auszusteigen.

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