G20-Staaten tun sich schwer mit den Entwicklungszielen

Während viele Entwicklungsländer Fortschritte bei der Armutsbekämpfung machen, tun sich die OECD-Staaten bei nachhaltiger Produktion und Umweltschutz schwer. [Paul Downey/Flickr]

Selbst die reichsten Länder der Welt tun sich schwer damit, die vor drei Jahren auf UN-Ebene festgelegten Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erfüllen – mit Ausnahme der skandinavischen Staaten. EURACTIV Frankreich berichtet.

Gut zwei Jahre nach Inkrafttreten der Sustainable Development Goals (Ziele für nachhaltige Entwicklung, SDGs) durch die UN-Mitgliedsstaaten zeichnen die Bertelsmann Stiftung und das Sustainable Development Solutions Network (SDNS) in ihrer jährlichen Bewertung der bisherigen Fortschritte ein gemischtes Bild.

Wenig überraschend liegen die OECD-Länder bei der Erreichung der SDGs an der Spitze. Schweden, Dänemark und Finnland haben die besten Ergebnisse, mit SDG-Erreichungswerten von über 83 Prozent.

Die Autoren des Berichts betonten jedoch, dass selbst die Länder mit den höchsten Einkommen noch weit davon entfernt sind, die endgültigen Zielvorgaben zu erreichen: „Selbst Länder mit guten Ergebnissen im Index liegen noch immer deutlich unter dem Ziel von 100 Prozent,“ fassen sie zusammen.

Zwischen "beträchtlich" und "moderat": Eurostat misst Fortschritte der EU bei Entwicklungszielen

In fünf SDG-Kategorien habe es „beträchtliche“ Fortschritte gegeben, in weiteren acht immerhin „mäßige“.

Probleme: Umweltverschmutzung und Klimawandel

Die OECD-Länder tun sich insbesondere bei vier Zielen im Zusammenhang mit der Entwicklung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster, dem Klimaschutz und dem Artenschutz an Land und im Wasser schwer.

Darüber hinaus verursachen sie auch erhebliche „Spillover“-Effekte, wie beispielsweise Umweltverschmutzung, die andere Länder betreffen und „deren Bemühungen zur Erreichung der Ziele der nachhaltigen Entwicklung untergraben“.

In Bezug auf die Entwicklungsländer stellt der Bericht fest, dass „die meisten von ihnen bedeutende Fortschritte bei der Beseitigung der extremen Armut in all ihren Formen gemacht haben.“ Allerdings seien in Ländern mit Konflikt- und Kriegssituationen Rückschritte zu beobachten.

„Um die SDGs zu erreichen, bedarf es tiefgreifender Veränderungen […] Diese Veränderungen erfordern eine starke Regierungsführung in Partnerschaft mit der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft,“ so der Präsident der Bertelsmann-Stiftung und der Direktor des SDSN im Vorwort des veröffentlichten Berichts.

Gemischter Fortschritt unter den G20-Staaten

Im Fortschrittsreport 2018 wurden neue Indikatoren und Staaten-Gruppierungen hinzugefügt. So werden beispielsweise die Anstrengungen der G20-Länder zur Erreichung der SDGs miteinander verglichen. Der Bericht hebt erneut starke Unterschiede hervor, obwohl „fast alle“ G20-Regierungen „einige“ Anstrengungen unternommen hätten, um die Ziele in ihren Staaten zu erreichen.

Ausgaben für Entwicklung: Geberländer werden kreativ

Seit einigen Jahren verändert sich die Entwicklungszusammenarbeit. Weil die Geberländer sich scheuen, das 0,7-Prozent-Ziel zu erfüllen, werden sie kreativ.

Einige Länder wie Brasilien, Italien und Mexiko hätten die Umsetzung der SDGs mit Aktionsplänen, Strategien und Koordinierungsstellen innerhalb der Regierung institutionalisiert, loben die Organisationen.

Im Gegensatz dazu gebe es in Ländern wie Russland oder den Vereinigten Staaten ein deutlich geringeres Maß an politischem Engagement für diese Ziele, was durch das „Fehlen öffentlicher Erklärungen der Staatschefs“ noch deutlicher werde.

Insgesamt weist der Bericht auf Unzulänglichkeiten in den G20-Ländern bei wichtigen Aspekten der Umsetzung der SDGs hin, insbesondere bei der Umsetzung der Mechanismen für staatliche Rechenschaftspflicht oder ihrer „effektiven Integration“ in die nationalen Haushalte (d.h. Überprüfung der Ausgaben und Zuweisung von Mitteln auf Ergebnisgrundlage).

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