Nur leichte Verbesserung bei deutschen Nitratwerten

Etwas über 26 Prozent des Grundwassers in landwirtschaftlichen Gebieten ist in Deutschland zu start mir Nitrat belastet. Der Stoff entsteht im Boden, wenn viel Dünger ausgetragen wird. [AYA images/ Shutterstock]

Diese Woche muss Deutschland die Nitratwerte seiner Grundwasserkörper an die EU-Kommission melden. Medienberichten zufolge ist der Trend leicht positiv – allerdings gibt selbst die Kommission zu, dass ein Vergleich mit anderen EU-Staaten schwierig ist.

Am gestrigen Dienstag hat das Bundesumweltministerium seinen jährlichen Nitratbericht bei der EU-Kommission einreichen müssen. Wie das Onlinemagazin agrarheute aus eigenen Quellen berichtete, hat sich die Nitrat-Belastung der deutschen Grundwasserkörper nur sehr leicht verbessert: Demnach lagen 26,7 Prozent der Messstellen über dem von der EU-Nitratrichtlinie geforderten Wert von 50 mg Nitrat pro Liter. Das sind 1,5 Prozent weniger als 2016.

Deutschland war 2016 von der EU-Kommission verklagt worden, da aus Sicht der Behörde keine ausreichenden politischen Maßnahmen ergriffen worden waren, um die seit Jahren zu hohen Nitratmesswerte einzudämmen. 2018 gab der Europäische Gerichtshof der Kommission Recht, Deutschland drohten damit extrem hohe Strafzahlungen von 750.000 am Tag, sollten nicht schnellstmöglich Änderungen in der Düngeverordnung ergriffen werden. Die Ausbringung von Dünger gilt als wichtigster Faktor für die Nitratwerte im Grundwasser.

Unter Hochdruck hatten Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) daraufhin einen Kompromiss mit der EU-Kommission erarbeitet, das geltende Düngerecht zu verschärfen. Am 01. Mai 2020 trat in Deutschland eine neue Düngeverordnung in Kraft. Darin steht unter anderem, dass Landwirte in den sogenannten „roten Gebieten“ ab dem kommendem Jahr 20 Prozent weniger düngen müssen. Bauernverbände hatten sich massiv dagegen gewehrt und vor einem großen wirtschaftlichen Schaden der betroffenen Landwirte gewarnt.

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Nicht alle Mitgliedsstaaten halten sich an die Regeln

Inwiefern die deutschen Nitratwerte tatsächlich so schlecht sind, ist ein stark umstrittenes Thema. Tatsächlich meldet Deutschland bewusst nur knapp 700 Messstellen aus landwirtschaftlich genutzten Regionen an die EU-Kommission, statt auf sein volles Netz aus 1.200 Messstellen zurückzugreifen, die auch in Waldgebieten oder anderen Regionen verteilt sind. Grund dafür ist die Nitratrichtlinie der EU, die eigentlich eine solche Auswahl der Messstellen vorgibt.

„Indem wir nur die unter landwirtschaftlichen Nutzungseinfluss stehenden Messstellen melden, setzen wir die Vorgaben der Nitratrichtlinie aus unserer Sicht korrekt um. Natürlich, wenn wir unser gesamtes Messnetz in den Nitratbericht einfließen lassen würden, wäre das Ergebnis besser. Aber das ist nicht gefordert“, so Falk Hilliges, Experte für Grundwasserschutz beim Umweltbundesamt. Andere Mitgliedsstaaten melden dagegen auch Messstellen aus nicht-landwirtschaftlichen Gebieten nach Brüssel, bestätigt die EU-Kommission. Dadurch gäbe es „europaweit faktisch keine Vergleichbarkeit der Nitratberichte.“

Aber auch im sogenannten EUA-Messnetz, das als repräsentativer gilt, zeigt sich laut Informationen von agrarheute ein leichter Trend zum Besseren: Der Anteil belasteter Gebiete sei im Vergleich zum letzten Nitratbericht um 0,8 Prozent auf 17,3 Prozent gesunken.

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„Rote Gebiete“ werden im Herbst neu gezogen

Ein weiteres Problem war bislang die Definition der „roten Gebiete“. Diese wurde von jedem Bundesland anders vorgenommen. Das soll nun vereinheitlicht werden, wie das Landwirtschaftsministerium vergangenen Freitag verkündete. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe hatte einheitliche Kriterien zur Ausweisung der Gebiete und für die Anzahl und Qualität der Messstellen definiert. Ministerin Klöckner versprach damit mehr Transparenz und Vergleichbarkeit zwischen den Regionen in Deutschland: „Keiner will verständlicherweise für etwas ‚verhaftet‘ werden, wofür er gar nicht verantwortlich ist.“ Allen sei aber klar, dass sich dort, wo zu viel gedüngt worden ist, die Dinge ändern müssten.

Die Änderung der Gebiete soll am 12. August im Bundeskabinett verhandelt werden und nach Möglichkeit noch Ende September 2020 in Kraft treten, schreibt das Landwirtschaftsministerium.

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