Plastikstoffe im Meer sollen drastisch reduziert werden

Wattestäbchen, Besteck, Plastikteller, Trinkhalme - sie alle sollen von nun an aus recycelbaren Materialien produziert werden, um die Meere zu entlasten. [Foto: Shutterstock]

Die EU-Kommission hat heute ihre Vorschläge für eine neue Richtlinie vorgelegt, die Plastikabfälle im Meer deutlich reduzieren soll. So sollen einige Stoffe komplett verbannt und weitere Kennzeichnungsvorschriften eingeführt werden.

Weltweit machen Kunststoffe 85 Prozent der Meeresabfälle aus, der Schaden für das Meeresklima und die Tierwelt darin sind erheblich. Mikroplastiken finden durch den Fischfang auch ihren Weg in menschliche Lebensmittel, bisher sind die möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit allerding noch nicht genügend erforscht. Um das wachsende Problem in den Griff zu bekommen und dem EU-Ziel einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft näher zu kommen, möchte die Kommission in ihrem Vorschlag die zehn häufigsten im Meer gefundenen Kunststoffe verbannen. Dies betrifft die Produktion von Wattestäbchen, Besteck, Tellern, Trinkhalmen und ähnlichen Produkten, für die recycelbare Alternativen bestehen. Zusammen machen die betroffenen Einwegkunststoffprodukte 70 Prozent der Abfälle im Meer aus.

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Die Hersteller von Kunststoffprodukten sollen darüber hinaus zur Deckung der Kosten für die Abfallbewirtschaftung und Säuberung der Umwelt sowie für Sensibilisierungsmaßnahmen herangezogen werden, so die Kommission in einer Pressemitteilung. Kennzeichnungsvorschriften auf bestimmten Produkten sollen angeben, wie ein das Produkt korrekt zu entsorgen ist, gleichzeitig sollen die Mitgliedsstaaten angehalten sein, bis 2025 rund 90 Prozent ihrer Einweg-Getränkeflaschen zu sammeln, statt zu entsorgen.

Erst Mitte April hatte das EU-Parlament einer neuen Richtlinie zugestimmt, die einheitliche Recyclingmaßstäbe für 2035 vorgibt. Kritiker bezweifeln allerdings, dass die Vorgaben bis auf wenige Mitgliedstaaten erreicht werden. In einigen Mitgliedstaaten landen noch immer zwei Drittel aller Abfälle auf der Deponie, statt wiederverwertet zu werden. Das Problem sind oft noch erhöhte Produktionskosten für Recycelte Produkte sowie ein schwächerer Abnahmemarkt.

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Der Vizepräsident Jyrki Katainen, zuständig für Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit, sieht in der neuen Richtlinie vor allem einen Anstoß für den Markt, die Nachfrage in der Kunststoffrecyclingindustrie  zu fördern: „Dies ist eine Chance für Europa, eine Vorreiterrolle zu übernehmen, indem wir neue Produkte auf den Markt bringen, nach denen die Nachfrage in der Welt in den nächsten Jahrzehnten groß sein wird, und indem wir unsere wertvollen und begrenzten Ressourcen wirtschaftlich sinnvoller nutzen.“

Die geplante Kunstoffrichtlinie folgt dem Verbot kostenloser Plastiktüten, das ab diesem Jahr in der EU greift. Der Vorschlag der Kommission wird nun dem EU-Parlament und dem Rat zur Annahme vorgelegt. Noch vor der Europawahl kommenden Mai, so hofft die Kommission, sollen die Institutionen greifbare Ergebnisse präsentieren.

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