Kommission will Tiefseebestände auffüllen

Fischerei gilt als Hauptursache für rückläufige Bestände. [shutterstock/ KatsiarynaKa2]

Verschmutzung und Überfischung sorgen auch im Nordostatlantik zu rückläufigen Fischbeständen. Die EU-Kommission schlägt nun Fangquoten vor, die eine Erholung ermöglichen sollen.

Dabei beruft sich die Brüsseler Behörde auf wissenschaftliche Gutachten – und zeigt sich überzeugt, dass ihre Vorschläge geeignet sind, die Bestände allmählich wieder auf ein nachhaltiges Niveau anzuheben und auf selbigem zu stabilisieren.

„Mit unserem Vorschlag werden die Mitgliedsstaaten aufgerufen, nach dem Vorsorgeansatz zu verfahren, um den besorgniserregenden Rückgang der Tiefseebestände umzukehren“, sagte der für Meerespolitik zuständige EU- Kommissar Karmenu Vella. Und weiter: „Es liegt in unserem gemeinsamen Interesse, dafür zu sorgen, dass die Fischbestände in der Tiefsee in gutem Zustand sind, zum Wohl unserer Fischer und Küstengemeinden, zur Sicherung ihres Lebensunterhalts und zum Schutz unserer Meeresökosysteme.“

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Die vorgeschlagenen Quoten beziehen sich auf die Jahre 2019 und 2020. Laut Kommissionsangaben bedeute der Vorschlag einen Rückgang der Fangmengen in sieben Bewirtschaftungsgebieten. In den Genuss eines höheren Schutzes kommen dabei unter anderem der Kaiserbarsch und der Schwarze Degenfisch. Schlechte Nachrichten gibt es hingegen für die Rote Fleckbrasse und den Rundnasen-Grenadier.: Hier wird eine Erhöhung der Quoten vorgeschlagen. Aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die der Internationale Rat für Meeresforschung lieferte, sei das vertretbar.

Aus der Wissenschaft kommt auch Kritik an der Meerespolitik und am zuständigen EU-Kommissar. Erst Anfang des Monats schlug das Kieler Institut für Weltwirtschaft Alarm: „In der nachhaltigen Nutzung der Meere haben die EU-Küstenstaaten in den vergangenen Jahren eher Rück- als Fortschritte gemacht. Insbesondere in der Fischerei haben sie eine nachhaltige Entwicklung verpasst“, kommentieren die Norddeutschen die Ergebnisse ihrer jüngsten Studie.

„Vor allem Indikatoren, die sich auf die Fischerei beziehen, haben sich verschlechtert“, kritisierte der Autor, Wilfried Rickels. Im Vergleich zu 2012 seien die Fänge von Fischbeständen, bei denen die Biomasse unterhalb der Biomasse-Grenzwerte liegt, deutlich gestiegen.

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Zudem sehen einen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Ernennung von Karmenu Vella zum EU-Kommissar 2014 und einer schlechteren Entwicklung der Nachhaltigkeit in der Nutzung der Meere. „Umweltverbände waren schon vor der Ernennung Vellas skeptisch, ob dieser die auf Nachhaltigkeit ausgelegte Politik seiner Vorgängerin Maria Damanaki fortsetzen würde“, sagte Co-Autor Rudi Voss. Der maltesische Kommissar steht seit Amtsantritt in der Kritik, durch höhere Fangquoten Überfischung zu befördern und den allgemein anerkannten Pfad der Nachhaltigkeit verlassen zu haben.

Hintergrund

Bei der EU-Kommission heißt es: „Auf die Tiefseefischerei entfällt weniger als 1 % aller im Nordostatlantik gefangenen Fische. Im Laufe der Jahre haben die Fischereitätigkeiten und die damit zusammenhängenden Arbeitsplätze mit dem Rückgang der Tiefseebestände abgenommen. Gleichzeitig sind Daten zur Bestandsstruktur, Altersverteilung oder Fortpflanzung häufig nur schwer zu erfassen, da die Bestände in tiefen Meeresregionen leben. In wissenschaftlichen Gutachten wird empfohlen, bei diesen Beständen den Vorsorgeansatz anzuwenden. Ziel ist es, den Zustand der Bestände zu verbessern und die Befischung auf dem Niveau des höchstmöglichen Dauerertrags (Maximum Sustainable Yield – MSY) zu ermöglichen. Das bedeutet, dass die Fischwirtschaft die größtmögliche Menge Fisch entnimmt, bei der gleichzeitig ein guter Zustand der Fischbestände gewährleistet ist.“

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