Neue EU-Gebäuderichtlinie zielt auf Sanierung der ineffizientesten Häuser

Einer der umstrittensten Aspekte wurde bei der Überarbeitung der EPBD jedoch ausgelassen - die Idee eines Verkaufsverbots für neue, mit fossilen Brennstoffen betriebene Boiler, die von Ländern wie Luxemburg unterstützt wird. [European Union, 2021. Source: EC - Audiovisual Service]

Die Europäische Kommission hat die Einführung von Mindestnormen für die 15 % der Gebäude mit der schlechtesten Energieeffizienz in Europa vorgeschlagen, die auf der EU-Energieskala mit „G“ bewertet werden sollen. Dies gilt unabhängig davon, ob es sich um Wohngebäude handelt oder nicht.

Der Vorschlag ist in der überarbeiteten EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) enthalten, die die Kommission am Mittwoch (15. Dezember) als Teil eines umfassenderen Gesetzespakets zur Halbierung der Treibhausgasemissionen in der EU bis 2030 vorgelegt hat.

„Die Richtlinie konzentriert sich auf die Gebäude mit der schlechtesten Energieeffizienz und hilft, die Energiearmut zu bekämpfen“, sagte EU-Klimachef Frans Timmermans, der den Vorschlag vorstellte.

Bis zum 1. Januar 2027 müssten alle kommerziellen oder öffentlichen Gebäude auf der EU-Energieeffizienzskala mindestens die Klasse „F“ erreichen, und anschließend bis zum 1. Januar 2030 die Klasse „E“.

Für Wohngebäude – einzelne Häuser oder Wohnungen – würde mehr Zeit eingeräumt, da sie bis zum 1. Januar 2030 die Klasse „F“ und bis zum 1. Januar 2033 die Klasse „E“ erreichen müssten.

Diese Einstufungen würden auf einer harmonisierten europäischen Bewertungsskala beruhen, wobei die am schlechtesten abschneidende Klasse „G“ den 15 % am wenigsten effizienten Gebäuden und die Klasse „A“ den Null-Emissionsgebäuden entspricht.

Es wird jedoch kein starres System sein, da jedes EU-Land seine eigene Energieleistungsskala auf der Grundlage EU-weit einheitlicher Parameter festlegen wird. „Auf dieser Grundlage wird jeder Mitgliedstaat die 15 % am schlechtesten abschneidenden Gebäude für sich selbst definieren“, erklärte ein hochrangiger EU-Beamter.

Die EU-Länder werden ebenfalls selbst die Auslösungspunkte bestimmen konnen – ab welchem Zeitpunkt eine Renovierung erforderlich ist, z. B. wenn eine Wohnung verkauft oder vermietet wird.

Der Kommission zufolge wird die Fokussierung auf die schlechtesten Gebäude die Energiearmut lindern und den ärmsten Haushalten zugute kommen. Diese konnen es sich am heufigsten nicht leisten, ihre Wohnungen zu renovieren, und sind derzeit diejenigen die den höchsten Anteil ihres Einkommens für die Heizung ausgeben.

„Wir wissen, dass die Gebäude mit der schlechtesten Energiebilanz am häufigsten von einkommensschwachen Haushalten bewohnt werden“, sagte ein hochrangiger EU-Beamter bei einer Pressekonferenz am Dienstag (14. Dezember).

„Indem wir diese Gebäude mit den schlechtesten Werten ins Visier nehmen und die Finanzierung und technische Unterstützung dorthin lenken, wo sie am dringendsten benötigt wird, stellen wir sicher, dass die Bemühungen zur Gebäudesanierung die Energiearmut an der Wurzel packen“, so der Beamte.

Paradigmenwechsel“ für Immobilienbesitzer

Für Immobilieneigentümer bedeutet dies eine große Umstellung, da jedes Gebäude bis spätestens 2033 renoviert werden muss, unabhängig davon, ob es sich um ein öffentliches oder privates Gebäude, ein Wohngebäude oder ein Nichtwohngebäude handelt, und ob es vermietet ist oder nicht.

