Ökostrom: EEG-Umlage sinkt zum ersten Mal

Foto: Gunnar Ries (CC BY-SA 2.0)

Erstmals sinkt die Ökostrom-Umlage. 2015 wird sie von bisher 6,24 Cent auf 6,17 Cent pro Kilowattstunde zurückgefahren. Das Potenzial für sinkende Haushaltsstrompreise ist da, sagt die Agentur für Erneuerbare Energien. Die Umlage hätte noch deutlich niedriger ausfallen können, sagen die Grünen.

Die Umlage zur Finanzierung des Ökostromausbaus wird kommendes Jahr von 6,24 Cent pro Kilowattstunde Strom auf 6,17 Cent sinken. Das haben die Betreiber der deutschen Übertragungsnetze am Mittwoch bekannt gegeben.

„Die EEG-Umlage für das Jahr 2015 liegt leicht unter dem Vorjahresniveau“, sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. „Der Hauptgrund hierfür ist, dass sich im vergangenen Jahr die angenommenen Risiken bezüglich der Vermarktung des Stroms aus den volatilen erneuerbaren Energien nicht in vollem Umfang realisiert haben.“ So hätten Wind- und Photovoltaikanlagen nicht überdurchschnittlich eingespeist und auch der Ausbau der Erneuerbaren habe sich im erwarteten Rahmen bewegt.

Die Bundesregierung hatte sich als Ziel gesetzt, mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im August einen weiteren Anstieg der Kosten für die Verbraucher zu verhindern. Einen Zusammenhang zwischen der Reform und der jetzt gesunkenen Umlage sehen Fachleute jedoch nicht. „Bereits im Frühjahr kamen die ersten Prognosen zu reduzierten Umlagekosten für 2015, Monate vor der Reform“, sagt Carsten Tschamber, Geschäftsführer des „Solar Clusters Baden-Württemberg“.

Die Änderung des EEG Anfang August reduzierte die Vorgaben für den Ökostromausbau und die Vergütung für Neuanlagen. Die leichte Senkung der Umlage ab Januar 2015 wäre ohne diese Novelle in derselben Höhe erfolgt, erklärt Tschamber. Andere Energieexperten seien ebenfalls dieser Auffassung, etwa vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE aus Freiburg oder der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende.

Das EEG ist das zentrale Förderinstrument zum Ausbau von Strom aus Wind, Sonne und Biomasse. Mit dem EEG werden die Netzbetreiber verpflichtet, den Ökostrom vorrangig abzunehmen und den Anlagenbetreibern zu vergüten. Die Kosten werden auf die Stromkunden umgelegt. Für jede Kilowattstunde (kWh), die sie aus dem Stromnetz beziehen, wird ein Aufpreis von 6 Cent gezahlt. Festgelegt wird die genaue Höhe der EEG-Umlage für das Folgejahr jeweils am 15. Oktober. Der durchschnittliche Strompreis für Privathaushalte liegt derzeit bei rund 30 Cent pro kWh. Laut einer Studie vom Februar bewegen sich die deutschen Haushaltsstrompreise 48 Prozent oberhalb des europäischen Durchschnitts.

Nun sei das Potenzial für sinkende Haushaltsstrompreise da, sagt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. „2015 könnte ein Drei-Personen-Musterhaushalt rund 30 Euro sparen, wenn die Stromversorger die gesunkenen Kosten für EEG-Umlage und Beschaffung weitergeben. In den vergangenen Jahren wurden Preiserhöhungen häufig mit der steigenden EEG-Umlage begründet. Gleichzeitig haben viele Stromversorger die aufgrund von Ökostromeinspeisung und günstigen CO2-Preisen gesunkenen Einkaufspreise nicht an die Haushaltskunden weitergegeben“, so Vohrer. „Beim Haushaltsstrompreis gibt es daher schon länger Luft nach unten. Zudem fällt den Stromversorgern nun die EEG-Umlage als Begründung für Strompreiserhöhungen im nächsten Jahr weg.“

Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), warnt allerdings: „So gut diese Entwicklung auf den ersten Blick, vor allem für den Verbraucher, anmutet: Sie ist ein Einmaleffekt, der auf den hohen 2014er-Überschuss des EEG-Kontos zurückzuführen ist.“ Kurzfristig werde die EEG-Reform keinen wesentlichen Einfluss auf die Höhe der EEG-Umlage und damit auf die Strompreise haben.

Die Grünen werfen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vor, die „großzügigen Befreiungen für die energieintensive Industrie“ ausgeweitet zu haben. Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, und Julia Verlinden, grüne Sprecherin für Energiepolitik, sagen, die Umlage hätte dieses Jahr noch deutlich niedriger ausfallen können. „Doch Union und SPD haben sie bewusst höher ansetzen lassen, um eine steigende Umlage in den kommenden Jahren wegen der von Schwarz-Rot ins Uferlose ausgedehnten Industrieausnahmen zu kaschieren. Die versprochene spürbare Entlastung der privaten Haushalte sowie der kleinen und mittleren Unternehmen bleibt die Große Koalition den Verbrauchern damit weiter schuldig.“

92 Prozent der Deutschen wollen den Ausbau Erneuerbarer Energien

Trotz der hohen Kosten ist die Zustimmung der deutschen Bevölkerung gegenüber Erneuerbaren Energien nach wie vor sehr hoch: 92 Prozent halten den verstärkten Ausbau der Erneuerbaren Energien für „wichtig“ bis „außerordentlich wichtig“. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien im Oktober 2014 durchgeführt hat.

Der hohe Wert wurde unter mehr als 1.000 Befragten bundesweit ermittelt und entspricht vergleichbaren Umfragen der Vorjahre. „Offenbar verfängt die politisch aufgebauschte Kostendebatte bei den Bürgern nicht“, sagt Vohrer. „Die Bürger verbinden mit den Erneuerbaren vor allem Vorteile wie zum Beispiel Klimaschutz und Generationsgerechtigkeit.“.

75 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Erneuerbaren Energien zu einer sicheren Zukunft der nachfolgenden Generation beitragen. Mehr als zwei Drittel sehen den Klimaschutz als besonderen Vorteil der Energie aus Sonne, Wind & Co. an. Ebenso spricht es nach Meinung von 62 Prozent der Befragten für die Erneuerbaren, dass sie die Abhängigkeit von Energieimporten senken. „Sinkende Kosten rangieren in der Erwartungshaltung der Befragten weit unten. Dennoch befürwortet die überwiegende Masse der Deutschen den Ausbau der Erneuerbaren“, so Vohrer.

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