Niederlande wollen fossile Heizungen ab 2026 verbieten, Wärmepumpen vorschreiben

"Die Zeit drängt in Sachen Nachhaltigkeit. Das Tempo muss dringend erhöht werden. Es ist auch besser für den Geldbeutel aller, wenn wir weniger Erdgas verbrauchen", erklärte Hugo de Jonge, Minister für Wohnungswesen.  [EPA-EFE/Bart Maat]

Die niederländische Regierung will ab 2026 die Installation neuer Heizungsanlagen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, verbieten und gleichzeitig den Einsatz von Wärmepumpen oder den Anschluss ans Wärmenetz vorschreiben.

Nur wenige Länder sind bei der Beheizung von Wohnungen so stark auf Gas angewiesen wie die Niederlande. Im Jahr 2018 wurden 71 Prozent des Bedarfs in Privathaushalten mit fossilem Gas gedeckt, während die großzügige Nutzung in landwirtschaftlichen Gewächshäusern die Situation weiter verschärft.

Daher sind die Bürgerinnen und Bürger von den hohen Gaspreisen besonders stark betroffen.

„Die Zeit drängt in Sachen Nachhaltigkeit. Das Tempo muss dringend erhöht werden. Es ist auch besser für den Geldbeutel aller, wenn wir weniger Erdgas verbrauchen“, erklärte Hugo de Jonge, Minister für Wohnungswesen.

„Deshalb will das Kabinett, dass die Hybrid-Wärmepumpe ab 2026 bei einem Austausch des Zentralheizungskessels zum Standard wird“, fügte er hinzu.

Die Niederlande werden damit das nächste Land in der EU sein, das Wärmepumpen vorschreibt.

Ähnlich wie das benachbarte Deutschland, das ab 2024 eine Kombi aus Wärmepumpe und Gaskessel vorschreiben will, setzt auch die niederländische Regierung auf die Effizienz der Hybrid-Wärmepumpe, die die meiste Zeit des Jahres mit Strom betrieben werden.

Der Einsatz dieser Technologie „führt zu einer durchschnittlichen Einsparung von 60 Prozent beim Erdgasverbrauch“, so die Regierung in einer Pressemitteilung.

Die Hersteller sind optimistischer. Kai Lobo, Leiter der deutschen Öffentlichkeitsarbeit bei Europas zweitgrößtem Wärmepumpenhersteller Viessman, sagt, dass „Hybridlösungen (Kombi-Wärmepumpe und Gaskessel)“ den Verbrauch fossiler Energie „um bis zu 80-90 Prozent“ reduzieren können.

Ähnlich wie der deutsche Ansatz, die Vorschrift mit großzügigen Fördermitteln zu unterstützen, wird die niederländische Regierung den Kauf von (Hybrid-)Wärmepumpen subventionieren.

„Bis einschließlich 2030 hat das Kabinett 150 Millionen Euro pro Jahr reserviert, um Hausbesitzer:innen beim Kauf einer (Hybrid-)Wärmepumpe zu unterstützen. Darüber hinaus gibt es eine Finanzierung durch den nationalen Wärmefonds“, erklärte die Regierung.

Außerdem wird die Regierung mit der Installationsbranche und den Herstellern zusammenarbeiten. Der Verband der Installateur:innen wird für Ausbildungsstätten in jeder Region und spezielle Kurse für „Späteinsteiger“ in der Branche sorgen und so die Mobilität der Arbeitskräfte zwischen den Branchen ermöglichen.

Die Hersteller hingegen „investieren in eine erhebliche Ausweitung der Produktion“, was die Eröffnung von drei zusätzlichen Produktionsstandorten zur Folge haben wird.

„Mit dieser [Ankündigung] will das Kabinett Klarheit für Lieferant:innen, Installateur:innen sowie Haus- und Gebäudeeigentümer:innen schaffen und die Bauverordnung anpassen“, betonte die Regierung.

Der Schritt wird auch als Signal zur Unterstützung der Fernwärme gesehen, wobei der Anschluss an Wärmenetze als praktikable Alternative zur Installation einer Wärmepumpe gilt.

„Vor allem in Ballungsgebieten wird die Fernwärme die bevorzugte Heizquelle sein. Die Verpflichtung für 2026 ermöglicht eine lange Übergangszeit für die Haushalte“, twitterte Jap Burger, Senior Advisor beim Umwelt Think-Tank Regulatory Assistance Project (RAP).

LEAK: Brüssel schwört EU-Länder auf einen "Versorgungsschock" beim Gas ein

In einem Strategiepapier, das am Mittwoch (18. Mai) verabschiedet werden soll, fordert die EU-Kommission die Mitgliedstaaten auf, ihre Vorbereitungen für eine „vollständige Unterbrechung der russischen Gaslieferungen“ zu verstärken.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

Subscribe to our newsletters

Subscribe