Kritische Rohstoffe: Frankreich bereitet große Bestandsaufnahme vor

Frankreichs Ressourcen umfassen Nickel, Kobalt, Magnesium, Kupfer, Wolfram und Seltene Erden sowie "zahlreiche kleinere Ressourcen, die zur Anpassung der Eigenschaften kritischer und strategischer Materialien benötigt werden", erklärte Christophe Poinssot, stellvertretender Generaldirektor der BRGM. [David Steele / Shutterstock]

Nach dem jüngsten Vorstoß der EU für eine größere Autonomie bei kritischen Rohstoffen hat Frankreich mit den Vorbereitungen für eine „große Bergbauinventur“ begonnen, um die landeseigenen Rohstoffvorkommen zu erkunden. Laut Experten dränge die Zeit.

Im März legte die Europäische Kommission einen Vorschlag für ein Gesetz über kritische Rohstoffe vor, das die Abhängigkeit der EU von China bei Mineralien wie Seltenen Erden oder Lithium, die in Windkraftanlagen und Elektroautos verwendet werden, verringern soll.

Derzeit sind die EU-Mitgliedstaaten bei wichtigen Mineralien zu 75 Prozent bis 100 Prozent von Importen abhängig.

Allein bei Lithium hätte Frankreich genügend Reserven, um mehrere Jahrzehnte lang jährlich zwischen 700.000 und 950.000 Autos mit Elektrobatterien auszustatten. Das entspricht knapp der Hälfte des jährlichen Ziels der französischen Regierung bis 2030, das bei zwei Millionen Elektrofahrzeugen liegt.

Die Selbstversorgung mit Lithium allein wird jedoch nicht ausreichen, um die französische und europäische Energiewende zu sichern, da derzeit 34 Mineralien auf der Liste der kritischen Rohstoffe der EU stehen.

Aus diesem Grund kündigte der französische Präsident Emmanuel Macron im September eine „große Bestandsaufnahme der Bergbauressourcen“ an.

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Reichhaltige Ressourcen in Frankreich

Frankreichs Ressourcen umfassen Nickel, Kobalt, Magnesium, Kupfer, Wolfram und Seltene Erden sowie „zahlreiche kleinere Ressourcen, die zur Anpassung der Eigenschaften kritischer und strategischer Materialien benötigt werden“, erklärte Christophe Poinssot, stellvertretender Generaldirektor der BRGM, auf einer Pressekonferenz Anfang Oktober.

In Anlehnung an Macron forderte Poinssot die politischen Entscheidungsträger auf, eine umfassende Bestandsaufnahme des Bergbaus durchzuführen.

„Die letzte Inventur dieser Art stammt aus dem letzten Jahrhundert“, sagte er. Er wies darauf hin, dass diese Inventur nur einen Teil des Territoriums und seines Untergrunds abdeckte, ohne die bereits erbohrten Gebiete erneut zu untersuchen. „Damals war der Bedarf weniger akut“, da damals nur etwa 20 Mineralien gesucht wurden, während man nun nach etwa 50 schauen wolle.

Die französischen Behörden prüfen derzeit den Umfang und den Zeitrahmen der künftigen Bestandsaufnahme. Der Zeitplan für die Inventur steht noch nicht fest, doch haben die Experten des BRGM bereits mit Pilotprojekten begonnen: „Wir müssen bereit sein, so schnell wie möglich zu handeln.“

Die Zeit, die noch bleibt, um die EU-Ziele zu erreichen, wird jedoch immer knapper.

Im Juli erklärte Poinssot gegenüber Euractiv, dass die EU die Ziele ihres CRMA ohne die rasche Inbetriebnahme neuer Minen niemals erreichen könne.

Allein die Bestandsaufnahme werde fünf bis sechs Jahre dauern und etwa 100 Millionen Euro kosten.

Im Durchschnitt dauert es jedoch 15 Jahre, bis ein Bergbauprojekt alle erforderlichen Phasen durchlaufen hat – von der Prospektion über die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Genehmigung bis hin zum Betrieb -, sagte Poinssot. „Bei Kupfer kann dies sogar 17 Jahre dauern“, fügte er hinzu.

