Ölfirmen: Klimamaßnahmen ja; aber nicht zu viel

Bei der Energiewende nicht immer auf dem neuesten Stand: Öl-Konzerne wie BP oder Shell. [FlipboxProjects / Flickr]

Ein deutliches Votum für Klimaschutz auf der Jahrestagung von BP am Dienstag zeigt, wie aktivistische Investoren angefangen haben, die Öl- und Gasindustrie zu beeinflussen. Allerdings zeigten sich auch einmal mehr die Grenzen dieses Veränderungswillens.

Als sich die Investoren zur Jahrestagung von BP in Schottland versammelten, war bereits klar, dass sie höchstwahrscheinlich einen Aufruf unterstützen würden, mit dem sich das Unternehmen zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens verpflichtet.

Der Vorstand von BP hatte bereits im Februar erklärt, man unterstütze eine verbindliche Resolution, mit der das Unternehmen aufgefordert wird, zu beweisen, dass seine Geschäftspläne mit den Pariser Klimazielen übereinstimmen, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen. Der Beschluss wurde von einer Gruppe von 300 Investoren mit einem gemeinsamen Vermögen von über 30 Billionen Euro, genannt Climate Action 100+, eingebracht.

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Am Dienstag stimmten dann über 99 Prozent der Investoren für die Resolution. Damit ist BP nun gesetzlich verpflichtet, eine „Paris-konforme Strategie“ zu entwickeln. Das Unternehmen ist allerdings der Ansicht, man habe dieses Ziel bereits erreicht.

Stephanie Pfeifer, CEO der Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC), die die Investoren der „Climate Action“-Gruppe vertritt, sagte nach der Abstimmung sichtlich zufrieden, gerade die überwältigende Unterstützung für die Resolution habe „eine klare Botschaft ausgesendet, dass Investoren von Unternehmen erwarten, dass sie im Bereich Klimawandel handeln“.

Zweite Abstimmung zeigt Grenzen auf

Eine zweite Abstimmung, die ebenfalls am Dienstag stattfand, zeigte allerdings die Grenzen dieses Anleger-Aktivismus. Eine deutlich ambitioniertere Resolution der niederländischen Investorengruppe FollowThis, in der das Unternehmen aufgefordert wird, sich und seinen Verbrauchern harte und vor allem verbindliche Ziele zur Emissionsreduzierung zu setzen, wurde vom BP-Aufsichtsrat nicht unterstützt.

Tatsächlich wurde der Vorschlag von den Aktionären bei nur 8,35 Prozent Zustimmung mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Mit der Resolution wären auch der Verbrauch der Konsumenten für Strom, Wärme und Verkehr in die Unternehmensstatistiken aufgenommen worden.

FollowThis war es zuvor gelungen, den niederländischen Öl- und Gasriesen Shell davon zu überzeugen, die Emissionen seiner Kunden in seine Ziele einzubeziehen. Im Dezember kündigte Shell an, man werde die Gehälter der Führungsriege an die Frage knüpfen, ob es dem Management gelungen sei, die Gesamtemissionen des Unternehmens zu reduzieren. Allerdings zeigten auch die Aktionäre von Shell nicht den gleichen Enthusiasmus: Ähnlich wie bei BP wurde eine entsprechende Regelung vergangenes Jahr vom Aufsichtsrat abgelehnt.

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BP betont derweil, man könne den Energieverbrauch der Verbraucher nicht kontrollieren. Der Vorstandsvorsitzende Bob Dudley sagte, er würde sich „nicht wohl fühlen, wenn es darum geht, Ziele für andere zu setzen“.

Klimaaktivisten wie Greenpeace kritisieren diese „Ausrede“ und weisen darauf hin, dass die Investitionen von BP und Shell in die Erkundung sowie Bohrungen nach neuen fossilen Energiequellen nicht mit den Zielen von Paris vereinbar sind. Greenpeace zeigte sich dementsprechend auch skeptisch bis enttäuscht über die begrenzten Handlungsaufforderungen von Seiten der Anleger.

Anleger könnten einen Unterschied machen – wenn sie wollen

Aus Sicht von Carole Ferguson, Leiterin für „Investor Research“ bei CDP – einer gemeinnützigen Organisation, die ein globales Emissionsoffenlegungssystem für Unternehmen, Investoren und Regierungen betreibt – zeigt die BP-Abstimmung dennoch, dass Aktionäre echten Einfluss auf Öl- und Gasfirmen haben können.

„Es ist offensichtlich, dass sich Aktionärsanträge zu Klimafragen häufen,“ erklärt sie. „Analysen des CDP haben gezeigt, dass Investoren zunehmend Druck auf Öl- und Gasunternehmen ausüben, wobei sich die Zahl der eingereichten Beschlüsse von „Klimaaktionären“ in den vergangenen fünf Jahren im Vergleich zu den fünf Jahren zuvor mehr als verdoppelt hat.“

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Ferguson zufolge ist sogar die Unterstützung von lediglich 8,35 Prozent der BP-Aktionäre für eine harte Zielvorgabe bereits ein Zeichen des Fortschritts: „Dies ist höher als ein ähnlicher Beschluss, der auf der Shell-Sitzung im vergangenen Jahr gefasst wurde, wo 5,1 Prozent für einen solchen Antrag stimmten.“

Nun müssten „nur“ noch mehr Anleger für solche strikteren Initiativen stimmen. Shell hat derweil bereits angekündigt, man werde sich den Forderungen der Investoren annehmen und einen „vorzeigbaren“ Plan erarbeiten, wie die Pariser Klimaziele eingehalten werden können.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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