Neue Studie verbindet Infektionskrankheiten mit Umweltveränderungen

"Wir müssen Wege finden, um sicher mit Wildtieren leben zu können, denn es fehlt ihnen nicht an Viren, die auf uns übertragen werden können" [Shutterstock]

Eine am Dienstag von dem britischen Forschungsinstitut Royal Society veröffentlichte Studie stellt auf dem Höhepunkt der globalen COVID-19-Pandemie eine Verbindung zwischen Infektionskrankheiten und Umweltveränderungen her.

Die Verwertung von Wildtieren durch den Menschen durch Aktivitäten wie Jagd, Handel, Lebensraumzerstörung und Urbanisierung hat Auswirkungen auf den engen Kontakt zwischen Wildtieren und Menschen.

Dies erhöht nach Untersuchungen von Wissenschaftlern des Davis One Health Institute der Universität von Kalifornien das Risiko eines Virusausbruchs.  

Viele dieser Aktivitäten führen auch zu einem Schrumpfen der Artenvielfalt und Artensterben, warnen Experten.

Die Studie verdeutlicht, wie diese Prozesse – die zum Rückgang der Wildtierpopulation führen – auch die Übertragung von Viren vom Tier auf den Menschen ermöglichen. 

„Das Überspringen von Tierviren ist ein direktes Ergebnis unserer Handlungen, die Wildtiere und ihren Lebensraum betreffen“, erklärte die Hauptautorin der Studie, Christine Kreuder Johnson, Projektleiterin am Institut für die Kontrolle von Krankheiten an der Universität von Kalifornien.

Tokio und Hongkong fürchten zweite Virus-Welle

Tokio stehen neue Isolationsmaßnahmen bevor; in Hongkong wird eine Ausgangssperre gefordert: In Ostasien herrscht offenbar Angst vor einer zweiten Infektionswelle. EURACTIVs Medienpartner The Guardian berichtet.

„Die Folge ist, dass die Spezies ihre Viren mit uns teilen“, ergänzte die Expertin. Diese Handlungen des Menschen „bedrohen gleichzeitig das Überleben der Spezies und erhöhen das Risiko eines Spillovers“.

„In einem unglücklichen Zusammenwirken vieler Faktoren führt dies zu der Art von Katastrophe, die wir derzeit erleben“, betonte sie und verwies auf die globale Ausbreitung des neuartigen Coronavirus.

Die zuständigen WissenschaftlerInnen nutzten eine umfangreiche Datenbank von 142 bekannten Viren, die von Tieren auf Menschen übertragen wurden, sowie von Spezies, die als potenzielle Überträger hätten fungieren können.

Anhand einer Liste bedrohter Tierarten untersuchte das Forschungsteam Muster, die zahlreich vorhanden waren, und analysierte die zugrunde liegenden Ursachen, die zum Artenrückgang einiger von ihnen führten. 

Es wurden klare Trends beim Spillover-Risiko identifiziert, die verdeutlichen, wie Menschen im Laufe der Geschichte mit Tieren interagiert haben.

Der Klimawandel ist nicht die größte Bedrohung für Artenvielfalt

Drei Viertel der bedrohten Tierarten stehen wegen Fischerei, Entwaldung und Landwirtschaft auf der Roten Liste. Die Erderwärmung spielt laut einer Studie eine geringere Rolle. EURACTIV-Kooperationspartner La Tribune berichtet.

Einige der Ergebnisse zeigten, dass domestizierte Tiere, wie beispielsweise Nutztiere, die größte Anzahl von Viren mit dem Menschen geteilt haben und achtmal so viele Zoonosen (Sammelbezeichnung für Infektionskrankheiten) wie wilden Säugetierarten aufwiesen.

Dies sei das Ergebnis von häufigen engen Interaktionen mit diesen Tierarten über Jahrhunderte hinweg, heißt es in der Studie.

Die Experten stellten ferner fest, dass Wildtiere, die sich vermehrt und gut an die vom Menschen dominierte Umwelt angepasst haben, auch zunehmend Viren mit dem Menschen teilen. 

Dazu gehören einige Nagetiere, Fledermäuse und Primatenarten, die unter Menschen, in der Nähe unserer Häuser und in der Nähe von Bauernhöfen und Feldern leben. Somit stellen sie ein hohes Risiko für eine ständige Übertragung von Viren auf den Menschen dar. 

Die Wissenschaftler analysierten zudem bedrohte oder vom Aussterben bedrohte Tierarten. Dabei handelte es sich um Tiere, deren Populationen aufgrund von Jagd, Wildtierhandel und der Verschlechterung der Qualität ihres Lebensraums zurückgingen. 

Wie Guinea aus der Ebola-Epidemie gelernt hat

Die Ebola-Epidemie, die zwischen 2014 und 2016 mehr als 11.000 Menschen in Westafrika tötete, ließ Experten Schlussfolgerungen ziehen, um die Gesundheitsdienste vor Ort zu verbessern.

Bei der Analyse stellten die Experten fest, dass diese Arten doppelt so viele Zoonoseviren in sich trugen wie gefährdete Arten, deren Populationen aus anderen Gründen zurückgingen. 

Zudem geht aus der Studie hervor, dass bedrohte und gefährdete Arten eher direkt mit dem Menschen in Kontakt kommen.

Fledermäuse, beispielsweise, wurden als Quelle von „folgenschweren“ Krankheitserregern wie SARS, dem Nipah-, Margurg- und Ebola-Virus angesehen, hoben die Experten hervor.

Johnson betonte die Notwendigkeit, „sehr aufmerksam zu beobachten, wie wir mit der Tierwelt umgehen“. „Natürlich wollen wir keine Pandemien dieses Ausmaßes.“ 

„Wir müssen Wege finden, um sicher mit Wildtieren leben zu können, denn es fehlt ihnen nicht an Viren, die auf uns übertragen werden können“, so die Expertin.

Melden Sie sich für "The Capitals" an

Vielen Dank für das Abonnieren des The Capitals Newsletters!
  • Mit EURACTIV immer auf dem Laufenden!

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN