Parlament fordert EU-Konzept für Energiespeicher

Die österreichische Abgeordnete Claudia Gamon (Neos) sitzt im Industrie-Ausschuss des EU-Parlaments und fordert die Kommission auf, ein Konzept für Energiespeicher zu entwickeln. [EU Multimedia Center]

Das Energienetz der Zukunft wird mit verschiedensten Speichermethoden ausgestattet sein. Aber noch existieren viele Hürden für den Bau von Speichern, außerdem fehlt es an einem einheitlichen Konzept. Das EU-Parlament möchte das ändern.

In einer Entschließung möchte das EU-Parlament am heutigen Freitag die Kommission dazu auffordern, ein europäisches Konzept für die Energiespeicherung zu entwickeln. In dem Beschluss, der von der österreichischen Abgeordneten Claudia Gambon (Renew) erarbeitet wurde und über den im Laufe des Tages abgestimmt wird, schlägt das Parlament die Einrichtung einer Task Force innerhalb der Kommission vor, um die Kosten und den CO2-Fußabdruck verschiedener Speicherarten auszuwerten.

„Der Green Deal setzt stark auf die Elektrifizierung aller Sektoren, aber dabei dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass wir auch aus heutiger Sicht gewaltige Speicherkapazitäten aufbauen müssen. Dafür braucht es einen regulatorischen Rahmen“, sagte die Berichterstattern Gamon zu EURACTIV Deutschland. Die EU-Kommission geht davon aus, dass zur Erreichung der Klimaneutralität der Anteil von Strom im Endverbrauch von heute einem Viertel auf etwa die Hälfte bis 2050 anwachsen müsste. Da ein Großteil davon aus erneuerbaren Energien stammen soll und das Stromnetz stärkere Fluktuationen abfangen muss, könnte sich der Bedarf an Speicherkapazitäten versechsfachen.

Deutschland und Frankreich eröffnen erste gemeinsame Batteriezell-Anlage

Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam an der Fertigung von Batteriezellen unter anderem für Elektroautos forschen. Am Donnerstag eröffneten beide Länder dazu eine Pilotanlage.

Ziel ihrer Initiative sei es, die losen Fäden, die sich zum Thema Energiespeicherung in den verschiedenen Richtlinien der EU finden, in einem einheitlichen Konzept zusammenzuführen, so Gamon. Einen guten Ansatz dafür liefere die Strategie zur Integration der Energiesysteme, welche diesen Mittwoch vorgestellt wurde. Darin legt die Kommission erstmals dar, wie die Energiegesetzgebung in den kommenden Jahren angepasst werden soll, um die Gas- und Strommärkte mit den Sektoren Industrie, Gebäude und Verkehr zu verknüpfen – die sogenannte Sektorkopplung.

Batterien werden bisher kaum recycelt

Derzeit machen Pumpspeicher, meist in Form von großen Pumpspeicherkraftwerken zwischen zwei Seen, rund 90 Prozent der Energiespeicher im europäischen Stromnetz aus. Dabei gibt es vielversprechende Alternativen wie Power-to-X Anlagen, Batterien oder Wärmespeicherung, deren Potential bei Weitem nicht ausgeschöpft ist.

„Was enorm helfen würde, wäre die Abschaffung zahlreicher Hürden, die immer noch für viele Speicherarten bestehen“, sagt Gamon. Als Beispiel nennt sie die doppelte Besteuerung von Speichern durch Netzendgelte und Energiesteuern. Wenn die Kommission im kommenden Jahr ihre Richtlinie für Energiesteuern überarbeitet, müsse sie zwischen Endnutzung und Speicherung oder Umwandlung unterscheiden.

Deutschlands erste Wasserstoffstrategie steht

Erstmals ist Deutschlands Plan für eine Wasserstoffstrategie bekannt geworden. Der Entwurf sieht den Einsatz des CO2-freien Gases in Industrie und Verkehr vor und verspricht viele Millionen für die Forschung. Am Ende wird aber ein Großteil aus dem Ausland eingekauft werden.

Aber es gibt weitere Baustellen: Eine davon ist die Lithium-Ionen-Batterie, die den Großteil der elektrochemischen Speicherung ausmacht. Ihr Recycling gilt als unrentabel, daher existieren bisher keine geschlossenen Kreisläufe, während die allermeisten Batterien aus Asien eingekauft werden. Fast die Hälfte aller in den Verkehr gebrachten Geräteakkus wird nicht in den Kreislauf zurückgegeben, wie eine Studie des Öko-Instituts 2018 zeigte. Auch zur Wiederverwendung von Autobatterien, die theoretisch zur Energiespeicherung in Privathaushalten eingesetzt werden könnten, existiert bislang kein ausreichender Rechtsrahmen. Daher sollte „ein spezifisches Recyclingziel für Lithium-Ionen-Batterien“ in der anstehenden Revision der Batterie-Richtlinie in Erwägung gezogen werden, so der Bericht.

Parlament will Kosten-Nutzen Analyse für CO2-arme Gase

Handlungsbedarf besteht nicht nur bei den bestehenden Hemmnissen, sondern auch den möglichen Förderinstrumenten für Speicher. Zwar sollen zum Beispiel Fernwärmenetze in Zukunft von der Connecting Europe Facility profitieren können. Aber auch in den EU-Beihilferegeln, zu deren Reformierung noch bis Mitte des Monats eine öffentliche Konsultation läuft, müssten Speicher mehr Raum einnehmen, fordern die Parlamentarier. Noch wichtiger dürfte aber die laufende Revision der sogenannten TEN-E Richtlinie sein. Die entscheidet, welche transeuropäischen Energienetze mit Milliarden Euro Fördergeldern gefördert werden. In Zukunft müsse TEN-E auch die Förderung von Speicheranlagen erlauben, heißt es in der Entschließung. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, denn die meisten Speicheranlagen haben keine grenzüberschreitende Struktur und demnach keinen Anspruch auf die TEN-E Gelder.

Es gibt ein Batterieleben nach dem Tod

Die EU will die heimische Batterieproduktion für E-Autos ankurbeln. Ziel ist es dabei, möglichst nachhaltige und recyclingfähige Akkus zu bauen.

Gleiches gilt für Speicher im europäischen Gasnetz, das für kohlenstoffarme oder sogar kohlenstofffreie Gase wie Wasserstoff umgebaut werden muss. Inwiefern sich dieser umfangreiche Umbau überhaupt lohnt, soll die Kommission nach dem Wunsch des Parlamentes in einer Kosten-Nutzen Analyse und einer Verfügbarkeitsstudie untersuchen. Zwar werde grünes Gas eine wichtige Rolle im zukünftigen Energienetz spielen, es sei aber kein Wundermittel, meint Gamon. „Wasserstoff alleine wird die Probleme der Dekarbonisierung nicht lösen. Gerade deshalb müssen wir auf ganz verschiedene Technologien setzen.“

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