Polens Klimapolitik mit „enttäuschendem Mangel an Ambition“

Protest von Minenarbeitern gegen den Import von russischer Kohle in Südpolen, am 18. Februar 2020. [EPA-EFE/Andrzej Grygiel]

Polens langfristige Energiepolitik bis 2040 (PEP 2040) zeigt einen „enttäuschenden Mangel an Ambition“, kritisiert der Think-Tank Ember.

PEP 2040 war vergangene Woche veröffentlicht worden. Die langfristige Klimastrategie soll einen Weg für die „Dekarbonisierung“ der polnischen Wirtschaft aufzeigen.

Allerdings gab es Kritik von diversen Seiten: Neben Ember positionierten sich weitere Klima-Fachleute gegen PEP 2040 und nannten dabei drei Hauptbedenken.

Erstens könnte das EU-Klimaziel, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent zu reduzieren, durch Polen allein gefährdet werden, indem im Jahr 2030 immer noch 75 TWh Strom aus Kohle produziert werden soll. Dabei lautet die EU-Empfehlung für alle Mitgliedstaaten eigentlich, die Kohlestromproduktion in den kommenden neun Jahren auf etwa 55 TWh zu reduzieren.

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Die zweite Beobachtung konzentriert sich auf die Ausweitung des Einsatzes von fossilem Gas. Die Nutzung soll von 14 TWh im Jahr 2019 auf 54 TWh im Jahr 2030 ansteigen. Damit würde Polen bis 2030 zum drittgrößten Gaserzeugerland der EU.

Drittens untergrabe PEP2040 „in hohem Maße“ die Rolle der erneuerbaren Energien in der nationalen Energiewende. Der Think-Tank Ember hebt diesbezüglich hervor, dass die Prognosen für den Einsatz von erneuerbaren Energien fast identisch mit vorherigen Szenarien sind, die noch von deutlich niedrigeren Preisen für CO2-Zertifikate ausgingen.

Inzwischen wird in den meisten EU-Staaten hingegen erwartet, dass eine Erhöhung der Zertifikatpreise dem Ausbau der erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren noch einmal einen Extra-Schub geben wird.

Embers Analystin Małgorzata Kasprzak kritisierte den Plan abschließend: „Bis 2040 will Polen an der Kohle festhalten und neue Kraftwerke für [die Stromerzeugung mit] fossilem Gas bauen. Mit PEP2040 als dem einzigen Plan riskiert Polen einen schmerzhaften und unkoordinierten Ausstieg aus der Kohle. Dies könnte die Lage der energieintensiven Industrien und langfristig auch der gesamten Wirtschaft verschlechtern.“

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