NGOs und Fans einig: Einwegplastik soll raus aus den Stadien

Ohne Getränk macht's keinen Spaß: Bei vielen englischen Vereinen ist der Einweg-Plastikbecher aber nach wie vor die Norm. [Shutterstock]

Eine von YouGov durchgeführte Umfrage zeigt, dass Fußballfans einen Aufruf von Umwelt-NGOs an die Clubs in den vier höchsten britischen Spielklassen unterstützen. Demnach soll Einwegplastik aus den Stadien verbannt werden.

Flaschen, Strohhalme, Snack-Verpackungen, Tüten, Fan-Utensilien… Ein gewichtiger Teil der Abfälle in britischen Stadien besteht aus Einwegkunststoffen.

Insbesondere diese Arten von Müll verschmutzen die Ozeane, warnen beispielsweise die Vereinten Nationen. So gelangen 50 Prozent des Einwegplastiks früher oder später in die Meere. Die Umwelt-NGOs Friends of the Earth und British Association for Sustainable Sports haben daher alle britischen Vereine aufgefordert, sie aus den Stadien zu verbannen.

Nach dem Ergebnis einer YouGov-Umfrage befürworten 84 Prozent der Fans die Verwendung von Mehrweg- beziehungsweise Pfandbechern; 86 Prozent stimmen zu, dass die Vereine Einwegkunststoffe grundsätzlich so weit wie möglich aus den Stadien entfernen sollten.

 Wie nachhaltig kann Fußball sein?

Fußball begeistert, bringt zusammen und ist für manche wie eine Religion, so auch beim Finale der Frauen-Fußballweltmeisterschaft in Frankreich am Sonntag. Fußball hat aber auch bislang wenig beachtete Schattenseiten: Müllberge, Wasserverschwendung, Schadstoffmengen. Das Projekt Life Tackle will das ändern.

„Die Fans wollen, dass Fußballvereine Maßnahmen gegen Plastik ergreifen. Wir freuen uns, dass eine Reihe von Vereinen bereits Maßnahmen zu diesem Thema eingeführt haben – aber jeder Premier- und Football-League-Verein muss tun, was er kann, um unnötiges Einwegplastik loszuwerden,“ fordert Julian Kirby, Friends of the Earth-Aktivist, in einer Erklärung.

Laut dem Chef der British Association for Sustainable Sports (BASIS), Russell Seymour, sind „die Auswirkungen von Kunststoffabfällen und -verschmutzung eines der wichtigsten Umweltthemen unserer Zeit“.

Eine frühere Umfrage von YouGov ergab, dass sich 46 Prozent der britischen Bürgerinnen und Bürger wegen der Menge an Kunststoff, die sie verbrauchen, „schuldig“ fühlen. 82 Prozent versuchen demnach aktiv, ihre eigene Abfallmenge zu reduzieren.

Ein Versprechen gegen Plastik 

BASIS und Friends of the Earth rufen die Fußballvereine nun dazu auf, ein „Versprechen“ zu unterzeichnen und „drastisch gegen Plastik“ vorzugehen. Die Umweltorganisationen baten die Clubs, „nicht notwendige“ Einweg-Kunststoffe bis zum Ende dieser Saison (2019-2020) zu eliminieren und nach Möglichkeit nachhaltige Alternativen vorzuziehen.

Bis zum Beginn der nächsten Saison sollen die Clubs vor allem Einwegbecher durch wiederverwendbare Getränkgefäße ersetzen. „Ein Mehrwegbechersystem ist einer der wichtigsten Schritte, den Clubs unternehmen können – allein diese Maßnahme würde verhindern, dass Millionen von Einweg-Plastikbechern jede Saison auf Deponien gebracht oder verbrannt werden müssen,“ so Kirby.

Weg aus dem Einweg

In Deutschland gilt seit Jahresanfang ein neues Verpackungsgesetz, das Einwegplastik reduzieren soll. Bisher steigt dessen Anteil aber im Getränkebereich. Schuld ist der Mangel an verbindlichen Vorgaben, kritisieren Verbände.

Die Premier League und der britische Fernsehsender Sky News hatten bereits 2018 eine Initiative gestartet, die darauf abzielt, derartige Einweg-Kunststoffbecher zu ersetzen. Arsenal, Chelsea, West Ham und Fulham testeten in der vergangenen Saison ein System für wiederverwendbare Becher. Tottenham Hotspur hat sich ebenfalls verpflichtet, Einweg-Kunststoffe zu verbannen. BASIS und Friends of the Earth fordern, dass alle Fußballvereine der vier höchsten Spielklassen diesem Beispiel folgen sollten.

Darüber hinaus drängen die Umweltaktivisten die Teams, den Fans leichteren Zugang zu Trinkwasserstellen zu ermöglichen, damit sie [gegebenenfalls eigene] wiederverwendbare Wasserflaschen in den Stadien nachfüllen können.

Neben dieser eigenen Reduzierung der Plastikverschwendung sollten die Vereine sich außerdem dafür einsetzen, das Bewusstsein bei den Fans, anderen Besuchern und der Gemeinde rund um die Stadien zu wecken.

Das EU-Plastikverbot

Erst im vergangenen März hatte die EU eine neue Richtlinie erlassen, die gewisse Einwegprodukte aus Kunststoff verbieten, die Reduzierung der Verbrauchsmengen fördern, eine „bessere selektive Erfassung“ gewährleisten und die Unternehmen zur Mitverantwortung verpflichten soll.

Ziel der Rechtsvorschriften ist es, sicherzustellen, dass alle auf dem EU-Markt in Verkehr gebrachten Kunststoffverpackungen bis 2030 wiederverwendbar oder recycelbar sind.

Da das Vereinigte Königreich jedoch voraussichtlich am 31. Oktober aus der Europäischen Union austritt, müsste diese Regelung dort nicht zwangsläufig umgesetzt werden.

(Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins)

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