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Selbst wenn heute in der Europäischen Union neue Minen eröffnet würden, wäre es nach Ansicht von Experten des französischen Bergbausektors sehr schwierig, die EU-Ziele für die Gewinnung kritischer und strategischer Rohstoffe bis 2030 zu erreichen.

Andere europäische Länder weiter vorn

Auf europäischer Ebene äußerte sich Poinssot jedoch zuversichtlicher. „Im Gegensatz zu Frankreich haben viele Nachbarländer ihre Bergbauindustrie nicht eingestellt“, sagte er.

In Verbindung mit einer größeren Aufmerksamkeit für die ökologischen und sozialen Aspekte von Bergbauprojekten könnte dies dafür sorgen, dass der Bergbau früher als erwartet nach Europa zurückkehrt.

„Niemand kann leugnen, dass zum Beispiel die Schweden oder die Finnen sehr umweltbewusst sind. Dennoch ist es ihnen gelungen, die Bergbautätigkeit aufrechtzuerhalten und auszubauen“, so Poinssot.

Um die Dinge zu beschleunigen, plant die CRMA der EU, Explorationsprogramme in der gesamten EU zu unterstützen, indem sie von den Mitgliedstaaten verlangt, die Daten über nationale Projekte einmal im Jahr zu aktualisieren.

Im Jahr 2022 enthielt die EU-Datenbank mehr als 955 Projekte in 22 Ländern, die 26 kritische und strategische Metalle abdecken, so die Europäische Kommission, die diese Art von Daten seit 2018 sammelt.

Darüber hinaus „wird das Know-how im Rahmen von EuroGeoSurveys geteilt, das die führenden Kräfte in Europa zusammenbringt“, erklärte Poinssot.

Mit anderen Worten: Der Experte hält es nicht für notwendig, einen EU-Dienst nach dem Vorbild des US Geological Survey zu entwickeln, der alle geologischen Studien in den Vereinigten Staaten überwacht.

„Vielleicht wäre es besser, die drei größten europäischen Beobachtungsstellen für Bergbauressourcen [Frankreich, Deutschland und die skandinavischen Länder] aufzufordern, ihre Bemühungen zu koordinieren und ihre Daten gemeinsam zu nutzen, anstatt aus dem Nichts ein europäisches Amt zu schaffen“, kommentierte Philippe Varin, ehemaliger Industrievorstand und Berater der französischen Regierung im Bereich der kritischen Rohstoffe.

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Der ökologische Übergang erfordere die Erneuerung aller möglichen Produktionskapazitäten für Seltene Erden und Metalle in der EU, sagte Philippe Varin, ehemaliger Vorsitzender der französischen Kernbrennstoffgruppe Orano, in einem Interview mit EURACTIV.

Diversifizierung

Frankreich unterzeichnete am 12. Oktober anlässlich eines Besuchs des mongolischen Präsidenten Ukhnaa Khutelsukh in Paris ein Abkommen über kritische Rohstoffe mit der Mongolei, nachdem es bereits Ende September ein ähnliches Partnerschaftsabkommen mit Australien unterzeichnet hatte.

Der französische geologische Dienst (BRGM), der das Abkommen für die französische Seite unterzeichnete, erklärte, dass diese neue Partnerschaft „die Einleitung verschiedener Projekte von gemeinsamem Interesse ermöglichen soll, die es der Mongolei erlauben, ihre kritischen Materialressourcen besser zu verstehen und zu nutzen.“

Nach der Ankündigung der Partnerschaft haben Frankreich und die Mongolei ein Satellitenprojekt zur Erkundung von Lithium in der Mongolei gestartet. Dieses Projekt gilt als Schlüsselprojekt für die Mongolei und die EU, die an einer Diversifizierung der Versorgung mit strategischen Rohstoffen interessiert ist, die für den ökologischen Wandel benötigt werden.

Lesen Sie den französischen Originalartikel hier.

[Bearbeitet von Daniel Eck/Frédéric Simon/Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]

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