One Planet Summit: Die Finanzwelt am Krankenbett der Biodiversität

Besonders das Motto des Gipfels hat Eindruck hinterlassen. "Make our planet great again", rief damals ein strahlender Emmanuel Macron. [EPA-EFE/ETIENNE LAURENT / POOL MAXPPP OUT]

Am Montag treffen sich verschiedene Staatsoberhäupter, Unternehmer und Forscher zum vierten One Planet Summit. In diesem Jahr liegt der Fokus auf dem Schutz der Biodiversität. Inmitten einer globalen Pandemie ist die Rücksichtnahme auf die Umwelt durch den Wirtschafts- und Finanzsektor wichtiger denn je.

Wenn COVID-19 überhaupt einen positiven Effekt hatte, dann diesen: die Erhaltung der Artenvielfalt wieder in den Mittelpunkt der Debatte zu stellen.

Dies sei das „erste internationale Treffen des Jahres zu diesem Thema“, freute sich Monique Barbut, Sonderbeauftragte für biologische Vielfalt im Elysée-Palast. In der Tat wird die Erhaltung der Umwelt in diesem Jahr im Mittelpunkt von drei großen Veranstaltungen stehen: im September beim Weltnaturschutzkongress in Marseille, im Oktober bei der mit Spannung erwarteten UN-Konvention über die biologische Vielfalt – besser bekannt als COP15 zum Thema Biodiversität – in Kunming, China, und im November beim COP26-Klimagipfel in Glasgow, Schottland.

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„Make our planet great again“

Bei einem Seminar zur Vorstellung des Gipfels machte die Sondergesandte aus dem Elysée-Palast eines sehr deutlich. Auch wenn sich das Hauptthema des One Planet Summit geändert hat, bleibt das Ziel dasselbe. Das Gipfeltreffen soll eine Vielzahl von Akteuren rund um das Thema Umwelt zusammenzubringen. „Staats- und Regierungschefs, Nichtregierungsorganisationen und vor allem Unternehmen und Finanzinstitutionen“ werden anwesend sein, versprach die Sondergesandte. Das war auch das Ziel des französischen Präsidenten beim Start der One-Planet-Bewegung im Jahr 2017 – den Wirtschafts- und Finanzsektor an die Ziele des Pariser Abkommens anzupassen.

Besonders das Motto des Gipfels hat Eindruck hinterlassen. „Make our planet great again“, rief damals ein strahlender Emmanuel Macron an der Seite von Frankreichs Umweltminister Nicolas Hulot vor einem Publikum aus Staatschefs, Unternehmern und Forschern. Was ist vier Jahre später von diesem Hoffnungsschimmer übrig geblieben?

Seit 2017 hat die grüne Euphorie des französischen Präsidenten nachgelassen. Nicolas Hulot hat die Regierung verlassen. Der Druck durch die Grünen seit ihren Siegen auf kommunaler Ebene hat zugenommen, ebenso wie die Spannungen mit den Mitgliedern des Bürgerklimakonvents, die der Regierung vorwerfen, ihre Vorschläge zu „unterlaufen“. Politisch haben sich die Fronten eher verhärtet.

Aber was ist mit den Akteuren aus der Wirtschaft und der Finanzwelt – hat sich ihre Position bei diesem Thema geändert? Obwohl der Klimawandel für die Wirtschaftssektoren inzwischen ein unausweichliches Thema ist, „wird der Erhalt der Biodiversität noch immer weitgehend ignoriert“, bedauert Philippe Zaouati, CEO von Mirova, einer Verwaltungsgesellschaft, die in die nachhaltige Wirtschaft investiert.

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Seit einigen Jahren fordert der Finanzexperte die Einführung einer „Finanzwirtschaft im Dienste der Natur“. Zu diesem Zweck empfiehlt er, Indikatoren zu entwickeln, um die Auswirkungen des Finanzsektors auf die Biodiversität zu messen. „Es ist einfach, unsere Auswirkungen auf das Klima abzuschätzen. Die Kohlenstoffbelastung, Tonnen von CO2-Äquivalenten: all das spricht die Finanziers an. Wenn wir anfangen, über Waldrodungen oder die Zerstörung von Ökosystemen zu diskutieren, ist es viel komplizierter, weil es noch keine Indikatoren oder gar internationale Standards gibt, um diese Auswirkungen zu messen“, erklärt der Vorsitzende von Mirova. Er hofft, dass in den kommenden Monaten eine Arbeitsgruppe zur finanziellen Transparenz von Unternehmen in Bezug auf die Biodiversität entsteht, ähnlich wie es mit der Task Force zu klimabezogenen Finanzberichten geschehen ist.

Philippe Zaouati, der auf dem One Planet Summit eine Rede halten wird, hofft, dass dieser Gipfel „das Tempo anzieht“, denn „wir haben noch einen langen Weg vor uns“, räumt der Finanzier ein. Mehrere Studien haben in den letzten Monaten auf die schädlichen Auswirkungen der globalen Finanzwirtschaft hingewiesen.

Das zeigt auch der Bericht „Bankrolling Extinction“, der im vergangenen Oktober von der internationalen Initiative Portfolio.earth veröffentlicht wurde. Dieser Bericht listet die 50 größten Banken der Welt auf, die 2019 rund 2,6 Billionen Dollar (das entspricht dem BIP Kanadas) in Schlüsselsektoren der Lebenszerstörung investiert haben: Infrastruktur, Bergbau und Stahlerzeugung, fossile Brennstoffe, industrielle Landwirtschaft, Massentourismus, Güterverkehr. Unter den zehn schädlichsten Banken sind drei Europäer: HSBC, Barclays und die französische Bank BNP Paribas, die auf Platz sechs liegt.

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