„Dies ist ein Paradigmenwechsel und das erste Mal, dass die EU so weit geht und eine direkte Verpflichtung für EU-Bürger und Unternehmen festlegt, ihre Häuser und Grundstücke zu renovieren“, sagte Emmanuelle Causse von der International Union of Property Owners (IUPO).

„Dies geht über das hinaus, was bisher in Großbritannien und Frankreich gemacht wurde, wo die Standards nur für gemietete Immobilien gelten“, sagte Causse gegenüber EURACTIV. „Es gibt keine Unterscheidung mehr für Gebäude mit mehreren Wohnungen“, betonte sie. Diese bräuchten viel mehr Zeit, um renoviert zu werden – in Frankreich etwa 4 bis 6 Jahre.

Nach Angaben der Europäischen Kommission werden die neuen EPBD-Standards die im vergangenen Jahr vorgestellte „Renovierungswelle“ der EU unterstützen, deren Ziel die Renovierung von 35 Millionen Wohnungen ist.

Nach Ansicht von Immobilienbesitzern könnte die Zahl jedoch noch höher sein. Nach Angaben des IUPO gibt es in der EU etwa 131 Millionen Wohn- und Nichtwohngebäude. Wenn also 15 % davon mit „G“ und weitere 15 % mit „F“ bewertet werden, bedeutet dies, dass bis 2033 mindestens 40 Millionen Gebäude in der EU renoviert werden müssen, so die Berechnungen des IUPO.

„Dies ist eine Herkulesaufgabe“, sagte Causse und wies auf den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften hin, um das Ziel zu erreichen.

„In vielen Mitgliedstaaten herrscht bereits jetzt ein Mangel an Bauarbeitern – insbesondere an Facharbeitern“, so Causse. „Und auch wenn der Termin weit weg zu sein scheint, wenn man die Zeit für die Verabschiedung und Umsetzung der Richtlinie berücksichtigt, bleiben bestenfalls acht Jahre, um dieses Ziel zu erreichen“, sagte sie gegenüber EURACTIV.

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Bis zu 150 Milliarden Euro EU-Mittel verfügbar

Die Europäische Kommission ist sich bewusst, dass massive Anstrengungen unternommen werden müssen. Aber sie ist auch zuversichtlich, dass genügend Kapital zur Verfügung stehen wird, sowohl durch private als auch durch öffentliche Mittel.

„Es ist klar, dass dies erhebliche Investitionen erfordern wird“, erklärte der befragte EU-Beamte. „Aber die gute Nachricht ist, dass es auch noch nie dagewesene Mittel gibt“, fügte er hinzu und sagte, dass „bis zu 150 Milliarden Euro“ aus dem EU-Haushalt zur Verfügung stehen könnten, um die Mindestnormen für die Gesamtenergieeffizienz bis zum Jahr 2030 umzusetzen.

Die öffentlichen Gelder der EU würden aus Quellen wie dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, dem Kohäsionsfonds und dem 800 Milliarden Euro schweren Coronavirus-Sanierungsfonds der EU stammen.

Der Beamte verwies auch auf die demnächst aktualisierten EU-Beihilfevorschriften, die es den nationalen Regierungen ermöglichen werden, Gebäudesanierungen zu finanzieren.

Andere Teile des EPBD-Vorschlags beziehen sich auf die Digitalisierung und Transparenz, einschließlich der Schaffung eines „Renovierungspasses“, der es Hausbesitzern ermöglichen wird, die verschiedenen Phasen der Sanierung ihres Gebäudes zu verfolgen.

Abschaffung der Heizung mit fossilen Brennstoffen bis 2040

Einer der umstrittensten Aspekte wurde bei der Überarbeitung der EPBD jedoch ausgelassen – die Idee eines Verkaufsverbots für neue, mit fossilen Brennstoffen betriebene Boiler, die von Ländern wie Luxemburg unterstützt wird.

