Norwegen plant Schweröl-Verbot im Meer vor Spitzbergen

Norwegen hat am vergangenen Freitag vorgeschlagen, die Nutzung von Schweröl (heavy fuel oil, HFO) durch Schiffe in den Gewässern vor Spitzbergen zu untersagen. [Shutterstock/Tetyana Dotsenko]

Die norwegische Regierung hat Pläne angekündigt, die Nutzung von Schweröl (insbesondere als Treibstoff für große Schiffe) rund um die Inselgruppe Spitzbergen im Arktischen Ozean zu verbieten. Unter anderem waren die internationalen Bemühungen unter UN-Ägide als zu langsam eingeschätzt worden. 

Norwegen hat am vergangenen Freitag vorgeschlagen, die Nutzung von Schweröl (heavy fuel oil, HFO) durch Schiffe in den Gewässern vor Spitzbergen zu untersagen.

„Ein Auslaufen von Schweröl wäre katastrophal für Natur und Umwelt. Es würde aber auch Auswirkungen auf den Ruf des Tourismus in Spitzbergen haben. Deshalb müssen wir alles tun, was wir können, um das Undenkbare zu verhindern,“ erklärte Norwegens Umwelt- und Klimaminister Sveinung Rotevatn gegenüber der staatlichen Rundfunkgesellschaft NRK.

Nach Ansicht des Ministers könnte eine Havarie rund um Spitzbergen zu großen Schäden führen, da Schweröl bei niedrigen Temperaturen und Eis nur schwer zu handhaben sei. Darüber hinaus wären die Aufräumarbeiten im Falle eines Öllecks sowohl kostspielig als auch kompliziert. Dies ist auf große Entfernungen, schwieriges Wetter und mangelnde Kapazitäten zur umgehenden Reaktion in der nördlichen Region zurückzuführen.

„Spitzbergen hat eine sehr empfindliche Natur und große Wildnisgebiete. Deshalb hat die Regierung für Spitzbergen hohe Umweltziele festgelegt, was bedeutet, dass das Risiko einer Schädigung der Umwelt möglichst gering sein muss. Ein Verbot von Schweröl, das für ganz Spitzbergen gilt, ist ein logischer Schritt, um dieses Risiko zu verringern,“ unterstrich Rotevatn.

Das "arktische Paradox": Zwischen Umweltschutz, Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen

Während die Welt auf striktere Klimamaßnahmen drängt, um die Zerstörung der Arktis zu stoppen, sind viele Länder gleichsam daran interessiert, die neuen Möglichkeiten in der Region in den Bereichen Schifffahrt, Bergbau, Öl- und Gasbohrungen sowie Sicherheit zu nutzen.

Aktuell besteht bereits ein teilweises Schwerölverbot in Schutzgebieten rund um Spitzbergen, das das Fahren nur dann erlaubt, wenn das Schiff mit Diesel oder anderen „umweltfreundlicheren“ Treibstoffen betrieben wird.

In den vergangenen Jahren hatte allerdings die Zahl der Kreuzfahrtschiffe mit mehreren tausend Passagieren, die die Hauptstadt des Archipels, Longyearbyen, besuchen, drastisch zugenommen.

Schweröl ist bereits seit 2011 in den Gewässern der Antarktis und seit 2015 in den Gewässern des Nationalparks Spitzbergen verboten. Nach dem Vorstoß der Regierung soll dies bald für den gesamten Archipel gelten.

Bisher wurde noch kein Datum für den Beginn des neuen norwegischen Verbots festgelegt. Vorerst handelt es sich auch lediglich um einen Vorschlag, der zunächst eine öffentliche Anhörung im Parlament durchlaufen soll.

Die norwegische Ankündigung kommt auch zu einem Zeitpunkt, da Forscher einen Vorschlag zur Eindämmung der Schiffsverschmutzung in der Arktis für sinnvoll erachten. Allerdings stellt sich insbesondere Russland dagegen und könnte entsprechende Initiativen daher bis zum Ende des aktuellen Jahrzehnts hinauszögern.

Russlands neue Arktisstrategie

Russland hat seinen „Arktis-Masterplan“ für die kommenden 15 Jahre präsentiert. Das Papier bestätigt Moskaus wachsendes Interesse an der Polarregion, ihrer wirtschaftlichen Ausbeutung und ihrer geopolitischen Bedeutung.

Laut derzeitigen Plänen, die vor der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO), dem für die internationale Schifffahrt zuständigen UN-Gremium, verhandelt werden, würden Beschränkungen für Schweröl erst im Juli 2024 in Kraft treten.

Eine Vielzahl von Ausnahmen würde es jedoch den meisten Schiffen, die Schweröl verwenden und transportieren, erlauben, die arktischen Gewässer bis 2029 weiter zu verschmutzen.

In einer kürzlich vom International Council on Clean Transportation (ICCT) veröffentlichte Studie wird geschätzt, dass, wenn der Verbotsentwurf 2019 in Kraft gewesen wäre, etwa drei Viertel der Flotte auf Schweröl-Basis nach wie vor noch in der Arktis fahren dürften.

Den Ergebnissen zufolge wird die IMO-Verordnung, wenn sie im Juli 2024 in Kraft tritt, den Einsatz von Schweröl um lediglich 16 Prozent und den Transport von Schweröl als Treibstoff um 30 Prozent reduzieren. Insgesamt könnten 74 Prozent aller Schiffe in der Arktis wie gewohnt verkehren, so das ICCT.

Wenn die arktische Flotte darüber hinaus weiter wächst, wird auch die Zahl der Schiffe, die für eine Ausnahme in Frage kommen, steigen, „und die Wirksamkeit des Verbots würde weiter untergraben“, warnten die Forschenden.

Arktispolitik: Wettbewerb um Ressourcen?

Konflikte in der Arktis sind unwahrscheinlich, können aber nicht ausgeschlossen werden, so die EU-Verantwortliche für die Arktisregion im Interview. Deshalb müsse Europa den Dialog mit seinen Partnern fortsetzen.

Die internationale Interessenvertretung Clean Arctic Alliance begrüßte die Ankündigung der norwegischen Regierung. Das Bündnis fordert die IMO-Mitgliedsstaaten auf, sich noch vor ihrem Treffen im November auf ein strengeres Verbot von Schwerölen in der arktischen Region zu einigen.

„Wenn das Schweröl-Verbot der IMO für die Arktis in der jetzigen Fassung angenommen wird, wird die Arktis im Laufe der 2020er Jahre noch größeren Risiken im Zusammenhang mit Schweröl ausgesetzt sein,“ warnt Sian Prior von Clean Arctic Alliance.

Und: „Norwegens Verpflichtung, die Gewässer und die Umwelt von Spitzbergen zu schützen, muss als Anstoß für größere Ambitionen auch der anderen arktischen Staaten dienen, einem stärkeren und effektiven Verbot dieses schmutzigen Schiffstreibstoffs in der gesamten Arktis zuzustimmen.“

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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