Die Kommission hat am 26. Juli 2007 die Eröffnung von Kartellverfahren gegen das führende französische Stromanbieter EDF und den belgischen Teil von Suez, Electrabel, angekündigt. Beide Energielieferanten werden der Abschottung des belgischen und des französischen Strommarktes verdächtigt.
Die Kommission teilte mit, dass sich die Ermittlungen auf eine mögliche Einführung von langfristigen exklusiven Verkaufsverpflichtungen in ihren Lieferverträgen konzentrieren würden. Solche Praktiken werden als Verletzung der EU-Regeln zum Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung angesehen, weil sie es Stromanbietern, die in den Markt für Stromversorgung eintreten wollen, erschweren, Kunden zu gewinnen.
Sowohl bei EDF als auch bei Electrabel werden sich die Ermittlungen auf den Markt für industrielle Stromverbraucher konzentrieren, besonders, wenn die Verträge, die sie mit ihren Stromlieferanten abgeschlossen haben, sie aufgrund besonderer Klauseln zur Ausschließlichkeit und Laufzeit des Vertrags vom Wechsel zu einem anderen Stromanbieter abhalten.
Im Zusammenhang mit der Liberalisierung der Strommärkte hat die Kommission eine Reihe von Vertragsverletzungsverfahren durchgeführt, so gegen Italiens ENI und RWE aus Deutschland (EURACTIV vom 14. Mai 2007). Die Kommission glaubt, dass eine Verzögerung bei der Öffnung des Energiemarktes zu höheren Preisen und einer geringeren Qualität der Dienste führen könnte.
Die Entscheidung ist die jüngste von mehreren Initiativen, welche Brüssel ergriffen hat, um Frankreich zur Öffnung seines Energiesektors zu zwingen. Drei Wochen vor der Öffnung des EU-Strommarktes leitete die Kommission am 1. Juli 2007 eine Ermittlung zu künstlich niedrig gehaltenen Stromtarifen durch den französischen Konzern EDF ein. Laut der Kommission komme dies staatlicher Hilfe gleich und solle daher beendet werden.
Im Januar 2007 veröffentlichte die Kommission einen Bericht über den Wettbewerb im Energiesektor, in dem sie ankündigte, dass es von ihren wettbewerbsrechtlichen Kompetenzen vollen Gebrauch machen werde. Eine der Schlussfolgerungen des Berichts ist, dass es neue Anbietern als schwierig erachten, aufgrund der Verbreitung von Exklusivverträgen in mehrere Strommärkte einzutreten.
Die Kommission sagte, sie hoffe, die Fälle EDF und Electrabel bald abzuschließen.

