Luxemburg kauft überschüssige Energie um Energieziel zu erreichen

Die litauische Präsidentin Grybauskaitė traf sich in Vilnius mit Großherzog Henri aus Luxemburg, um ein Kooperationsabkommen über den statistischen Transfer erneuerbarer Energien zu unterzeichnen. [Robert Dackus]

Litauen und Luxemburg haben sich als erste EU-Mitgliedsstaaten am Donnerstag (26. Oktober) auf eine Übertragung von erneuerbaren Energien geeinigt.

Dadurch wird es dem Großherzogtum höchstwahrscheinlich möglich, im Jahr 2020 sein angestrebtes Ziel zu erreichen. Estland hofft, ein ähnliches Abkommen auszuhandeln, um den Ausbau seiner Windkraft zu finanzieren.

Im Jahr 2015 hat Litauen sein Ziel erreicht, 23 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Der komplette Energiemix der baltischen Staaten besteht zu mindestens 25,75 Prozent aus erneuerbaren Energien. Luxemburg hingegen muss sein elf Prozent Ziel noch erreichen, gerade bezieht es nur fünf Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Quellen.

Mit der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) der EU können sich Mitgliedsstaaten für statistische Transfervereinbarungen entscheiden, bei denen ein bestimmter Anteil erneuerbarer Energie aus einem Land in ein anderes verbucht werden kann.

Litauen und Luxemburg nutzen diese Möglichkeit erstmals. Das Großherzogtum hält in seinem jüngsten Energiebericht fest, dass es beabsichtigt das Abkommen zu nutzen, um sein Energieziel zu erreichen und damit gleichzeitig der EU helfen will, ihr Ziel von 20 Prozent erneuerbare Energie am Gesamtenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 zu erreichen.

RED wird derzeit überarbeitet und es wird erwartet, dass die Kooperationsmöglichkeit weiterhin bestehen bleibt, da dies den Mitgliedsstaaten mehr Flexibilität einräumt, um ihre Ziele zu erreichen.

Öko-Energie: Deutschland gerät ins Hintertreffen

Umwelt- und Energieverbände sehen Deutschland immer weiter von dem Ziel entfernt, bis 2020 mindestens 18 Prozent des Energieverbrauchs mit Erneuerbaren abzudecken.

Die Kooperationsmöglichkeit fördert die Solidarität zwischen den Mitgliedern. Staaten mit ergiebigen und billigen erneuerbaren Energiequellen können sich dazu entscheiden, Mitgliedsstaaten zu helfen, die weniger Ressourcn zu Verfügung haben.

Das Abkommen beinhaltet nicht die tatsächliche Übertragung der erzeugten Energie zwischen den Ländern, darauf einigten sich die beiden Länder. Nur die statistischen Daten werden übertragen.

Generaldirektor der Generaldirektion Energie der Europäischen Union, Dominique Ristori, begrüßte das „bahnbrechende Abkommen“ zwischen Litauen und Luxemburg. Er forderte andere Mitgliedsstaaten auf, es den beiden Ländern gleichzutun, insbesondere im Hinblick auf die erneuerbaren Energie-Ziele für das Jahr 2030.

Bei einer Zeremonie in Vilnius am Donnerstag (26. Oktober), an der die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaitė und der Großherzog von Luxemburg Henri teilnahmen, wurde das Abkommen von beiden Ländern unterzeichnet.

MEPs fordern ambitioniertere Ziele für erneuerbare Energien

Die EU-Parlamentarier fordern ambitionierte Ziele für erneuerbare Energien, die über den Vorschlag der Kommission für 2030 hinausgehen.

Der litauische Energieminister Žygimantas Vaičiūnas begrüßte das Abkommen als „ein Ereignis von historischer Bedeutung für die gesamte EU“ und „ein praktischer bilateraler Erfolg“.

Die Regierung in Vilnius überträgt einen Teil seines erneuerbaren Energieüberschüsses zwischen 2018 und 2020 an Luxemburg, mit einem Miminum von 700 Gigawattstunden (GWh). Damit erwirtschaftet Litauen voraussichtlich einen Gewinn von rund zehn Millionen Euro. Dieses Geld ist bereits für andere erneuerbare Energieprojekte und für die Forschung vorgesehen.

Der Geschäftsführer von WindEurope, Giles Dickson, war ebenfalls begeistert über das Abkommen und hoffte, dass die durch den Transfer erwirtschafteten Umsätze wieder in die Windkraft investiert werden und die vorhandenen 500 MW-Kapazitäten in Litauen ergänzen werden.

Estland sieht mehr Macht

Weitere Abkommen dieser Art sind in Zukunft möglich, da viele EU-Länder bei der Erreichung ihrer Ziele für 2020 hinterherhinken. Estland, das derzeit den EU-Ratsvositz inne hat, veröffentlichte jüngst ein Schreiben, in dem es die Menge an überschüssiger Energie anpries, die es anzubieten hat.

Estland treibt Digitalisierung des Energiesektors in EU voran

Politiker und Industrievertreter in Tallinn haben die e-Energie-Erklärung unterzeichnet. Sie zielt darauf ab, den Energiemarkt stärker zu digitalisieren.

Tatsächlich hat das Luxemburger Wirtschaftsministerium verlauten lassen, dass es plant, Estlands Angebot bis zum nächsten Monat anzunehmen und ein weiteres Kooperationsabkommen in Tallinn zu unterzeichnen. Das wird die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Luxemburg das Ziel von 2020 erreichen wird. Die Einzelheiten der Vereinbarung wurden noch nicht veröffentlicht.

Estland hofft, mit einem weiteren Kooperationsabkommen einen großangelegten Windpark zu finanzieren. Wenn die 2020-Ziele bei der Festlegung der 2030-Ziele berücksichtigt werden, planen die Esten einen fast ein Gigawatt großen Offshore-Windpark in der Ostsee.

Tallinn benötigt längerfristige Zusicherungen, um Geld in ein so großes Projekt zu investieren, das voraussichtlich nicht vor 2020 abgeschlossen sein wird.