Mysteriöser Methan-Anstieg bereitet Experten Kopfzerbrechen

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Beim Abfackeln wird Methan zu weniger klimaschädlichem CO2 verbrannt. [Lano Lan/Shutterstock]

Experten des Weltklimarates (IPCC) warnen: Die extrem klimaschädlichen Methan-Emissionen steigen immer stärker an. Der genaue Grund ist noch unbekannt. EURACTIV Frankreich berichtet.

Die Expertengruppe des Weltklimarates (IPCC), die 2017 den Forschungsstand zum Klimawandel vorstellen soll, hat ein neues Sorgenkind: Methan (CH4) – ein Treibhausgas mit 28-mal größerem Erderwärmungspotenzial als CO2. Seit 2012 steigen die Methan-Emissionen scheinbar ohne bekannten Grund immer stärker an, heißt es laut Global Methane Budget 2016, das sich bereits seit 2000 mit der Entwicklung des Gases in der Atmosphäre beschäftigt.

Methan ist zu 60 Prozent auf menschliche Aktivitäten wie die Landwirtschaft oder Nutzung fossiler Energieträger zurückzuführen. Die übrigen 40 Prozent entstehen natürlich, vor allem in feuchten Gebieten. Anders als beim CO2, für dessen Ausstoß vor allem die Industrie verantwortlich ist, lässt sich die Methan-Produktion nur sehr schwer messen.

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Das Besondere an dem extrem klimaschädlichen Treibhausgas ist, dass es sich selbst zerstört, sobald es mit einem Hydroxyl-Radikal (OH) in der Troposphäre reagiert. Daher ist seine Verweildauer in der Atmosphäre meist auf etwa zehn Jahre begrenzt. „Methan bietet einen guten Ansatzpunkt für Regulierungsmaßnahmen“, meint Marielle Saunois, Wissenschaftlerin der Forschungseinheit LSCE (Laboratoire des sciences du climat et l’environnement) und Mitarbeiterin der Studie.

Schlimmer als der schlimmste Albtraum

Seit 1750 hat sich die Methan-Konzentration verdoppelt. Das Treibhausgas ist mittlerweile zu 20 Prozent für den weltweiten Temperaturanstieg verantwortlich. Dennoch beschäftigt sich im Vergleich zum CO2 nur ein kleiner Teil der Forschungsarbeit mit Methan. Obwohl man seit den 80er Jahren ernsthafte Messungen diesbezüglich vornimmt, scheint das Gas ein gewisses Mysterium zu umgeben. So ließ sich weder die Stabilisierung der Methan-Konzentration zwischen 2000 und 2006 erklären, noch der Anstieg seit 2012, der sich höher als jegliches Worst-Case-Szenario des IPCCs erweist.

Auf globaler Ebene lässt sich die Zunahme der Emissionen vor allem an bestimmten Regionen festmachen: Südamerika, Südostasien und China. Tropenregionen produzieren von Natur aus mehr Methan, da sie vermehrt Feuchtgebiete umfassen.

Der stärkste vom Menschen verursachte Methanausstoß ist den Forschern zufolge in China und Russland zu beobachten, wo man ungebremst Kohle- und Gasvorräte ausbeutet. Auch die Reisfelder und Mülldeponien in Südostasien leisten einen hohen Emissionsbeitrag, warnen die Forscher.

Im Kreise der Industrie für fossile Energieträger versichern Erdölproduzenten, man habe große Anstrengungen vor allem beim Abfackeln unternommen. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem unerwünschtes Methan zu weniger klimaschädlichem CO2 verbrannt wird. Dennoch nehmen die Emissionen der fossilen Industrie unaufhaltsam zu. In den USA haben sich die Standorte der Gasförderung vervielfacht, vor allem mit Blick auf Schiefergas. Ein Schiefergas-Effekt lasse sich jedoch bisher nicht klar isolieren.

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