Kreislaufwirtschaft mit spanischer Gülle: Nichts verkommen lassen

Was man mit Schweinemist alles so machen kann... Beispielsweise Biogasanlagen befeuern. [EFE Archiv]

This article is part of our special report Die „neun Ziele“ der GAP und die Bioökonomie.

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Der spanische Agrar- und Nahrungsmittelsektor will im Wettlauf um die Führungsposition in der Kreislaufwirtschaft – in der alles, selbst die kleinsten Abfälle aus Anbau und Industrie, einen Mehrwert haben und zur wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit beitragen können – nicht hinterherhinken und bringt sich auf kreative Weise ein. EURACTIVs Partner EFEAGRO berichtet.

„Vom Schwein können wir alles nutzen, vermutlich sogar das ‚Oink'“, so ein spanischer Landwirt mit Verweis darauf, dass alle Körperteile des Tieres verwertbar seien. Dies ist, kurz zusammengefasst, das Prinzip der Kreislaufwirtschaft.

Und die spanische Schweineindustrie geriert sich als einer der Aktivposten in dieser Entwicklung.

Bioökonomie: Die clevere Art der Ressourcennutzung

Wer Bio-Ressourcen wie Rückstände und Abfälle wiederverwendet, schließt den Produktionskreislauf – und kann damit Geld verdienen. Die Bioökonomie fördert eine intelligentere Art der Nutzung und auch der Wahrnehmung solcher Ressourcen.

Tatsächlich ist sogar Schweinekot ein Nebenprodukt der Viehzucht, das in diesem Rennen an vorderster Front steht (bzw. liegt): Bei guter Verarbeitung kann er beispielsweise als Dünger oder für die Erzeugung von Biogas verwendet werden.

Die in Lorca in der Region Murcia gegründete Viehzuchtgenossenschaft Jisap verfolgt diese Philosophie: Die Kooperative verwendet Gülle als organischen Dünger, weil dieser sowohl Flüssigkeit als auch Mikro- und Makronährstoffe für Nutzpflanzen liefert – vorausgesetzt, er wird in der richtigen Konzentration und sinnvoll eingesetzt.

Gegenüber EFEAGRO teilte die Genossenschaft mit, viel Betriebe verfügten sowohl in den Produktions- als auch in den Kläranlagen über integrierte Managementsysteme: Zunächst trennen sie den festen Teil von der Schweinegülle ab und erhalten Mist, der mit dem aus Kälbermastbetrieben vermischt wird, so dass „hochwertiger“ Mist für die Landwirtschaft entsteht. Der flüssige Teil hingegen wird chemischen Prozessen unterworfen und später durch biologische Filter geleitet. So wird eine angereicherte Flüssigkeit extrahiert, die als Dünger verwendet werden kann.

Diese Flüssigkeit wiederum wird nur auf Böden ausgebracht, die sich in unmittelbarer Nähe der Anlagen befinden, in denen die Gülle behandelt wird. Dort werden Getreide, Ölpflanzen und Zitrusfrüchte angebaut.

Im Endergebnis wird somit nicht nur die Schweinegülle weiter genutzt, sondern auch Bio-Dünger geschaffen, die den Böden helfen, sich zu erholen. Außerdem werden die durch die Fäkalien verursachten Treibhausgasemissionen reduziert.

Bioökonomie: Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit als Prinzip

Den Begriff Bioökonomie kannte vor 20 Jahren kein Mensch. Heute orientieren sich viele Staaten an einer stärkeren Nutzung der Ressourcen. Mitbegründer Christian Patermann erklärt EURACTIVs Medienpartner Deutsche Welle das Forschungsprinzip.

Forscher des Katalanischen Instituts für Agrarlebensmittelforschung und -technologie (IRTA) nehmen damit inzwischen an einem europäische Projekt mit dem Namen „Circular Agronomics“ teil. Das Projekt zielt darauf ab, die Rückgewinnung und das Recycling von Nährstoffen in der gesamten Agrarlebensmittelkette zu gewährleisten. Forschungszentren und Universitäten aus zehn verschiedenen Ländern sind daran beteiligt.

