NGO-Bericht: Autobauer verzögern neue Modelle zwecks Profitsteigerung

Aktuell sind rund 15 Millionen Dieselfahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs. [Lana Elcova/Shutterstock]

Die Automobilhersteller verzögern den Bau effizienterer Modelle, um ihre Gewinnmargen zu maximieren, bevor 2019 neue CO2-Emissionsvorschriften in Kraft treten, so ein neuer Bericht.

Nur 6 der 50 beliebtesten Modelle der europäischen Autobauer wurden 2017 modernisiert – aber 21 von ihnen werden 2019-2020 als kraftstoffeffizientere und kohlenstoffärmere Modelle neu auf den Markt gebracht, so die in Brüssel ansässige Organisation für nachhaltigen Verkehr Transport & Environment in ihrem heute veröffentlichten Bericht.

Es wird erwartet, dass sich die Zahl der angebotenen batterieelektrischen Autos bis 2021 auf 100 verfünffachen wird. Außerdem sollen sich Reichweite, die Modellauswahl und somit der Wettbewerb deutlich steigern. Das bedeutet auch, dass die meisten europäischen Automobilhersteller – mit Ausnahme des italienischen Herstellers Fiat – die CO2-Reduktionsziele der EU für 2021 pünktlich erreichen werden, so der Bericht weiter.

Dieser (Fort-)Schritt erfolgt jedoch erst, nachdem die europäischen Automobilhersteller den Verkauf größerer Fahrzeuge stark vorangetrieben haben, betonte die Organisation in ihrem Bericht: „Die SUV-Verkäufe sind von einem Anteil von vier Prozent im Jahr 2001 auf 26 Prozent im Jahr 2016 angestiegen; und der durchschnittliche SUV stößt 132 g/km CO2 aus – im Vergleich zu 118 g/km bei einem Mittelklassewagen. Auch die Zunahme des durchschnittlichen Gewichts von Neuwagen um 124 kg von 2000 bis 2016 führte zu einem Anstieg der durchschnittlichen Emissionen um etwa 10 g/km.“

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Derweil stellen Car-Sharing, Verschmutzungsgebühren, Straßenbenutzungsgebühren, Parkplatzbeschränkungen und die Verringerung des Straßenraums für Privatfahrzeuge eine große Chance zur Bekämpfung von Verkehrsüberlastung und Umweltverschmutzung dar, so das Fazit von T&E mit Verweis auf einen Bericht des Internationalen Verkehrsforums (ITF).

In diesem Bericht des Forums heißt es, der Verkehr in den untersuchten Städten Lissabon und Helsinki könne durch Fahrgemeinschaften und ähnliche Maßnahmen um rund 90 Prozent verringert werden.

Das deutsche Problem

Die Studie von T&E kommt wenige Tage nach der Jahreshauptversammlung des deutschen Automobilherstellers Daimler am Donnerstag vergangener Woche, auf der der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche ankündigte, das Unternehmen werde die Tochter Smart bis 2020 als vollelektrische Marke in Europa aufbauen.

Damit verbunden war die Aussage, dass Daimler bis 2022 in jedem Segment mindestens ein elektrisches Fahrzeug anbieten wird. Zetsche gab dabei allerdings nicht an, ob es sich ausschließlich um vollelektrische oder auch um Plug-in-Hybridmodelle handeln wird.

„Elektroautos sind gut für die CO2-Bilanz, aber nicht für die Bilanz des Unternehmens,“ gab Zetsche außerdem zu.

Jürgen Resch, Leiter der Deutschen Umwelthilfe (DUH), kommentierte diese Aussage: „Zetsche hat einen Einblick in das Denk- und Entscheidungsverhalten seines Unternehmens gegeben: Elektroautos sind schlecht für kurzfristige Gewinne, so sein Argument. Und genau so verhält er sich: Derzeit gibt es keinen einzigen Elektroantrieb von Mercedes zu kaufen. Und selbst mit der Einführung von Smart Electric bis 2020 werden derartige Fahrzeuge in so geringen Stückzahlen hergestellt werden, dass die wenigen Kunden, die sich dafür interessieren, wegen einer Lieferverzögerung von 12 Monaten vom Kauf abgeschreckt werden.“

Die DUH hatte kürzlich einen richtungsweisenden Rechtsstreit gewonnen, nachdem sie die Kommunalverwaltungen der Städte Stuttgart – Heimat von Daimler und Porsche – und Düsseldorf wegen Luftverschmutzung verklagt hatte. Durch das Urteil wurde den deutschen Städten die Möglichkeit eröffnet, die Einfahrt von umweltschädlichen Dieselfahrzeugen in die Innenstädte zu verbieten, um den Stickstoffdioxidgehalt unter die EU-Grenzwerte zu senken und damit die Luftqualität zu verbessern.

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