Mit Gefühlen spielen: Die Rolle des Fußballs im Klimaschutz

Junge Fußballfans verlesen eine Stellungnahme zur Klimakrise (Copyright: FC Schalke 04)

Fußball erreicht Menschen auf einer emotionalen Ebene. Das hat auch der Schalke 04 erkannt. Der Verein setzt sich zusammen mit anderen für Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein – mitten in einem  ehemaligen Kohle-Bergbaugebiet.

Im Fußball hat Politik meist nichts zu suchen. Die Leute kommen ins Stadion, weil sie sich von den Problemen des Alltags ablenken wollen. Doch das Match zwischen Schalke 04 und Mainz 05 vom 20. September 2019 war eine Ausnahme. Es war nicht irgendein Freitag, sondern der dritte internationale Friday for Future, an dem weltweite Proteste für mehr Klimaschutz stattfanden.

Vor Anpfiff betraten zwei Kinder das Spielfeld, in den Trikots der beiden Teams. Sie lasen eine gemeinsame Kundgebung der Teams vor, in denen sich die Clubs mit Fridays for Future solidarisierten. „Wir müssen verstehen und einsehen, dass wir selbst daran schuld sind, dass es der Erde so schlecht geht“, hallten die Kinderstimmen durch das Stadion. „Wenn wir nicht ändern, wie wir auf unserer Erde leben, wird es keine Lösung für all die Umweltprobleme geben.“ Die Fans applaudierten und jubelten.

Kenia: Für jedes Tor ein Baum

Der 15-jährige Kenianer Lesein ist einer von tausenden Jugendlichen, die sich dem Kampf gegen den Klimawandel angeschlossen haben. Der begeisterte Fußballer pflanzt seit 2018 für jedes Tor, das er erzielt, Bäume.

Zu den Fans durchdringen

Dies war ein gutes Beispiel dafür, wieso der Fußball eine besondere Rolle im Klimaschutz spielen kann, sagt Sebastian Buntkirchen, Leiter der Abteilung für CSR (Corporate Social Responsibility) bei Schalke 04 im Gespräch mit EURACTIV. Aktuell ist nicht nur zu beobachten, dass Unternehmen auf nachhaltigere Produktion umstellen, sondern auch, wie Firmen das öffentliche Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu fördern versuchen. Doch in diesem Spiel hat Fußball einen Vorteil, sagt Buntkirchen: „Wir sprechen die Leute auf einem emotionalen Level an und erreichen sie besser als andere Unternehmen.“

Schalke 04 sieht sich in der Verantwortung, seinen gesellschaftlichen Einfluss zu nutzen. Die gemeinsame Stellungnahme mit Mainz 05, als die geladene Stimmung im Stadion genutzt wurde, um eine Botschaft über die Klimakrise anzubringen, ist ein Beispiel. Allerdings ist sich Buntkirchen bewusst, dass Schalke-Fans andere Prioritäten als den Klimawandel haben könnten. Aus einem einfachen Grund: Geografie.

Schalkes Heimatstadt Gelsenkirchen liegt im Herzen des Ruhrgebiets, Deutschlands ehemaliges Kohle-Bergbaugebiet. Für die Menschen, die hier leben, gibt es dringendere Themen, wie Migration – ein weiterer Bereich, in dem Schalke 04 mit mehreren Integrationsprojekte aktiv ist. Umso wichtiger ist es für Schalke, das Bewusstsein für die Klimakrise hier zu fördern.

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NGOs rufen Fußballclubs der vier höchsten britischen Ligen auf, Einweg-Kunststoff wie Plastikbecher aus den Stadien zu verbannen. Ein Großteil der Fans scheint diese Forderung zu unterstützen.

Kein Greenwashing für Gazprom

Um als Vorbild zu agieren, versucht Schalke, den Worten Taten Folgen zu lassen. Ihr Stadion, die Veltins Arena, ist die physische Manifestation dieses Versuchs. Das Stadion-Catering erhielt das deutsche Zertifikat für nachhaltige Unternehmensführung, Bierbecher werden recycelt und kommen im nächsten Match wieder zum Einsatz. Der Anteil an Bechern, der zurückgegeben und in den Recycling-Prozess kommt, liegt momentan bei unter 50 Prozent, aber Buntkirchen ist entschlossen, in Zukunft auf 90 Prozent zu kommen.

Diese Maßnahmen kosten Geld. Abgesehen von den Investitionen in die Infrastruktur musste der Club neue Mitarbeiter mit Nachhaltigkeits-Expertise anstellen. Doch bisher„fehlt jeder Euro im Sport“ für solche Zwecke, sagt Buntkirchen.

Doch zum Glück sind Schalkes Sponsoren mit an Bord beim grünen Kurs des Clubs. Das gilt sogar für den Hauptsponsor Gazprom, Russlands größtem Gas-Produzenten und laut des Climate Accountability Institutes der weltweit drittgrößte Verursacher von CO2-Emissionen. Auf die Frage, ob man das als Greenwashing sehen könnte, stellt Buntkirchen klar: „Wir teilen diese Auffassung absolut nicht.“

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Mehr als eine Million Demonstranten sind am Freitag laut Veranstaltern bundesweit bei einem neuerlichen großen Klimastreik auf die Straße gegangen. Demnach folgten rund 1,4 Millionen Menschen einem Aufruf der Schülerbewegung Fridays for Future und zahlreicher anderer Organisationen.

Wettkampf und Zusammenarbeit

In Zukunft werden Fußballclubs noch mehr soziale Verantwortung wahrnehmen, sagt Buntkirchen, weil sie diese einzigartige Möglichkeit haben, Menschen zu beeinflussen und Vorbilder zu sein. Er erlebt das schon jetzt als Teil der Arbeitsgruppe für Corporate Social Responsibility, wo Schalke mit fünf weiteren deutschen Clubs arbeitet, Erfahrungen austauscht und Projekte organisiert, wie die gemeinsame Stellungnahme mit Mainz 05. Denn obwohl diese Clubs auf dem Spielfeld als Gegner auftreten, arbeite man zusammen, wenn es gilt, Verantwortung wahrzunehmen, sagt Buntkirchen.

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