NGO: Hersteller täuschen Verbraucher mit der Ökokennzeichnung für Glühbirnen

Die Umweltgruppe Coolproducts wirft den Glühbirnen-Herstellern Verbraucherirreführung vor. Foto: [Hannah/Flickr]

Eine Untersuchung der Umweltgruppe Coolproducts ergibt: „Öko“-Glühbirnen sind in der EU bei weitem nicht so energieeffizient wie beworben. EURACTIV Brüssel berichtet. 

„Coolproducts“ untersuchte Produkte aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Dabei zeigte sich, dass „Öko“-Halogenlampen zehnmal mehr Energie verbrauchen als beispielsweise LED-Lampen.

Laut Definition der EU-Kommission soll das Ökolabel Produkte kennzeichnen, die im Vergleich zur Konkurrenz geringere Folgen für die Umwelt haben.

Doch Unternehmen wie Philips und Osram kennzeichnen den Großteil der Halogenlampen als „Öko“ – selbst wenn sie unter die niedrigsten Energieeffiziensklassen C oder D fallen.

„Ob ‚Greenwashing‘ oder Verbrauchermanipulation, die Wirkung ist dieselbe: Die Menschen denken, sie bekommen Energiesparer, aber eigentlich kaufen sie die schlechtesten Lampen auf dem Markt“, so Stephane Arditi von Coolproducts.

Ein Philips-Mitarbeiter erklärt gegenüber EURACTIV, dass alle Produkte die notwendigen Informationen auf der Verpackung hätten. „Die Verbraucher können eine informierte Entscheidung treffen, wenn sie eine Philips-Glühbirne kaufen“.

Osram zufolge „könnte ÖKO als Abkürzung sowohl für ÖKOnomie als auch für ÖKOlogie stehen“.

„Halogenlampen beispielsweise funktionieren ohne Quecksilber. Sie können im Haushaltsmüll entsorgt werden und enthalten keine elektronischen Komponenten und strahlen keine elektromagnetischen Felder aus“, sagt ein Osram-Mitarbeiter.

Coolproducts zieht aber rechtliche Schritte gegen die Unternehmen in Erwägung, die Verbraucher irreführen, und dazu bringen, angeblich stromsparende Lampen zu kaufen. In Dänemark und Frankreich reichte die Organisation bereits eine Klage ein. Das will sie auch in Deutschland machen.  

Traditionelle Glühbirnen müssen weg

Die Ineffizienz bestimmter Sorten Halogenlampen sind seit einiger Zeit bei den EU-Gesetzgebern auf dem Radar. Die Kommission verabschiedete 2010 die Ökodesign-Richtlinie. Damit will sie die alte Generation Glühbirnen schrittweise abschaffen.

Halogenlampen der D-Klasse sollen bis 2016 verboten werden. An ihre Stelle sollen weniger verschwenderische Lampen der B-Klasse oder LED-Lampen rücken. Allerdings hat die Kommission vorgeschlagen, dieses Verbot zurückzustellen. Sie will der Industrie mehr Zeit geben, praktische Alternativen zu entwickeln.

Umweltaktivisten wie das Europäische Umweltbüro stören sich an dieser Verzögerung. Ihrer Meinung nach hat sich die Industrie in die Pläne der Kommission eingemischt.

Lighting Europe repräsentiert die Beleuchtungshersteller auf europäischer Ebene. Der Verband unterstützt die Umstellung auf energieeffizientere Lösungen. Ein Verbot für traditionelle Glühbirnen vor 2020 wäre „unübersichtlich, teuer und unbequem für die Verbraucher in der Europäischen Union“, sagt Diederik de Stoppelaar, Generalsekretär von Lighting Europe. „Die Verbraucher werden dadurch verlieren.“

Die Ökodesign-Richtlinie zielt darauf ab, verpflichtende, ökologische Mindestanforderungen für einzelne Produktgruppen festzulegen, die in den Mitgliedsstaaten verkauft werden.

Derzeit umfasst die Richtlinie mehr als 40 Produktgruppen, darunter Boiler, Glühbirnen und Kühlschränke. Sie machen zusammen 40 Prozent der EU-Treibhausgasemissionen aus.

  • 2015: Überarbeitung der Energiekennzeichnungsrichtlinie

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