Ökodesign-Richtlinie: Der Streit um den regulierten Staubsauger

Ab September gibt die EU vor, wie hoch der Energieverbrauch von neuen Staubsaugern sein darf. Foto: dpa

Nach der Debatte um die Abschaffung von Glühbirnen sorgt die EU nun mit weiteren Regulierungen für Unmut: Staubsauger und andere Geräte sollen ab September mit weniger Energie auskommen. Ungeachtet der Kritik soll Brüssel bereits an weiteren Vorgaben arbeiten.

Bald müssen die EU-Bürger im kalten Licht von Energiesparlampen ihre Teppiche aufwendig mit leistungsschwächeren Staubsaugern reinigen und ihre Haare langwierig mit energiesparenden Föns trocknen. So zumindest sehen es die Kritiker der Ökodesign-Richtlinie, die demnächst in die nächste Runde geht.

Denn ab 1. September 2014 dürfen in der EU nur noch Staubsauger auf den Markt kommen, die weniger als 1.600 Watt verbrauchen. Ab 1. September 2017 müssen die Geräte weniger als 900 Watt verbrauchen.

Diese Maßgabe ist Teil der Ökodesign-Richtlinie, die die EU-Kommission 2013 auf den Weg gebracht hat – und die schon beim Thema Glühbirne für hitzige Debatten sorgte. Ziel der strengen Vorgaben zum Energie-Verbrauch ist es, bis 2020 mindestens 20 Prozent Energie einzusparen. Dazu sollen nach den Vorgaben der Brüsseler Experten mehr als 40 weitere Haushaltsgeräte beitragen – unter anderem Kühl- und Tiefkühlgeräte, Backöfen, Ladegeräte und Netzteile, Elektromotoren und Ventilatoren. Und eben Staubsauger.

Kritiker fürchten Ausweitung auf weitere Produkte

Nicht bei allen jedoch stoßen die Richtlinien auf Zustimmung. Die Debatte um die Mindestsaugkraft erhitzt die Gemüter ähnlich stark, wie vormals der Streit um die Energiesparlampe.

„Vielleicht steige ich wieder auf das gute alte Kehrblech um. Das ist sicherlich genauso effizient wie die neuen leistungsschwachen Sauger und dazu 100 Prozent energiesparend“, kommentierte etwa der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Herbert Reul, die neueste Verordnung.

Reul befürchtet zudem, dass die Kommission die Energiestandards auf weitere Produktgruppen ausweiten könnte. Zwar dementiert dies Brüssel. Nach eigenen Angaben hat die Kommission mittlerweile aber eine weitere Studie zur Ökodesign-Richtlinie in Auftrag gegeben.

„Wir müssen aufpassen, dass uns nicht bald schon die nächste Ökodesign-Welle überrollt“, sagt Reul. Die Kommission gebe Studien bei sogenannten unabhängigen Gutachtern in Auftrag, die letztlich zum immer gleichen Resultat führten: Regulierungen und Verbote für angebliche Stromfresser.

Da es dieses Mal keine konkret vorgeschriebene Produktgruppe gebe, könnten die Gutachter gemeinsam mit der Industrie ganz frei erarbeiten, wo Regulierungsvorschläge noch Sinn machen, warnt der konservative Politiker. „Es gibt bestimmt noch Unternehmen, die sich dank weiterer Verbote und Regulierungen über steigende Verkaufszahlen freuen.“

Verbraucher sparen viel Geld

Jo Leinen, SPD-Europaparlamentarier und Mitglied im Umweltausschuss, begrüßt hingegen die neuen Vorgaben. „Sie schonen nicht nur die Umwelt“, sagt er. „Sie machen sich auch im Geldbeutel der Verbraucher bemerkbar.“

Tatsächlich dürften die Verbraucher von den neuen Regeln profitieren. Bei einem Vier-Personen-Haushalt, der laut Berechnungen des Bundesumweltministeriums durchschnittlich 4.400 Kilowattstunden und damit Strom im Wert von 1.269 Euro pro Jahr verbraucht, dürften mit dem Stromverbrauch auch die Kosten spürbar sinken.

Bislang hätten Hersteller häufig Geräte mit enorm hohem Stromverbrauch verkauft, konstatiert der Sozialdemokrat Leinen. Diese seien jedoch nicht leistungsfähiger, obwohl das dem Verbraucher oft suggeriert wurde. Künftig aber könnten sich Verbraucher durch ein Energie-Etikett am Gerät über den Stromverbrauch, die Leistungsfähigkeit sowie die Lautstärke eines Staubsaugers informieren.

Mehr Informationen nötig

Dass die Diskussion in der Öffentlichkeit trotz der Sparmöglichkeiten so kontrovers sei, zeigt laut Annegret Agricola von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dass der energie- und klimapolitische Nutzen der europäischen Mindestenergieeffizienzstandards noch immer zu wenig bekannt sei.

Von 2005 bis 2013 wurden auf Basis der EU-Ökodesign-Richtlinie 25 Produktgruppen reguliert. Für etwa 20 weitere Produktgruppen wird derzeit eine Regulierung durch die EU geprüft. „Da Technologie- und Marktentwicklung stetig voranschreiten, müssen auch die Ökodesign-Standards folgen und kontinuierlich angepasst werden“, sagt Agricola.

Agricola verweist aber auch darauf, dass das Wissen über die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen weitergegeben werden müsse. Der intensive Austausch mit Mitgliedstaaten, Herstellern sowie Umwelt- und Verbraucherverbänden sei maßgeblich, sagt sie. „Außerdem ist es notwendig, den Nutzen von Ökodesign-Verordnungen für die Verbraucher transparent zu machen.“

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