Die Ölindustrie behaupte, ihr mangele es an finanziellen und technologischen Ressourcen, um die Treibhausgasemissionen zu senken. Den Nachforschungen der NGO zufolge verfüge sie jedoch über das Potential, das Ziel der Richtlinie, die CO2-Emissionen um zehn Prozent zu senken, zu erreichen und es sogar zu übertreffen. Dies sagte Darek Urbaniak, der Kampagnenleiter für die Rohstoffindustrie von Friends of the Earth Europe.
Paul de Clerck, Kampagnenleiter für Unternehmen bei Friends of the Earth Europe wies auf die „Rekordgewinne“ von über 125 Milliarden US-Dollar hin, die Ölkonzerne 2007 angekündigt hatten. Er fügte hinzu, dass die Ölunternehmen trotz ihrer unermesslichen Gewinne nicht bereit seien, die Kosten für eine Senkung der Emissionen zu tragen. Es scheine, dass die Unternehmen diese nicht gewinnbringenden Investitionen nicht tätigen würden, solange sie von einer Regulierungsbehörde nicht dazu gezwungen würden.
Er schließt daher, dass die EU die Ölkonzerne dazu „verpflichten“ müsse, die notwendigen Schritte einzuleiten/Maßnahmen zu ergreifen. Der Bericht habe gezeigt, dass es möglich sei und dass mehr als genug Geld dafür zur Verfügung stünde, fügte er hinzu.
Die NGO kritisierte die Ölunternehmen dafür, dass diese versuchten, ein „grünes Image“ abzugeben. Hinter den Kulissen betrieben die Ölfirmen Lobbying gegen umweltpolitische Gesetze, in der Öffentlichkeit jedoch würden sie in der Werbung suggerieren, dass sie Emissionen reduzierten, behauptet die Organisation. Sie weist auf einen Fall hin, in dem die niederländische und die britische Werbeaufsichtsbehörden den Ölriesen Shell der irreführende Werbung schuldig befanden, da dieser in einer Werbeanzeige eine Ölraffinerie dargestellt hatte, aus deren Schornsteine Blumen wuchsen.
Europia, der europäische Verband der Ölindustrie, gab keine direkten Kommentare zu den Schlussfolgerungen des Berichts ab, besteht jedoch darauf, dass die Effizienzbilanz der Industrie „sehr gut“ sei. Die Organisation hat starkes Lobbying gegen das Zehn-Prozent-Ziel betrieben, von dem sie behauptet, es sei „verfrüht“, „undurchführbar“ und es „widerspreche“ und „überschneide“ sich mit den beiden anderen Gesetzesvorschlägen. Bei letzteren handelt es sich um die Richtlinie für erneuerbare Energien, die darauf abzielt, einen erhöhten Einsatz von Biokraftstoffen im Verkehr zu fördern und um die Überarbeitung des Emissionshandelssystems der EU, unter dem Ölhersteller und Raffinerien bereits jetzt beträchtliche Senkungen der CO2-Emissionen vornehmen müssen.
CO2-Emissionen aus Raffinerien und Produktion in der EU würden bereits vom Emissionshandelssystem der EU erfasst und es gebe eine Obergrenze, betont der Verband.
Darüber hinaus unterstrich er die Widersprüchlichkeit zwischen der Förderung von Kraftstoffen mit höherer Qualität und Biokraftstoffen einerseits und der Einführung eines Lebenszyklusansatzes andererseits. Ein solcher Ansatz benachteilige hoch modernisierte Raffinerien, die über komplexere Umwandlungstechniken verfügten, da diese häufig energieintensiver seien, erklärt die Organisation. Dies führe letztendlich zu einem „verdrehten Anreiz“ zu einer unvollständigen und ineffizienten Umwandlung von Rohöl.
Europia schließt, dass fossile Brennstoffe zum gegenwärtigen Zeitpunkt von den Zielen zur Emissionssenkung ausgenommen werden sollten, bis diese ungeklärten Fragen gelöst worden seien.