Russland hat neue Energiemärkte im Visier – EU reagiert nervös [DE]

Gordon_Brown_03.jpg

Während sich die Staats -und Regierungschefs der EU auf das heutige (1. September 2008) außerordentliche Gipfeltreffen zu Russland in Brüssel vorbereiten, hat der ehemalige russische Präsident Wladimir Putin angedeutet, dass Moskau seine Exportmärkte für Öl und Gas breiter fächern möchte.

Russland habe nicht die Absicht seine Öl- und Gaslieferungen an die EU zu begrenzen. Das Land werde seine Vertragsverpflichtungen strengstens einhalten, so der ehemalige russische Präsident Wladimir Putin in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Interfax am Sonntag (31. August 2008). 

Dennoch werde Russland seine Exportmöglichkeiten für Öl und Gas, die in der globalen Wirtschaft eine wichtige Rolle spielten, erweitern und diversifizieren, sagte Putin. Berichten zufolge forderte Putin am gleichen Tag, die Fertigstellung einer neuen Pipeline zu beschleunigen. Diese wird Gas von Sibirien auf die asiatischen Märkte bringen. 

Die Kommentare haben Spekulationen darüber angeheizt, dass Moskau vermehrt Europas Abhängigkeit von den großen russischen Öl- und Gasreserven für geopolitische Zwecke ausnutzen wird; insbesondere dann, wenn sich die Staats- und Regierungschefs der EU heute darauf einigen sollten, Sanktionen gegen Russland für dessen Handlungen in Georgien zu verhängen. 

Russland versucht diese Ängste herunterzuspielen. Man habe viele Jahre daran gearbeitet, nicht nur das Image sondern auch den Status eines verlässlichen Energielieferanten für Europa zu erhalten. Dies wolle man selbst in dieser politischen Situation nicht gefährden, sagte Russlands Energieminister Sergej Schmatko am 29. August 2008. 

Trotz dieser Zusicherungen zeigen sich die Staats- und Regierungschefs der EU aufgrund der Abhängigkeit der Union von russischem Öl und Gas beunruhigt. 

Der britische Premierminister Gordon Brown sagte der Zeitung The Guardian am Sonntag, dass es keinem Land erlaubt werden solle, Europa bei Energiefragen in unter Druck zu setzen. Brown möchte eine breitere Fächerung der Energielieferanten der EU, die nach Angaben der Kommission derzeit 30% ihrer Öllieferungen und 50% ihrer Gaslieferungen von Russland bezieht.

Zusätzlich zur Errichtung weiterer Öl- und Gaspipelines, die nicht über russisches Territorium verlaufen würden, ist eine Studie in Arbeit, die die Kosten einer möglichen Vorratsspeicherung von Gas im Falle von russischen Liefereinschnitten erheben soll,  so der britische Daily Telegraph am 1. September 2008.

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren