Religiöse Einrichtungen geben fossile Investitionen auf

Ein Verbund religöser Einrichtungen verspricht, in Zukunft jegliche fossile Investitionen aus ihren Finanzdossiers auszuschließen. [Siberia Video and Photo/ Shutterstock]

Während weltweit Konjunkturprogramme geschnürt werden, um von COVID-19 getroffene Unternehmen zu unterstützen, werden die Rufe nach einem „grünen Wiederaufbau“ immer lauter. Ein Zusammenschluss geistlicher Organisationen wagt den ersten Schritt.

Ein weltweiter Verbund von 42 religiösen Einrichtungen aus 14 Staaten hat sich heute dazu bekannt, jegliche fossile Investitionen aus ihren Finanzdossiers auszuschließen. Innerhalb Europas zählen Institutionen aus Irland, Italien, Spanien und Großbritannien zu den Unterzeichnern.

Seit einigen Monaten haben sich auch kirchliche Einrichtungen öffentlich für den Klimaschutz ausgesprochen. Papst Franziskus hatte jüngst verkündet, dass die gegenwärtige Pandemie eine „Antwort“ der Natur auf die menschliche Ignoranz gegenüber der ökologischen Krise sei.

Im Februar hatte der britische Jesuitenorden angekündigt, sich von seinem 400 Millionen Pfund teuren Portfolio von Vorräten an fossilen Brennstoffen trennen zu wollen. Kurz darauf schlossen sich 21 katholische Organisationen zu einer Initiative zusammen, um die ihnen zu Verfügung stehenden 40 Milliarden Euro in ökologische und nachhaltige Ziele zu investieren.

Umwelt-NGOs lancieren Appell für grünen Wiederaufbau

Ein Zusammenschluss von zehn großen europäischen Umweltorganisationen hat heute einen Appell an die Europäische Union gerichtet, einen grünen und fairen Wiederaufbauplan vorzulegen. Im Laufe des Tages stimmt das EU-Parlament über seine Position zu diesem Thema ab.

Unter den Unterzeichnern der Erklärung befindet sich keine deutsche Organisation. Doch auch hierzulande äußert sich die Kirche zunehmend im Sinne des Umweltschutzes. Unter dem Namen „Churches for Future“ unterstützen Gemeinden die Freitagsproteste junger Menschen. Das Vermögen deutscher, christlicher Einrichtungen wird  zumeist in Wertpapieren oder Immobilienfonds angelegt, die von rund zehn kirchennahen Banken verwaltet werden. Besonders der Immobiliensektor spielt dabei eine große Rolle; so ist das Erzbistum Köln nach Recherchen des „Spiegels“ mit mehr als 40 Prozent an der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft beteiligt, die insgesamt 25.000 Wohnungen verwaltet.

Wirtschaftssektor ruft nach grünem Wandel

Auch aus der Wirtschaft kommen immer mehr Selbstverpflichtungen und Aufrufe zu einem grünen Neustart. Zum Beginn des Petersburger Klimadialoges hatte sich eine Allianz aus 68 deutschen Unternehmen gebildet – darunter Schwerindustrie, Chemieindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die Finanzbranche – und zur Umsetzung klimapolitischer Maßnahmen im Rahmen der wirtschaftlichen Erholung aufgerufen.

Auf EU-Ebene rief Mitte April auch ein breites Bündnis aus 180 Politikern, Unternehmen, Gewerkschaften und ExpertInnen dazu auf, Konjunkturhilfen im Sinne des Klimaschutzes einzusetzen.

EU-Meilenstein: Vereinbarung grüner Kriterien für die Finanzierung

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments und die finnische Ratspräsidentschaft haben sich am Donnerstag, den 5. Dezember, auf eine Taxonomie geeinigt, um zu ermitteln, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als „grün“ eingestuft werden können.

Derweil werden in Brüssel die Rufe lauter, die Ende 2019 von Parlament und Rat vereinbare Taxonomie für nachhaltige Finanzen als Instrument für einen umweltfreundlichen Wiederaufbau zu verwenden. Das System soll große Unternehmen transparenter machen und eine einheitliche Definition für nachhaltige Geschäftsbereiche vorgeben.

Deutschland hat verkündet, das Thema nachhaltige Finanzen während seiner Ratspräsidentschaft vorantreiben zu wollen. Vergangene Woche schickte Bundesumweltministerin Svenja Schulze ein Schreiben an die CEOs von knapp 430 Großunternehmen in Europa mit der Bitte, an einer Umfrage zu dem Thema teilzunehmen. Sie soll es ermöglichen, mithilfe der EU-Taxonomie entsprechende Konjunkturprogramme zu entwickeln.

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