Palmöl in britischen Banknoten?

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Die Bank of England wird in ihren Banknoten statt tierischem Fett womöglich bald Palmöl verwenden. [Claudio Divizia/Shutterstock]

Die Bank of England will künftig Palmöl zur Herstellung neuer Banknoten verwenden. Schon jetzt sorgt der umweltschädigende Anbau der Nutzpflanze für hitzige Debatten. EURACTIV-Kooperationspartner La Tribune berichtet.

In der englischen Zentralbank häufen sich die Probleme. Die Institution untersucht derzeit unterschiedliche Substanzen, mit denen sie das Tierfett in ihren Banknoten ersetzen kann. Als ans Licht kam, dass britische Geldscheine tierische Fette enthalten, gingen Veganer und religiöse Verbände auf die Barrikaden. Mit ihrem neuen Vorschlag droht der Institution nun jedoch der geballte Zorn der Umweltaktivisten. Denn der scheinbar einzig mögliche Ersatz sind Zusatzstoffe aus Palmöl.

Öffentliche Befragung

Nach der Aufregung über die tierischen Fette und einer erfolgreichen Petition mit mehr als 135.000 Unterzeichnern verkündete die Bank of England im Februar in einer Mitteilung, dass es eine öffentliche Befragung zur künftigen Substanz in Geldscheinen geben werde. Diese ging vergangene Woche online.

„Die Bank of England führt derzeit eine Befragung durch, bei der Ansichten der Öffentlichkeit zur zukünftigen Zusammensetzung von Banknoten gesammelt werden sollen. Dies ermöglicht der Bank, die Position der Bürger besser zu verstehen.“

In der Befragung werden Materialien wie Kokosöl oder Palmöl vorgeschlagen, ohne dass dabei eine deutliche Präferenz hervorgeht. Die einzigen beiden Firmen jedoch, die an einer öffentlichen Ausschreibung diesbezüglich teilnehmen könnten – Innovia Security und De La Rue – deuteten laut Financial Times bereits an: „Die einzige pflanzliche Alternative zu Talg wäre Palmöl“.

Eine polemische Debatte?

„Die Bank wird alle Bedenken zur religiösen, ethischen und ökologischen Vielfalt berücksichtigen, die durch den Einsatz von Tierfetten und Palmöl als Alternative entstehen“, so die Finanzinstitution. Sie sei sich des umweltschädigenden Potenzials der Palmöl-Nutzung durchaus bewusst.

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Trotz all der Vorwarnungen droht die künftige Entscheidung, zahlreiche Gegenreaktionen und Einwände hervorzurufen. Das britische Unternehmen Efeca (Experten für Forst- und Landwirtschaft) erinnert im Guardian und einem Bericht vom 28. März 2017 daran, dass die Palmölproduktion erheblich zur weltweiten Entwaldung beitrage.

Die Bank of England stellte sich bereits Diskussionen mit einem Zusammenschluss mehrerer Umwelt-NGOs, insbesondere dem WWF. „Palmöl wäre von allen pflanzlichen Ölen die effizienteste Quelle und könnte durchaus auch am wenigsten umweltschädlich sein, wenn es denn nachhaltig produziert würde“, so die Umweltorganisation. „Eine nicht nachhaltige Palmöl-Herstellung jedoch könnte vielerorts Wälder zerstören, was wiederum schwerwiegende Folgen für die Natur und einheimische Arten hätte.“

Am 12. Mai endet die öffentliche Befragung. Im kommenden Sommer wird dann wahrscheinlich eine Entscheidung gefällt werden. Doug Maw, Initiator der erfolgreichen Petition, ermutigt die Bürger, an der Debatte teilzunehmen und ihren Standpunkt zum Thema Palmöl in Banknoten vorzustellen.

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