Öl- und Gasindustrie verpflichtet sich dem „Goldstandard“ bei Methanemissionen

Die Initiative sei ein "klares Bekenntnis zur Messung und Überwachung der Emissionen und ein wichtiger erster Schritt, um diese deutlich zu reduzieren. Ich bin stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben," so EU-Energiekommisssarin Kadri Simson. [Lukasz Kobus / EC - Audiovisual Service]

62 große Öl- und Gasunternehmen haben sich am Montag (23. November) im Rahmen der Öl- und Gas-Methan-Partnerschafft 2.0 auf einen neuen Rahmen für die Überwachung, Berichterstattung und Reduzierung von Methanemissionen geeinigt.

Das neue Rückverfolgungs- und Offenlegungssystem wurde bereits als „Goldstandard“ für die Branche gefeiert, da es einen freiwilligen, umfassenden, messungsbasierten Rahmen für die Berichterstattung über Methan einführe, der es einfacher machen soll, die Leistung von Unternehmen genau zu verfolgen und zu vergleichen.

„Dies wird die Grundlage für robuste Standards in Europa und darüber hinaus sein, die sicherstellen, dass die Ölindustrie die Praxis-Maßnahmen ergreift, die für unser Klima dringend erforderlich sind,“ zeigte sich Fred Krupp, Präsident des Environmental Defense Fund, einer in den USA ansässigen Interessenvertretung, zufrieden.

EU-Kommission will Methan-Emissionen ab 2021 verstärkt regulieren

Die Europäische Kommission hat sich für einen „ganzheitlichen“ Ansatz entschieden, um die Auswirkungen von Methan auf die Erderwärmung anzugehen. Der Schwerpunkt soll zunächst auf die internationale Zusammenarbeit gelegt werden.

Es sei ein „klares Bekenntnis zur Messung und Überwachung der Emissionen und ein wichtiger erster Schritt, um diese deutlich zu reduzieren. Ich bin stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben,“ fügte EU-Energiekommisssarin Kadri Simson hinzu.

Die Europäische Union ist Teil der Partnerschaft – ebenso wie die UN, der Europäische Verteidigungsrat und diverse Privatunternehmen mit Vermögenswerten auf fünf Kontinenten, die 30 Prozent der weltweiten Öl- und Gasproduktion repräsentieren.

Simson fügte hinzu, dass die Unterstützung der EU-Kommission für das Rahmenwerk das erste Ergebnis im Rahmen ihrer eigenen Methan-Strategie sei. Es brauche aber noch viele weitere Schritte, um die Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren.

Methan, das direkt in die Atmosphäre freigesetzt wird, ist ein hochpotentes Treibhausgas mit der mehr als 80-fachen Erwärmungskraft von Kohlendioxid über einen Zeitraum von 20 Jahren. Aus diesem Grund wird es im Rahmen des europäischen Green Deal – der darauf abzielt, die Emissionen aller Treibhausgase bis 2050 auf netto Null zu reduzieren – ebenfalls als Priorität betrachtet.

Die Kommission hatte ihre Methan-Strategie im Oktober vorgestellt. Sie verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz in Bezug auf Methanemissionen, schreckte jedoch bisher noch davor zurück, rechtsverbindliche Maßnahmen einzuführen.

2021 soll dann ein entsprechender Legislativvorschlag zur obligatorischen Messung, Berichterstattung und Überprüfung aller energiebedingten Methanemissionen vorgelegt werden. Dieser könnte auf dem Rahmen der nun geschlossenen Partnerschaft aufbauen.

Von Grünen-Abgeordneten im Europäischen Parlament wird dies allerdings bereits als unzureichend abgelehnt. Sie fordern klare Ziele und Vorgaben zur Reduzierung der Methanemissionen. „Die Europäische Kommission kratzt nur an der Oberfläche und beschränkt sich auf Nebensächlichkeiten wie das Stopfen von Methanlecks und Statistiken. Emissionen zu zählen hilft nicht, wenn es doch in Wirklichkeit darum geht, sie zu reduzieren,“ kritisierte beispielsweise die deutsche Grünen-Europaabgeordnete Jutta Paulus.

Höhere Klimaziele: Mehr Moore, weniger Fleisch

Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, muss die Landwirtschaft reformiert werden. Rund 14 Millionen Tonnen Treibhausgase müssen dafür in Deutschland eingespart werden, wo die Landwirtschaft offiziell für 6,3 Prozent der Emissionen verantwortlich ist. Nun soll das EU-Klimaziel erhöht werden – welchen Anteil kann die Landwirtschaft leisten?

Eine Reduzierung der Methanemissionen aus dem Energiesektor um 90 Prozent würde den prognostizierten Anstieg der Durchschnittstemperatur des Planeten bis 2050 um zwei Zehntel Grad verringern und die Luftqualität verbessern, so die Befürworter der neuen, von der Industrie getragenen Initiative.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur könnten etwa drei Viertel der Methanemissionen mit bestehenden Technologien reduziert werden; und fast die Hälfte könnte zu Netto-Nullkosten erfolgen.

„Die Reduzierung der Methanemissionen ist eine entscheidende Anstrengung auf dem Dekarbonisierungspfad der Industrie,“ erklärt auch Claudio Descalzi, CEO des italienischen Öl- und Gasunternehmens ENI. „Als ein Faktor, auf den wir einen sofortigen und konkreten positiven Einfluss ausüben können, bietet die Partnerschaft den Unternehmen unserer Branche, die bereit sind, ihre Emissionsreduzierungen in allen Phasen der Wertschöpfungskette zu verbessern, einen international anerkannten Entwurf,“ teilte er in einer Erklärung mit.

Eine erste Öl- und Gas-Methan-Partnerschaft war 2014 als freiwillige Initiative ins Leben gerufen worden, um Konzerne im Öl- und Gassektor bei der Reduzierung von Methanemissionen zu unterstützen.

Der neue Rahmen soll nun darauf aufbauen.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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