NGOs fordern strengere Berichtspflichten für europäische Unternehmen

Bereits im November 2020 hat die Anwaltskanzlei Frank Bold aus Tschechien eine Studie veröffentlicht, die nahelegt, dass europäische Unternehmen nicht genügend relevante, aussagekräftige und vergleichbare Nachhaltigkeitsinformationen offenlegen. [Guitarfoto studio / Shutterstock.com]

Bis Ende März möchte die EU-Kommission eine überarbeitete Fassung der sogenannten Non-Financial Reporting Directive vorstellen. Ein Zusammenschluss aus europäischen NGOs fordert mehr Transparenz und strengere Berichtspflichten für Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit.

Die Alliance for Corporate Transparency (ACT) fordert auf Grundlage mehrerer Studien die EU auf, die Anforderungen an die Berichtspflichten von Unternehmen zu erhöhen und genauer zu definieren. Alle Unternehmen von öffentlichem Interesse, unabhängig von ihrer Größe, einschließlich Nicht-EU-Unternehmen, deren Wertpapiere zum Handel in der EU zugelassen sind, sollen demnach verpflichtet werden, in ihren Jahresberichten auch nicht-finanzielle Erklärungen, unter anderem über die unternehmerischen Klimaziele abzugeben.

Hintergrund: Europäische Unternehmen mit mehr als 500 MitarbeiterInnen müssen derzeit nicht nur Rechenschaft über ihre finanzielle Situation ablegen, sondern auch öffentlich über bestimmte nicht-finanzielle Angelegenheiten informieren. Das regelt die Non-Financial Reporting Directive (NFRD). Doch weil die EU im Rahmen des Green Deals versucht, Finanzmittel in eine Richtung zu kanalisieren, die zu umwelt-, sozial- und governance-bezogenen Zielen beitragen, wird die NFRD derzeit überarbeitet. Das helfe Investoren, Verbrauchern, politischen Entscheidungsträgern und anderen Stakeholdern, die nicht-finanzielle Leistung großer Unternehmen zu bewerten. Zudem ermutige es Unternehmen, einen verantwortungsvollen Geschäftsansatz zu entwickeln, schreibt die Kommission dazu.

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Eine Studie der Transition Pathway Initiative (TPI) legt nahe, dass 14 Prozent der Stahl-, Zement-, Aluminium- und Papierproduzenten sowie Bergbauunternehmen die Klimaziele des Pariser Abkommens einhalten werden. Einige europäische Firmen machen dennoch Hoffnung.

Auch Investoren fordern strengere Berichtspflicht

Eine Gruppe von Investoren hatte in der Vergangenheit bereits kritisiert, dass die Berichtspflichten von Unternehmen nicht weit genug gingen, unter anderem im Bezug auf deren Auswirkungen auf Klima und Umwelt. Sie erhoffen sich dadurch einen nachhaltigeren und klimaresilienteren Finanzsektor, in dem Investoren, Kreditgeber und Kleinanleger alle Informationen haben, die sie benötigen, um das Potential für eine nachhaltige unternehmerische Entwicklung zu bewerten.

Nun folgte die ACT-Initiative, die aus einer Vielzahl von NGOs aus ganz Europa besteht und eine ähnliche Liste mit Forderungen vorgelegt hat. Firmen sollen zum Beispiel ihre eigene Unternehmensstrategie und die Risikobewertung an den Klimazielen des Pariser Abkommens messen und verschiedene Szenarien bezüglich der künftigen klimatischen Entwicklung berücksichtigen.

Außerdem fordert die Allianz, zu der unter anderem Germanwatch, der WWF und Transparency International zählen, strengere Berichtspflichten, wenn es um die Auswirkungen der Unternehmen auf natürliche Ressourcen, Biodiversität und das Ökosystem geht.

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Studien bestätigen geringe Transparenz

Die ACT stützt sich bei ihren Forderungen auf mehrere Untersuchungen. Bereits im November 2020 hat die Anwaltskanzlei Frank Bold aus Tschechien eine Studie veröffentlicht, die nahelegt, dass europäische Unternehmen nicht genügend relevante, aussagekräftige und vergleichbare Nachhaltigkeitsinformationen offenlegen. Bei der Studie wurden 300 Unternehmen in Zentral-, Ost- und Südeuropa untersucht.

Im Bericht zu der Studie, die mithilfe des Bundesumweltministeriums finanziert wurde, heißt es mitunter, dass rund 42 Prozent der untersuchten Unternehmen keinerlei Angaben zu Unternehmensrisiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel machen. Immerhin sechs von zehn Unternehmen machen Angaben zum eigenen Wasserverbrauch, aber nur jedes zehnte nimmt dabei Rücksicht auf örtliche Wasserknappheiten. Über die Hälfte geben an, eine unternehmerische Emissionspolitik zur Reduzierung von Umweltschäden zu haben, doch nur sieben Prozent nennen dabei quantitative Reduktionsziele.

Eine weitere ACT-Studie von 2019, bei der 1000 europäische Unternehmen untersucht wurden (darunter auch 108 deutsche Firmen), lässt ein ähnliches Problem in westeuropäischen Unternehmen vermuten. Nur knapp 14 Prozent der Unternehmen berichteten, dass ihre eigenen Klimaziele mit denen des Pariser Abkommens übereinstimmen. Im Energiesektor ist der Anteil mit 23,5 Prozent zwar höher, doch noch immer berichten mehr als drei Viertel der bedeutendsten Unternehmen Europas laut der Studie nicht über ihre Klimaziele.

Unternehmen sorgen sich teilweise über Erweiterung

Noch im ersten Quartal des Jahres 2021, also bis Ende März, will die EU-Kommission die überarbeitete Version des NFRD präsentieren. Dann wird sich zeigen, ob europäische Unternehmen künftig detaillierter über den eigenen Umwelteinfluss und die Klimaziele berichten müssen. Während der Beratungsphase für die Gesetzesänderung hatten sich einige Unternehmen besorgt gezeigt, dass die Anforderungen des NFRD erweitert werden könnten. Sie fordern stattdessen eine Harmonisierung der Anforderungen in den Mitgliedsstaaten, um die unterschiedlichen nationalen Rahmenbedingungen künftig zu vereinheitlichen.

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