Neue Studie: 100% Strom aus erneuerbaren Energien ist keine Utopie

Studie „Globales Energiesystem basierend auf 100% Erneuerbarer Energie – Stromsektor“ [dpa (Archiv)]

Wie das Statistische Bundesamt anlässlich der derzeit in Bonn stattfindenden Weltklimakonferenz mitteilt, ist in Deutschland der Anteil erneuerbarer Energien am Brutto-Endenergieverbrauch von 3,7 % im Jahr 2000 auf 14,6 % im Jahr 2016 gestiegen. Das ist laut Experten gut, aber noch lange keine Energiewende.

Das Potential, eine vollständige und weltweite Energiewende zu vollziehen, zu der sich ein Großteil der Weltgemeinschaft mit dem Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet hat, ist wesentlich größer. Nämlich 100 Prozent, wie eine aktuelle Studie  der finnischen  Lappeenranta University of Technology (LUT) zusammen mit der Energy Watch Group (EWG) jetzt festgestellt hat. 100% Strom aus Erneuerbaren Energien – das ist nicht nur blanke Theorie und schon gar keine Utopie, sondern greifbare Realität sagen die Wissenschaftler, die ein Szenario der weltweiten Energiewende in 5-Jahres Abschnitten für den Zeitraum von 2015 bis 2050 berechnet haben.

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Erneuerbare sind verfügbar 

Mehr als 7,3 Milliarden Menschen leben auf der Welt- rund 2,5 Milliarden mehr werden es nach Schätzungen bis 2050 sein. Die Studie hat berechnet, dass dadurch der weltweite Energiebedarf von 24.310 TWh im Jahr 2015 auf ungefähr 48.800 TWh im Jahr 2050 ansteigen wird. Bieten Wind-, Wasser- und Sonnenenergie in Zeiten von Klimawandel und Naturkatastrophen wirklich eine 100%-ige Alternative zu den konventionellen Stromsystem von heute?

Den Kritikpunkt, die Erneuerbaren seien nicht ganzjährig und weltweit verfügbar, hätte die Studie widerlegt, so die Wissenschaftler während des Global Renewable Energy Solution Showcase Events (GRESS) im Rahmen der Klimakonferenz. Die modernsten Stromspeicherungssysteme und andere neue Technologien, die hinter der Erneuerbaren Energie stehen, seien in der Lage Strom effizient und sicher zu erzeugen und damit den weltweit steigenden Energiebedarf bis 2050 zu decken. Demnach beliefe sich der Gesamtverlust eines 100% erneuerbaren Energiesystems rund 26% des gesamten Endenergiebedarfs. Im Vergleich dazu weist das aktuelle Stromsystem einen Verlust von rund 58% der Primärenergie auf.

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„Es gibt keinen Grund auch nur einen weiteren Dollar in fossile oder nukleare Energiegewinnung zu investieren.“ sagt Energy Watch Group Präsident Hans-Josef Fell. „Erneuerbare Energie bietet eine kosteneffiziente Stromversorgung. Alle Investitionspläne in Stromerzeugung mit Kohle, Kernkraft, Erdgas oder Erdöl müssen eingestellt werden und sollten umgelenkt werden in die Bereiche erneuerbarer Energie und die dafür notwendige Infrastruktur. Alles andere würde nur unnötige Kosten bedeuten und die Klimaerwärmung weiter verschlimmern.“

Weniger Treibhausgase, günstigerer Strom

Weltweit könnten sich die Treibhausgasemissionen durch den 100%-igen Einsatz von erneuerbaren Energien in der Stromversorgung  drastisch reduzieren. Die Wissenschaftler sehen sogar das Potentia einer emissionsfreien Energiegewinnung bis 2050. Und das bei sinkenden Stormkosten für alle.

Demnach würden sich die mittleren Stromkosten für 100% erneuerbare Energie im globalen Durchschnitt  im Jahr 2050 auf 52 €/MWh reduzieren. Inklusive der Kosten für Abregelungen und Speicherung, sowie Netzkosten beliefen die sich im Jahr 2015 noch auf 70 €/MWh.

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Nicht nur, dass die erneuerbaren Energien die Treibhausgasemissionen im Stromsektor auf null reduzieren und die Energieverluste im Stromsystem drastisch verringern, sie könnten laut Studie auch 36 Millionen Arbeitsplätze schaffen –  17 Millionen mehr als heutzutage im Stromsektor beschäftigt sind.

Schon lange stehen die erneuerbaren Energien als Alternative zur konventionellen Stromerzeugung in der Diskussion. Ihr Nutzen für effektiver Klimaschutz, mehr Bürgerbeteiligung, ehrlichere Preise und als Jobmontor sind schon lang nicht mehr umstritten. Fragt man die Bundesbürger nach ihrer Einstellung zu den erneuerbaren Energien, so halten nach einer repräsentativen TNS Emnid Studie  93 Prozent von ihnen eine Energiewende hin zu den Erneuerbaren für „wichtig“  bzw. für „sehr  oder außerordentlich wichtig“.

„Eine komplette Dekarbonisierung des Elektrizitätssektors bis zum Jahr 2050 ist umsetzbar und dabei kostengünstiger als das heutige Stromsystem. Die Energiewende ist nicht länger eine Frage von technologischer Umsetzbarkeit oder wirtschaftlicher Rentabilität, sondern eine Frage des politischen Willens“ so Christian Breyer, Hauptautor der Studie.

Hintergrund

Die Studie „Globales Energiesystem basierend auf 100% Erneuerbarer Energie – Stromsektor“ ist durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und die Stiftung Mercator ko-finanziert.

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