Portugal erzeugt über 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien

Im März wurden 55 Prozent der erneuerbaren Energie in Portugal durch Wasserkraft erzeugt. [Shutterstock]

Portugal hat im März mehr Strom aus sauberen Energiequellen produziert, als es tatsächlich benötigt. Der Mangel an Stromverbindungen mit dem Rest Europas bleibt jedoch weiterhin problematisch.

Im vergangenen Monat März konnte Portugal seinen Energiebedarf regelmäßig zu 100 Prozent durch Wasser- und Windkraft decken. Nach Angaben des nationalen Übertragungsnetzbetreibers REN erreichte die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien insgesamt 4.812 GWh und übertraf damit den Gesamtenergiebedarf Portugals, der im März bei 4.647 GWh lag.

So lieferten die Anlagen im Monatsdurchschnitt genau 103,6 Prozent des benötigten Stroms und übertrafen damit den bisherigen Rekordwert von 99,2 Prozent, der im Februar 2014 erreicht worden war.

Außerdem schaffte Portugal es zum ersten Mal in 40 Jahren, im März die gesamte Nachfrage nach Strom mit erneuerbarer Energie zu decken: Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres konnten die Erneuerbaren lediglich sechs Prozent beisteuern.

Der Grünen-Europaabgeordnete Claude Turmes lobte die „beeindruckenden“ Fortschritte Portugals und forderte, die EU müsse ein ambitionierteres Ziel von mehr als 27 Prozent Anteil der Erneuerbaren am Gesamt-Energiemix für 2030 unterstützen.

Derzeit laufen Verhandlungen zwischen dem Europäischen Parlament, der Kommission und den Mitgliedstaaten über die Aktualisierung der Regeln für erneuerbare Energien. Die Parlamentsabgeordneten fordern ein 35-Prozent-Ziel, während die Kommission und die nationalen Hauptstädte nur 27 Prozent unterstützen wollen.

Tatsächlich könnte die Kommission sich aber in den geheimen Verhandlungsgesprächen auch auf die Seite des luxemburgischen MEP Turmes und des Hauptberichterstatters des Parlaments José Blanco Lopez (S&D) schlagen: Aus Kommissionsquellen hieß es in den vergangenen Monaten des Öfteren, ein Ziel von 30 Prozent könnte erreichbar sein.

Der portugiesische Verband für erneuerbare Energien (APREN) und die Nachhaltigkeits-NGO ZERO haben derweil berechnet, dass die portugiesischen Erfolge im Bereich der sauberen Energien im März zu einer Verringerung der CO2-Emissionen um 1,8 Millionen Tonnen und zu Einsparungen von über 20 Millionen Euro geführt haben. Letztere Einsparungen ergeben sich durch einen niedrigeren Bedarf an CO2-Verschmutzungszertifikaten.

Die grünen Organisationen errechneten außerdem, dass die durchschnittlichen Energiepreise durch den Anstieg der erneuerbaren Energien von 43,94 Euro pro MWh im Vorjahr auf nur noch 39,75 Euro pro MWh gesunken sind.

EU-Parlament mit wichtigem Schritt Richtung Energiemarktreform

Das EU-Parlament hat strenge Regeln für die Mechanismen beschlossen, die häufig als Subventionen für Kohlekraftwerke verwendet werden. Stattdessen sollen kleine Erzeuger erneuerbarer Energien unterstützt werden.

Es ist allerdings festzuhalten, dass Portugal sich auch im März nicht durchgängig auf glänzende Solarpanels und surrende Wasserturbinen verlassen konnte: Für einige Stunden des Monats wurde Strom aus fossilen Brennstoffen und/oder Importen benötigt, um Stromnachfrage und -angebot auszugleichen. In der Analyse von APREN und ZERO heißt es, diese Stunden der Unterproduktion durch erneuerbare Energieanlagen sei jedoch durch längere Perioden der Überschusserzeugung aufgewogen worden.

Isolierte iberische Halbinsel

Die Entkarbonisierungsbemühungen Portugals scheinen also immer stärker und erfolgreicher zu werden. Doch die Lage des Landes am Rande des europäischen Festlandes und die Tatsache, dass es nur eine Landgrenze mit Spanien teilt, könnten sich als ein Hindernis für seine Bemühungen um saubere Energie herausstellen.

Verbindungsleitungen – insbesondere Stromkabel – sind für die Pläne einer EU-Energieunion und eines echten Energiebinnenmarktes unerlässlich. Sie ermöglichen es, überschüssige Energie je nach Bedarf von einem Mitgliedstaat in einen anderen zu verlagern.

Dies ist besonders wichtig für den Ausbau der erneuerbaren Energien, da die alte, aber nicht minder korrekte Feststellung „Die Sonne scheint nicht immer und der Wind bläst nicht immer“ nach wie vor gilt und Speicherlösungen noch immer nicht ausreichend entwickelt sind, um den gesamten Energiebedarf jederzeit zu decken.

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Die schwedische Firma Vattenfall wird die weltweit ersten Windparks bauen, die komplett ohne öffentliche Gelder auskommen.

Beispielsweise erzeugte Portugal am 11. März satte 143 Prozent seines Strombedarfs mit erneuerbaren Energien; aber ohne ein robustes, gut angeschlossenes Energienetz oder ausreichende Speicher (entweder in Form von modernen Batterien oder Pump-Wasserkraftwerken) wird diese Energie vergeudet.

Die Mitgliedstaaten sollen bis 2020 ein Ziel von 10 Prozent erneuerbare Energie erreichen, wobei ein Zehntel des erzeugten Stroms grenzüberschreitend exportiert werden kann. Doch sowohl Portugal als auch Spanien und zehn weitere EU-Länder hinken hinterher.

Deshalb hatte der portugiesische Premierminister Antonio Costa im Dezember angekündigt, er werde ein Energie-Treffen mit seinem spanischen Amtskollegen Mariano Rajoy organisieren, bei dem die beiden sich über mögliche neue Verbindungsleitungen austauschen werden. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron und Kommissionschef Jean-Claude Juncker sollten dabei anwesend sein.

Eigentlich hatte Costa seinen Mini-Energiegipfel für Februar 2018 angesetzt, doch bisher hat er nicht stattgefunden. Ein Sprecher der Kommission sagte gegenüber EURACTIV, ein Termin sei noch nicht vereinbart worden.

Dieser mangelnde Fortschritt wird EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete verärgern, der im Dezember deutlich kritisierte, es gebe „keinerlei Rechtfertigung“ für die weiterhin niedrige Zahl an Verbindungen zwischen der iberischen Halbinsel und dem übrigen EU-Netz.

Obwohl bald ein neues Kabel zwischen Frankreich und Spanien im Golf von Biskaya die Integration der Region stärken wird, ist es daher wahrscheinlich, dass Portugals große Fortschritte bei den erneuerbaren Energien im Endeffekt durch die Isolation des Landes beschnitten werden.

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