Europa tut nicht genug gegen „importierte Abholzung“

In vielen Entwicklungsländern werden Wälder abgeholzt, um Platz für Palmöl, Soja oder Kakao zu schaffen. [kakteen/Shutterstock]

Europäische Importe von Soja, Kakao und Palmöl treiben die Abholzung von Wäldern in Entwicklungsländern voran. Der Kampf gegen die daraus resultierenden Kollateralschäden in Europa wird durch landwirtschaftliche Interessen erschwert. EURACTIV Frankreich berichtet.

In der Region Gran Chaco in Argentinien, Paraguay und Bolivien sind die Wälder durch intensiven Sojaanbau gefährdet. Die NGO Mighty Earth hat kürzlich einen Bericht über die Region veröffentlicht, Titel: „Die vermeidbare Krise“ (The Avoidable Crisis). In dem Report warnt die Organisation vor dem Verschwinden von Wäldern durch den Anbau von Soja, welches wiederum weitgehend als Tierfutter nach Europa exportiert wird.

In vielen bewaldeten Ländern der südlichen Hemisphäre nimmt die Abholzung zu und Wälder weichen der intensiven Monokultur: Soja in Lateinamerika, Palmöl in Indonesien und Malaysia sowie Kakao in der Elfenbeinküste und in Ghana. Rund 80 Prozent der weltweiten Entwaldung sind mit der Landwirtschaft verbunden.

Diese Produkte werden zu einem Großteil nach Europa exportiert, um den Bedarf der Lebensmittelindustrie und des Biokraftstoffsektors (Palmöl), der Schokoladenindustrie (Kakao) und der Viehzucht (Soja) zu decken.

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Europa ist der weltweit führende Kakaokonsument. Wir importieren 60 Prozent der weltweiten Kakaoproduktion. Europa ist auch der weltweit zweitgrößte Importeur von Palmöl; 45 Prozent dieser Einfuhren werden zur Herstellung von Biokraftstoffen verwendet. Die EU ist außerdem der zweitgrößte Importeur von Soja, von dem drei Viertel als Futtermittel, hauptsächlich für Hühner und Schweine, eingesetzt wird.

In Frankreich ist die Frage der Bekämpfung dieser sogenannten „importierten Abholzung“ derzeit Gegenstand einer öffentlichen Konsultation der Regierung. Ziel ist es dabei, eine nationale Strategie festzulegen.

„Als Nicolas Hulot, der Minister für den ökologischen Wandel, seine Position in der Regierung antrat, veröffentlichte er einen Klimaplan, der unter Punkt 15 das Ziel festlegt, der importierten Entwaldung ein Ende zu setzen,“ erinnert Clément Sénéchal von Greenpeace.

„Die Regierung muss nun bis Ende Juli eine endgültige Strategie vorlegen, die konkrete Maßnahmen umfassen sollte, um Frankreich in die Lage zu versetzen, seinen globalen Waldfußabdruck zu verringern,“ fügt der Aktivist hinzu.

Biokraftstoffe und Fleischkonsum

Um die Auswirkungen der französischen Importe auf die Wälder der Welt wirksam zu verringern, müssen Fragen des Fleisch- und Milchproduktverbrauchs sowie die Politik im Bereich der Biokraftstoffe angegangen werden: „Neben der Verantwortung für die Lieferkette muss es einen Plan zur Reduzierung des Verbrauchs von Fleisch und Milchprodukten geben. Es ist einfach nicht möglich, eine glaubwürdige Strategie gegen importierte Abholzung zu haben, wenn diese Aspekte nicht berücksichtigt werden,“ so Sénéchal.

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Auch im Rest Europas scheint die Frage der importierten Abholzung dringender zu werden. So hat die EU-Kommission im März eine europäische Strategie gegen importierte Entwaldung vorgestellt. „Die Tatsache, dass sich die Kommission für importierte Entwaldung interessiert, ist an sich schon eine gute Nachricht,“ kommentiert Adeline Favrel von France Nature Environment (FNE).

Die von der EU-Exekutive vorgeschlagene, unverbindliche Strategie sieht eine Reihe ehrgeiziger Maßnahmen vor, darunter ein Ende der Verwendung von Biokraftstoffen der ersten Generation bis zum Jahr 2030. Der CO2-Fußabdruck gerade dieser Biokraftstoff-Generation wird weithin heftig kritisiert. Eine weitere Empfehlung ist die Umsetzung gesetzlicher Maßnahmen zur Kontrolle der Lieferketten bestimmter Produkte.

Darüber hinaus wird auch in der europäischen Strategie ausdrücklich auf die Notwendigkeit hingewiesen, Maßnahmen zur Verringerung des Verbrauchs von Fleisch und Milchprodukten zu ergreifen.

Auf politischer Ebene könnten die französischen und europäischen Ambitionen jedoch schnell in Konflikt mit der Agrar- und Biokraftstoffpolitik geraten: „In der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik beispielsweise werden die internationalen Auswirkungen nur selten berücksichtigt,“ stellt Favrel fest.

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Eine weitere Unsicherheit ist wohl auch der europäische politische Kalender: Ein Jahr vor den nächsten Europawahlen ist die jetzige Kommission fast am Ende ihrer Amtszeit; und der politische Wille, große Veränderungen vorzunehmen, scheint nicht mehr vorhanden zu sein.

Clément Sénéchal von Greenpeace kritisiert: „Es sollte Aufgabe der europäischen Exekutive sein, einen Aktionsplan vorzulegen. Aber die Kommission scheint nicht wirklich dazu bereit zu sein.“

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