Die Europäische Kommission hat kein Recht, Heiztechnologien zu verbieten, und muss „die Aufteilung der Kompetenzen zwischen der EU und den Mitgliedstaaten respektieren“, erklärte Timmermans.

„Wir überlassen diese Entscheidung den Mitgliedstaaten, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass sie sehr unterschiedliche Ausgangspositionen haben“, wenn es um ihren Energiemix und die Art der vorhandenen Heizungsinfrastruktur geht, sagte Kadri Simson, der EU-Kommissar für Energie.

Gleichzeitig biete der EPBD-Vorschlag „eine klare Rechtsgrundlage für den Fall, dass europäische Länder Boiler für fossile Brennstoffe verbieten wollen“, fügte Simson hinzu und sagte, dass „einige Mitgliedstaaten dies in Betracht ziehen“.

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Noch wichtiger sei, dass sich die Kommission für ein duales System“ entschieden habe, das die Schaffung eines speziellen Emissionshandelssystems für den Verkehr und für Gebäude zusätzlich zu den Normen für die Gesamtenergieeffizienz vorsieht, sagte Timmermans.

„Und die Kombination der beiden Systeme gibt die richtigen Anreize an den richtigen Stellen“, wobei die nationalen Gegebenheiten berücksichtigt werden, erklärte er.

Darüber hinaus werden die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet sein, im Rahmen der neu eingeführten nationalen Gebäudesanierungspläne Strategien für den Verzicht auf fossile Brennstoffe beim Heizen festzulegen, um ihre Klimaziele zu erreichen.

„Diese Pläne müssen Fahrpläne für den schrittweisen Ausstieg aus der Verwendung fossiler Brennstoffe zum Heizen und Kühlen bis spätestens 2040 sowie einen Weg zur Umwandlung des nationalen Gebäudebestands in emissionsfreie Gebäude bis 2050 enthalten“, so die Kommission in einer Erklärung.

Elektrifizierung „ist der richtige Weg“ für die Beheizung

In Bezug auf die Heiztechnik ist die EU-Exekutive überzeugt, dass elektrische Lösungen wie Wärmepumpen die beste Option sind.

„Wir glauben wirklich, dass die Elektrifizierung der Weg zur Dekarbonisierung von Gebäuden der kosteneffizienteste Weg ist“, sagte ein hoher EU-Beamter. „Wir sind also nicht unbedingt auf der Suche nach Wasserstoff für die Beheizung von Gebäuden“.

Doch nicht jeder ist damit einverstanden. Befürworter von wasserstofftauglichen Boiler und grünen Gasen in der Heizung sagen, dass sie zur Dekarbonisierung des Wärmesektors beitragen können, indem sie elektrische Lösungen wie Wärmepumpen und Energieeffizienzmaßnahmen in Gebäuden ergänzen.

„Wir gehen davon aus, dass Wärmepumpen das Rückgrat des neuen Heizsystems in Europa bilden werden“, sagte Stephan Kolb, Direktor für regulatorische Angelegenheiten bei Viessmann, dem deutschen Hersteller von Heizgeräten für Privathaushalte.

Er wies jedoch darauf hin, dass ein Heizsystem, das sich ausschließlich auf Wärmepumpen stützt, enorme Mengen an zusätzlichem Strom und einen Ausbau der Netze erfordern würde, insbesondere zur Bewältigung von Nachfragespitzen im Winter.

„Wir glauben, dass in vielen Ländern wohldosierte Mengen an gasförmigen Energieträgern benötigt werden, um ein Grundgerüst aus Wärmepumpen zu ergänzen“, sagte Kolb in einer E-Mail an EURACTIV. „‚Wohl dosiert‘ in einem Sinne: viel weniger als die heutigen Erdgasmengen, als Ergebnis von Elektrifizierung und Hüllensanierungen.“

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[Bearbeitet von Benjamin Fox]

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