Offizielle Zahlen: Deutschlands Emissionen besser als gedacht

Insgesamt hat die Bundesrepublik im Jahr 2018 knapp 36 Millionen Tonnen, das sind vier Prozent, weniger Treibhausgase ausgestoßen als im Vorjahr. [Antonov Roman/ Shutterstock]

Deutschland hat der EU-Kommission seine offiziellen Emissionszahlen aus dem Jahr 2018 übersandt. Vor allem in der Energiewirtschaft wurden Treibhausgase eingespart, deutlich weniger sind die Erfolge dagegen im Verkehr und der Landwirtschaft. Dennoch scheint Deutschland seine Klimaziele für die Dekade nicht so weit zu verfehlen, wie ursprünglich geschätzt.

Insgesamt hat die Bundesrepublik in diesem Jahr 35,9 Millionen Tonnen, das sind vier Prozent, weniger Treibhausgase ausgestoßen als im Vorjahr. Im Vergleich zu 1990 wurden die Abgase damit um 31,4 Prozent verringert, gibt das Umweltbundesamt (UBA) heute (Mittwoch) an.

Zwar hat Deutschland 2018 seine Emissionen im Rahmen des EU-Lastenteilungsverfahrens um etwas über acht Millionen Tonnen knapp überschritten, doch dies ließe sich durch früher angesparte Emissionsrechte kompensieren, gibt die Behörde an. Das Lastenteilungsverfahren teilt jedem Mitgliedsstaat gemessen an seiner Wirtschaftsleistung ein CO2-Budget zu, das dem aktuellen Klimaziel der EU in den Bereichen Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft, Kleinindustrieanlagen und Abfall angepasst ist. Deutschland müsse damit für das Jahr 2018 keine Emissionszertifikate von anderen EU-Staaten einkaufen.

Weltweit steigende Emissionen: Größte Verschmutzer machen weiter

Die Welt muss ab 2030 so viel CO2 einsparen, wie Indien, Japan, Russland und die gesamte EU gemeinsam pro Jahr ausstoßen. Davon ist sie so weit entfernt wie noch nie, geht aus einem Bericht der Vereinten Nationen hervor. EURACTIVs Medienpartner Deutsche Welle berichtet. 

Die größte Reduktion an Treibhausgasen wurde im Energiebereich erzielt: Um 5,25 Prozent sanken sie, total waren das etwas über 16 Millionen Tonnen. Den Grund dafür sehen die Experten am steigenden Anteil erneuerbarer Energien sowie in den teureren Preisen für CO2-Zertifikate im Emissionshandel der EU, der große Teile des Energiesektors abdeckt.

Deutsche kaufen mehr Autos, fahren aber weniger

Deutlich bescheidener sind die Erfolge im industriellen und im Transportsektor. Nur 1,3 Prozent Treibhausgase wurden in ersterem eingespart, in letzterem waren es 3,3 Prozent. Immerhin stellt dies aber die erste Senkung der Emissionen im Verkehrssektor seit 2012 dar. Der Bereich gilt als der einzige, in dem die Emissionen seit den 90er Jahren kaum zurückgegangen sind. Grund für den nun leichten Rückgang sind nach Analyse der Forscher vermutlich gestiegene Kraftstoffpreise. Andere Zahlen zeichnen jedoch ein Bild, wonach die Deutschen weiterhin an ihren Transportgewohnheiten festhalten: So nahm der Bestand an PKW um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Wie das Kraftfahrtbundesamt  jüngst vermeldete, wurden in 2019 dazu erstmals mehr als eine Millionen SUVs in Deutschland verkauft. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte der Frankfurter Flughafen außerdem berichtet, erstmals die Rekordmarke von 70 Millionen Passagieren in einem Jahr geknackt zu haben.

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Leichte Reduktionen der Treibhausgase stellte das Umweltbundesamt auch in der Landwirtschaft fest, dort waren es 3,8 Prozent weniger als noch im Jahr 2017. Auch hier waren die Gründe dafür, so die Behörde, vermutlich eher unfreiwilliger Natur und gingen auf einen geringeren Einsatz von Mineraldüngern sowie eine Abnahme der Tierbestände zurück. Beides sei unter anderem durch die Trockenheit des Sommers beeinflusst worden.

Überraschende Schätzungen für 2019

Im März sollen die Emissionszahlen für das Jahr 2019 offiziell veröffentlicht werden. Vor zwei Wochen war eine Einschätzung des Thinktanks Agora Energiewende zu dem überraschenden Schluss gekommen, dass die Treibhausgase in diesem Jahr deutlich zurückgegangen waren und sich Deutschland somit unverhofft wieder in Richtung der eigenen Klimaziele für 2020 zubewege. Demnach seien rund sechs Prozent weniger Abgase emittiert worden, insgesamt seien es 811 Millionen Tonnen gewesen.

Tiefes Zerwürfnis über Kohleausstieg

Kaum steht der Plan, wann Deutschland seine Braunkohlekraftwerke abschalten möchte, schon regnet es Kritik: Die Vereinbarung zwischen Bund und Ländern diskreditiere die Arbeit der Kohlekommission, meinen einige der Mitglieder.

Das gehe vor allem auf einen gesunkenen Stromverbrauch und weiter auf den gewachsenen Anteil erneuerbarer Energien auf 43 Prozent zurück, so die Forscher. Bis zum Jahr 2030 möchte Deutschland den Anteil erneuerbarer Energien auf 65 Prozent anheben. Trotz der Fortschritte verfehle Deutschland sein nationales Klimaziel der Emissionsreduzierung von 40 Prozent im Vergleich zu 1990 um fünf Prozentpunkte, so das Fazit.

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