IRTA baut auf dem Wissen der Schweinebauern auf und soll so eine „Valorisierung“ von Gülle erreichen – nicht nur als Bio-Dünger, sondern auch als Biogas und zur Erzeugung sauberer Energie.

Beispielsweise könne die Gülle per anaerober Vergärung behandelt werden, um so Methangas zu gewinnen, das wiederum als Energiequelle genutzt werden kann, erklärt IRTA-Forscher Víctor Riau.

Die Wiederverwendung von französischem Bioabfall in der Gebäudeisolierung

Durch die Verwendung von Hanf, Biertreber und Dinkelspelzen beginnen viele französische KMU mit der Herstellung von natürlichen Dämmstoffen auf der Basis von Biostoffen und Bioabfällen, die bisher nicht „wiederverwertet“ wurden. EURACTIV Frankreich berichtet.

Die Ziele der Kreislaufwirtschaft sind im spanischen Agrarsektor nichts komplett Neues. Es gibt Bereiche, in denen solche Praktiken bereits alltäglich geworden sind, wie zum Beispiel im Olivenölsektor, in dem Spanien weltweit führend ist.

So werden beispielsweise in der andalusischen Olivengenossenschaft El Tejar 30-35 Prozent des „alperujo“ [der zähflüssige Abfall, der beim Pressen entsteht] recycelt.

Der Präsident von El Tejar, Francisco Serrano, erklärt, der „alperujo“ werde einem Zentrifugierungs- und Trocknungsprozess unterzogen, um konzentriertere Stoffe zu erhalten, die dann an Kraftwerke geliefert werden, die sie zur Erzeugung von elektrischer Energie durch Verbrennung verwenden können. Bei diesem Vorgang erhält man wiederum Asche, die als landwirtschaftlicher Dünger wiederverwendet wird, da sie reich an Kalium und Mikroelementen ist.

Die Genossenschaft hat auch Weiterverwertungsmöglichkeiten für Olivenkerne – die beispielsweise als Brennstoff verwendet werden – und Olivenblätter gefunden. Letztere haben aufgrund des hohen Anteils an Polyphenolen einen gewissen pharmazeutischen Wert.

Ähnliche Vorgänge gibt es auch bei anderen Produkten. Ein Beispiel ist die Kaki-Frucht: Deren spanische Erzeugergemeinschaft hat erst kürzlich ein Abkommen mit der Firma Genia Global Energy, die sich auf Biogasanlagen spezialisiert, unterzeichnet. So soll aus den 18.000 Tonnen „minderwertiger“ Früchte, die jedes Jahr aus Qualitätsgründen nicht auf den Markte gelangen, neue Energie gewonnen werden.

Das erzeugte Biogas wird in das Verteilungsnetz eingespeist oder in erneuerbare Energie umgewandelt, die gespeichert und als Wärme, Strom und Kraftstoff genutzt werden kann.

EU setzt für den Green Deal auf Bioökonomie

Die Europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten wollen das Konzept der „Bioökonomie“ nutzen, um im Bereich Landwirtschaft die Prioritäten des Green Deal um zusetzen.

Neben der spanischen Landwirtschaft ist auch die Industrie ein wichtiger Partner auf dem Weg zu einer verbesserten Kreislaufwirtschaft. So hat die Firma Cerealto Siro Foods mit ihrem Partner Tuero eine neue Anlage in Venta de Baños (Palencia) zur Produktion von Biogas und organischem Dünger in Betrieb genommen.

Auf diese Weise soll es gelingen, die Transporte auf Deponien oder in Abfallbehandlungszentren um 30.000 Tonnen pro Jahr zu reduzieren – was zu einer erheblichen Verringerung der Emissionen führen würde.

Weitere Vorteile ergeben sich nicht nur aus dem möglichen Verkauf von Biogas oder Dünger, sondern auch aus den Einsparungen beim Energieverbrauch, wie das Unternehmen betont.

Ob in der Landwirtschaft oder in der Industrie: Recycling und Null-Emissionen sind die Endziele all dieser Praktiken. Unsere Wahrnehmung des Agrarlebensmittelsektors haben sie bereits heute verändert.

[Bearbeitet von Daniel Eck, Zoran Radosavljevic]

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Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung (Mitteilung) trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

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